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Vorsitzende Vanessa Bludau mit Reichthalhammer.  

Grachade Dirndl: Alle anderen sind um die 20

Wie eine 91-Jährige Mitglied bei Verein für junge Frauen wurde

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Gerda Reichthalhammer ist seit Kurzem Mitglied in dem Holzkirchner Verein für junge Frauen – und genießt Narrenfreiheit bei den Grachaden Dirndln. Wie es dazu kam.

Holzkirchen – Das wichtigste Zugangskriterium hat Gerda Reichthalhammer allemal erfüllt: Sie ist älter als 16 Jahre. Und das schon eine ganze Weile. Denn Reichthalhammer ist 91 Jahre alt. Und seit Kurzem Mitglied bei den Grachaden Dirndln in Holzkirchen. „Wir fühlen uns geehrt, so ein tolles Premiummitglied bei uns im Verein begrüßen zu dürfen“, sagt Erste Vorsitzende Vanessa Bludau. Und unter lauter hübschen jungen Frauen um die 20 ist die 91-jährige Holzkirchnerin mit Abstand das älteste Mitglied. „Das stört mich überhaupt nicht“, sagt sie. Sie ist eine Frau, die ihren eigenen Weg geht.

Die Grachaden Dirndln gibt es seit April 2014. Eine Gruppe rund um Bludau gründete damals einen Verein nur für Mädchen und junge Frauen – quasi als Gegengewicht zum Burschenverein. Mitmachen dürfen alle Frauen ab 16 Jahren, egal ob ledig, verheiratet oder geschieden. Reichthalhammer ist verwitwet. Seit 1948.

Mit der Seniorin zählt der Verein jetzt „28 supertolle Mitglieder“, sagt Bludau. Der Fokus der Gruppierung liege vorwiegend auf Spenden. „Unser hart erarbeitetes Geld, das wir bei Veranstaltungen in Holzkirchen verdienen, soll zum größten Teil gespendet werden“, erklärt die Vorsitzende.

Reichthalhammer sieht sich eher als unterstützendes Mitglied. „Es gefällt mir, was die Mädchen da machen“, sagt die 91-Jährige. „Es ist eine lockere, nette Verbindung.“ Früher habe es das nicht gegeben, dass Mädchen „so nett zusammenkommen.“ „Ich suche zur Jugend die Verbindung“, erklärt die ehemalige Lehrerin. Sie selbst kam durch die Vorsitzende zu dem Verein: Reichthalhammers Enkel Josef ist mit Bludau liiert. Urenkel gebe es leider noch nicht. Aber: „Man muss zu erkennen geben, dass es einen freuen täte.“ Die 91-Jährige kennt die Tricks.

Als Älteste in der Truppe genießt die Rentnerin auch eine gewisse Narrenfreiheit: „Ich muss nicht zu den Versammlungen“, erzählt sie und lacht. Und wenn die Grachaden Dirndln zum Beispiel bei Festivitäten bedienen und anderweitig aushelfen, muss sie auch nicht anrücken. Auch kleidungstechnisch darf die 91-Jährige aus der Reihe der Grachaden Dirndl tanzen, die sich gerne im Dirndl zeigen. „Ein Dirndl trage ich mit 91 Jahren nicht mehr“, sagt sie. Notfalls kann sie aber mit Trachtenjacke und Rock auftreten, schöne Lodensachen.

Aber auf anderen Gebieten kann die 91-Jährige mit der Jugend mithalten. „Ich habe ein ganz modernes Ding“, sagt sie stolz. Sie meint ein E-Book, mit dem sie im Bett prima lesen könne. So etwas hat es früher auch noch nicht gegeben. Aber die Zeiten ändern sich eben. Und das ist gut so.

mar

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