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Ostern im heimischen Garten: Grit Franzky, ihr Mann Thomas Füssl und der neunjährige Sohn Julian haben ihren Garten geschmückt. Die Feiertage möchten sie so normal verbringen wie möglich. 

Mitten in der Corona-Krise

Ostern daheim im Garten - so normal wie möglich

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Trotz oder gerade wegen der Coronakrise wollen Grit Franzky, ihr Mann Thomas Füssl und Sohn Julian Ostern so normal wie möglich feiern. Nur auf eines muss die Familie aus Holzkirchen verzichten. Und das tut schon ein bisschen weh.

Holzkirchen – Nein, Julian glaubt nicht mehr an den Osterhasen. Schließlich ist er schon neun Jahre alt. Dafür weiß er schon, was Corona ist. Seine Eltern und Lehrer haben es ihm erklärt. Er weiß jetzt, dass das eine ansteckende Krankheit ist. Dass man gerade viel Händewaschen muss, nicht alles anfassen darf und sich von Oma und Opa fernhalten sollte, da diese besonders gefährdet sind. „Julian hat das schon alles verstanden“, meint Mama Grit Franzky. „Aber wir wollen keine Panik verbreiten.“ Julian soll keine Angst haben. Schon gar nicht an Ostern.

Deshalb soll Ostern heuer so normal wie möglich ablaufen. Trotz allem. Auch wenn die Familie aus Holzkirchen – wie viele andere – wegen der Coronakrise auf einige lieb gewonnene Rituale verzichten muss. Vor allem auf ihre Lieben. „Wir feiern Ostern dahoam“, sagt Franzky. Ganz ohne Hektik. Nur die drei. Mama, Julian und Papa Thomas Füssl (49). „Unter der Voraussetzung, dass alle gesund sind“, sagt die 47-Jährige.

Julian hat im Vorfeld mit seiner Mama Eier ausgeblasen und angemalt. Wegen der verlängerten Ferien hatte der Drittklässler viel Zeit zum Dekorieren. Sie haben einen hübschen Osterstrauß gemacht und auch den Garten mit bunten Eiern verschönert. „Julian freut sich natürlich sehr auf Ostern“, sagt die 47-Jährige, die mit ihrem Ehemann eine eigene Firma betreibt, die sich um Vereinssoftware kümmert.

Der Ostersonntag soll mit einem ausgedehnten Frühstück beginnen, eher einem Brunch. Es gibt Käse, Wurst, Lachs, Obst und natürlich gefärbte Eier. Danach geht es gleich raus, damit Julian nicht hibbelig wird. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir einen kleinen Garten haben“, sagt Franzky. Dort kann der Osterhase Eier und Geschenke verstecken. Vor allem für Julian. Eine materielle Aufrüstung quasi als Tröster in schwierigen Zeiten gibt es nicht. „Er bekommt auf keinen Fall mehr als sonst“, betont die Mutter. Heißt: Süßes, gefärbte Eier, ein Buch und sein geliebtes Lego. „Wir können unsere Familientradition also weitgehend beibehalten“, sagt sie. Das Wetter soll ja auch mitspielen.

Weniger schöne Tage hat ein Ehepaar in Bad Wiessee durchleben müssen.

Franzky versucht, trotz allem die positiven Dinge zu sehen: „Wir freuen uns, dass es uns gut geht“, sagt sie. Und: „Ich bin froh, dass wir spazieren gehen dürfen.“ Das sei ja im Moment nicht in jedem Land selbstverständlich. Deshalb bricht die Familie, wenn alle Osternester gefunden sind, zu einem Spaziergang auf. Auch so eine kleine Tradition. Vielleicht machen sie einen Abstecher in den Kogel oder bleiben einfach nur im Bereich der Flinspachstraße. Also quasi vor der Haustür. „Zum Tegernsee oder so fahren wir bestimmt nicht“, betont die Mutter.

In die Kirche geht die Familie an Ostern sowieso nie, daher wird sie die gemeinsamen Gottesdienste, die heuer allerorts ausfallen, nicht vermissen. Aber eines wird ihnen schon sehr abgehen: Normalerweise besuchen die drei an den Osterfeiertagen die Großeltern. „Meine Schwiegereltern wohnen in Ismaning“, sagt Franzky. Dieser Ausflug, das gemeinsame Kaffeetrinken, Beisammensitzen und Spazieren gehen muss heuer leider ausfallen. Das tut weh. Aber: „Wir werden auf jeden Fall mit ihnen telefonieren.“ Ganz lang.

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Die anderen Großeltern, Franzkys Eltern, wohnen zwar im selben Haus in Holzkirchen. Da die zwei 81 Jahre alt sind, halte man aber Abstand. Auch an Ostern. „Die Oma vermisst ihren Enkel natürlich schon“, sagt die Mama. „Wir werden ihnen auf jeden Fall was von unserem Abendessen runter stellen.“ Es gibt Lachsfilets mit Kartoffeln und Bohnen. Das gemeinsame Feiern fällt zwar aus. Aber man teilt und kümmert sich. So sieht Ostern im Jahr 2020 aus. Ostern daheim.

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