Willkommen im Alpenwahn bei Toni und Nora Jochner
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Glitzerwelt: Toni und Nora Jochner designen mit ihrem Team in Heignkam Trachtenschmuck und alpine Accessoires. Die große Produktion findet in Tschechien statt.
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Doppelgänger: Jochner (r.) und Künstler Milan Knízák
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Tierisch: Sämtliche Geweihe werden mit Straßsteinchen verziert.
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Kassenschlager: Charivaris gehen weg wie warme Semmeln.
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Trachten-Accessoires 

Irrrer Laden in Ex-Besamungsstation: Willkommen im Alpenwahn

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In einer ehemaligen Besamungsstation designen Toni und Nora Jochner in Heignkam Trachtenschmuck und alpine Accessoires. Obwohl der Trachtentrend abflaut, läuft das Geschäft gut.

Holzkirchen – Die Trachtenbranche ist wie eine launische Frau. „Alle sieben Jahre geht es rauf“, sagt Toni Jochner, grauer Pferdeschwanz, Hawaiihemd, Shorts. Dann erreicht sie drei Jahre ihren Höhepunkt. Danach geht’s wieder runter. „Im Moment stinkt die Tracht ab.“ Ein Indikator: Viele Mädels am Waldfest in Enterrottach würden heute Jeans, kein Dirndl tragen. Und während vor einiger Zeit noch edle Stoffe in waren, gehe man jetzt wieder zurück zur klassischen Tracht. „Da müssen wir unseren Schmuck anpassen.“ Trotzdem läuft für ihn und seine Frau Nora das Geschäft nicht schlecht. In einer großen Halle stapeln sich die Beweise: Rotwild- und Mufflongeweihe mit Straßsteinchen, Charivaris mit Rehen und Wildschweinen, Knöpfe mit Trachtlerpaaren, Lampen im Alpenstil. Überall glitzert es.

Trachtenschmuck und alpine Accessoires designen die Jochners mit ihren Mitarbeitern in Heignkam bei Holzkirchen. Die Räume dienten einst einem anderen Zweck, an den ein Schild über der Kasse erinnert: „Besamungsstation Holzkirchen der Vereinigung für Rinderbesamung“ heißt es da. Heute befindet sich hier die Firma „Alpenwahn.“ Und der Name ist Programm. Produziert wird mittlerweile in Tschechien. Über 160 Heimarbeiter werkeln dort. Zum Beispiel werden im Jahr eine Million Knöpfe produziert. „Er ist hier der Big Boss“, scherzt Jochners Frau Nora und knufft ihn in den Bauch.

Der Big Boss ist einer, der gerne Geschichten erzählt, und er hat einiges erlebt. Bis der 73-Jährige zum Trachtenwahn kam, dauerte es. Eine Ausbildung besaß er nicht. „Ich habe sechs Jahre als Hippie gearbeitet“, sagt er und lacht. Er lebte auf Kreta, Sylt und in Goa. Irgendwann war die Hippiezeit vorbei, und Jochner musste sich einen Job suchen. Nach einem Intermezzo bei einer Dübelfabrik „wollte ich nicht mehr der Knecht sein.“ Also eröffnete er 1971 in Holzkirchen seinen Jeansladen, den ersten im Oberland, wie er behauptet. Der Name des Geschäfts in der Tegernseer Straße lautete: „Hosenstall“. Anfangs fragten die Leute noch nach Stallhosen, die davor dort verkauft wurden. „Oder Brunzhosen“, sagt Jochner und kichert. Damit die Damen im Stall ohne großen Aufwand ihr Geschäft verrichten konnte. Im Hosenstall aber gab’s nur Jeans. Ab und zu trat dort sein Kumpel, der Musiker Fredl Fesl, auf. Irgendwann ging es mit dem Jeanstrend abwärts, genau wie mit seiner alten Liebe. „Dann habe ich mich frauentechnisch verändert.“ Er lernte „Lieblingsfrau“ Nora kennen. Und dann begann der ganze Alpenwahn.

Jochner, der sich beruflich neu orientieren wollte, marschierte zum Oberpollinger in München. „Um zu schauen, in welcher Abteilung am meisten los ist.“ In der für Haarklammern standen die Leute in Dreierreihen an. Also designten Jochner und seine Frau zunächst Haarspangen. Dann kam der Landhausstil, und die beiden stiegen auf Trachtenaccessoires um. „Man braucht a bissl Talent und a bissl Technik.“

Das Ende des Kommunismus war sein großer Start. 1990, nach dem Mauerfall, eröffnete Jochner in der Tschechei sein Geschäft. Dort findet heute ein Großteil der Produktion statt, es gibt ein Lager. In Tschechien sprechen ihn die Leute oft mit Milan Knízák an. Knízák ist ein bekannter tschechischer Künstler und ehemaliger Direktor der Akademie der Bildenden Künste und der Nationalgalerie in Prag. Zum Spaß hing Jochner eine Bilderkombi in seine Werkstatt auf. Oben klebt ein Foto von Knízák, daneben eine Karikatur von Jochner. Die Ähnlichkeit der beiden verblüfft.

Jochners absoluten Bestseller sind die Tic-Armbänder, kurz für „turbo-intelligente Kollektion“. Auch die Charivaris gehen weg wie warme Semmeln. Zwischenzeitlich baumelten sogar echte Kamelzähne dran. Hier hat Jochner wieder eine Geschichte parat: Er fuhr mit dem Zug durch Indien, fragte seinen Sitznachbarn, was in seinen Säcken drin sei. Es waren Kamelzähne, und Jochner kaufte ihm 20 000 Stück ab. Die machten viel Arbeit, erzählt seine Frau Nora. Verdammte Karies. Das Ärgerliche: Sobald die Sachen auf dem Markt sind, werden sie kopiert, meint der 73-Jährige. Der Trost: Wenigstens habe man einen Trend gesetzt.

Und wenn es ihm mal zu bunt wird, geht er zu seiner Buddha-Statue aus Orangencalcit. „Das ist aus meiner Hippiezeit“, sagt Jochner und streicht der 70-Kilo-Figur über den Bauch. Hier tankt er seine Energie für den Alpenwahn.

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