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So bitte nicht! Meter hohe Weihnachtsmänner und bunte Lichterketten zieren den Garten dieses Hauses in Baden-Württemberg. Die Beleuchtung in Holzkirchen soll entschieden dezenter ausfallen.

Konzept steht

Winterbeleuchtung für den Ortskern: Aha-Effekte, aber bloß keinen Kitsch

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Holzkirchens Ortskern soll ab Dezember wieder einheitlich erstrahlen. Eine festliche Illuminierung muss her. Die Anforderungen: dezent und geschmackvoll, keinesfalls kitschig.

Holzkirchen – Ein kurzer Blick in die Zukunft: Es ist Dezember, die ersten Schneeflocken rieseln auf den Marktplatz in Holzkirchen. Vor dem Rathaus sitzt ein Plastik-Weihnachtsmann im Schlitten. Auf Knopfdruck sagt er: Ho, ho, ho. Die Bäume sind mit einem bunten Lichternetz überworfen. In der Bücherei daneben zuckeln mechanische Deko-Rentiere durchs Schaufenster, untermalt von Jingle Bells in Endlosschleife.

Für Hubert Müller, Marktgemeinderat der FWG, wäre dieses Szenario der leibgewordene Albtraum. Für viele seiner Kollegen im Orts- und Verkehrsplanungssausschuss wohl auch. Um so größer war die Erleichterung in der jüngsten Sitzung, als Eva-Maria Schmitz, Standortförderin der Marktgemeinde, das Konzept für eine einheitliche Beleuchtung im Ort vorstellte. Und das hat mit der eingangs beschriebenen weihnachtlichen Reizüberflutung nichts zu tun. Müller sagte: „Ich bin beruhigt.“

Demnach sollen die Bäume am Marktplatz, der Brunnen, das alte Rathaus, also die jetzige Bücherei, illuminiert werden, ebenso die Straßenlaternen und Bäume entlang der Münchner Straße von Hafnerstraße bis Oskar-von-Miller Platz. Allerdings nicht mit farbenfrohen, blinkenden Lichtergirlanden, sondern „ganz dezent in warmweiß“, erklärte Schmitz, die im Januar eigens die Beleuchtungsmesse in Frankfurt am Main besuchte. Dort habe sie sich inspirieren lassen und sei zu dem Entschluss gekommen, die Beleuchtung nicht zu weihnachtlich zu gestalten. Aus einem einfachen Grund: „So können wir sie länger hängen lassen“, sagte sie. Den Christbaum am Marktplatz etwa, der heuer erstmals mit LED-Kerzen geschmückt werden soll, baue der Bauhof meist am 6. Januar ab, eine „Winterbeleuchtung“ kann länger funkeln.

Konkrete Entwürfe konnte Schmitz dem Ausschuss nicht präsentieren. Das Rathaus schreibt den Auftrag erst aus. Bis zu 49 000 Euro stehen für die Beleuchtung im diesjährigen Haushalt zur Verfügung. Firmen haben bis Ende Juli Zeit, Angebote abzugeben, samt eines Beleuchtungskonzept, in dem die Anforderungen eingearbeitet sind.

Zu diesem Konzept gehört auch, dass Holzkirchen nicht schon in diesem Dezember mit Lichtern überladen wird. „Wir wollen, dass sich die Beleuchtung entwickelt“, sagte Schmitz. Der Bereich rund um den Marktplatz macht heuer den Auftakt, andere Ortsteile wie Föching und Hartpenning sollen folgen. „Damit erzeugen wir zu Weihnachten immer einen neuen Aha-Effekt“, erklärte Schmitz. Auch die Gewerbetreibenden sollen mit ins Boot geholt werden. Nachdem die Lichtersterne, die die Einzelhändler vor gut 30 Jahren angeschafft hatte, nur noch lückenhaft vorhanden und funktionsfähig seien, sollen sie sich vom neuen Konzept inspirieren lassen.

Läuft alles nach Plan hängt die Beleuchtung zum 1. Dezember auf, sodass Holzkirchens Zentrum erstrahlt. Weihnachtlich/winterlich, nicht kitschig. Oder wie es Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) ausdrückte: „Weniger ist mehr.“ Zur Erleichterung von Hubert Müller. „Das geht oft in Richtung Kitsch, und ich will der Amerikanisierung keinen Vorschub leisten“, sagte er. Der Ansatz habe seine Skepsis gelindert. Ähnlich sah es Josef Sappl jun.: „So steht das dem Ort gut zu Gesicht.“

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fp

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