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Abschied aus Erlkam: „Wir hatten eine tolle Zusammenarbeit“

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Von: Marlene Kadach

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Der Abschied fällt ihr schwer: Kathrin Seiler ist nur noch bis Ende September Leiterin der Einrichtung Regens Wagner in Erlkam. Sie gibt die Stelle aus privaten Gründen an Stefan Glaser weiter.
Der Abschied fällt ihr schwer: Kathrin Seiler ist nur noch bis Ende September Leiterin der Einrichtung Regens Wagner in Erlkam. Sie gibt die Stelle aus privaten Gründen an Stefan Glaser weiter. © Thomas Plettenberg

Nach elf Jahren als Leiterin verlässt Kathrin Seiler Regens Wagner in Erlkam. Ab Oktober wird die Einrichtung für erwachsene Menschen mit Behinderung von Stefan Glaser geführt. Rückblickend erinnert sich die 41-Jährige an ihre schönsten und tragischsten Momente in Erlkam.

Frau Seiler, fällt Ihnen der Abschied sehr schwer?

Kathrin Seiler: Ja. Ich schätze den Träger, die Bewohner und Kollegen sehr. Wir hatten eine tolle Zusammenarbeit hier.

Wieso kehren Sie der Einrichtung dann überhaupt den Rücken?

Kathrin Seiler: Aus privaten Gründen, ich ziehe in einen anderen Landkreis. Beruflich bleibe ich im kirchlichen Bereich tätig. Als Leiterin eines Caritas-Verbandes.

Erzählen Sie doch mal von Ihren schönsten Momenten in Erlkam.

Kathrin Seiler: Toll war 2011 die Feier zum 50-jährigen Bestehen von Regens Wagner in Erlkam. Damals gab es ein großes, buntes Fest auf etwas unkonventionelle Weise. Mit einem kleinen Laufsteg auf der Bühne und einem Gottesdienst. Dabei wurden viele Menschen mit Behinderung einbezogen.

Klingt wirklich nett.

Kathrin Seiler: Nachmittags gab es plötzlich ein Gewitter, und wir mussten die Pavillons festhalten. Dabei sind meine Schuhe kaputt gegangen. Und weil ich so kleine Füße habe, musste ich mir welche von einer Bewohnerin ausleihen. Das war witzig.

Gab es auch traurige Erlebnisse?

Kathrin Seiler: Es sind besonders traurige Momente, wenn Menschen mit Behinderung jung oder plötzlich versterben. Eines der tragischsten Erlebnisse in meinem Berufsleben aber war, als heuer Ende Mai unser Bewohner Sebastian M. plötzlich mit seinem Dreirad verschwand. Er wird seitdem vermisst. Es ist für uns alle schwer, diese Ungewissheit auszuhalten.

Mit welchen Herausforderungen mussten Sie noch umgehen?

Kathrin Seiler: Zum einen mit unseren Umbaumaßnahmen. Ein einschneidendes Jahr war zudem 2018, als uns die letzten Klosterschwestern, die auch in der Betreuung eingesetzt waren, verlassen haben. Auf die Dillinger Franziskanerinnen geht ja die Gründung des Regens Wagner-Werks zurück. Es gab damals nur noch sehr wenige Schwestern, viele waren schon älter und wurden auf andere Standorte verteilt. Das war eine große Veränderung für uns.

Die Corona-Krise hat bei Ihnen doch sicher auch einiges durcheinander gewirbelt...

Kathrin Seiler: Ja, das war ebenfalls eine sehr große Herausforderung für uns. Von heute auf morgen mussten alle unsere Tagesbetreuungseinrichtungen schließen. Externe Besucher waren nicht mehr erlaubt, Bewohner konnten ihre Angehörigen nicht mehr besuchen. Wir mussten uns zügig umorganisieren. Zum Glück waren unsere Mitarbeiter hier offen. Es war hohe Flexibilität gefordert. Und viele konkrete Entscheidungen mussten vor Ort getroffen werden. Die Verantwortung blieb auch vor Ort. Es war eine hoch emotionale Zeit. Und wir mussten immer zwischen dem Wohl der Betreuten und der Sicherheit, auch für Mitarbeiter, abwägen.

Sie haben die Einrichtung lange begleitet. Was hat sich verändert?

Kathrin Seiler: Zum einen ist unser Angebot gewachsen. 2010 kamen die Offenen Hilfen dazu, 2018 haben wir eine Intensiveinrichtung in Hausham übernommen. Nach und nach haben wir unser ambulantes Wohnen aufgebaut. Insgesamt hat ein Wandel von der Betreuung hin zur Begleitung und Assistenz stattgefunden. Von der Integration zur Inklusion. Von der Unterstützung zur sozialen Teilhabe. Man geht heutzutage mehr auf die individuellen Bedürfnisse der behinderten Menschen ein. Insgesamt kümmern wir uns mit 220 Mitarbeitern um circa 150 Personen im Landkreis.

Um diese wird sich ab Oktober Ihr Nachfolger kümmern. Was verraten Sie uns über Stefan Glaser?

Kathrin Seiler: Er arbeitet seit 2010 als Bereichsleiter unserer Offenen Hilfen in Miesbach. Er ist ein loyaler, kollegialer, aufgeschlossener Kollege mit einer klar strukturierten Arbeitsweise.

Kommen auf die Einrichtung nun größere Veränderungen zu?

Kathrin Seiler: Ein paar interne Veränderungen wird es geben. Auch Glasers Stelle muss zum Beispiel neu besetzt werden.

Wie nehmen Sie von den Betreuten Abschied?

Kathrin Seiler: Ich hoffe, dass bei meiner Abschiedsfeier im September auch möglichst viele Menschen mit Behinderung teilnehmen können. Wir müssen sehen, was die Coronalage bis dahin zulässt.

Mit einer Feier wird Kathrin Seiler am Donnerstag, 16. September, verabschiedet. Ab 13 Uhr gibt es einen Imbiss am Pfarrzentrum St. Josef, um 14 Uhr eine Dankandacht mit Stabsübergabe in der St. Josefs-Kirche. Die Veranstaltung ist nur für geladene Gäste, Menschen mit Behinderung und Mitarbeiter von Regens Wagner gedacht.

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