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Beim Aktionstag zum Klimafrühling zeigten Initiativen und Organisationen im Oberbräusaal viele Möglichkeiten auf, Umwelt und Klima zu schonen – von der Altbausanierung bis zur Solidarischen Landwirtschaft. Kinder brachten ein Theaterstück auf die Bühne. 

Aktionstag „Holzkirchen umweltbewusst“ zum Klimafrühling

Wo Nachhaltigkeit ansetzen kann

Fernwärme, Fahrräder und ein E-Bus: Der Aktionstag „Holzkirchen umweltbewusst“ zum Klimafrühling im Oberland zog viele Interessierte an. Im Oberbräusaal präsentierte sich eine bunte Mischung an Ansätzen für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz im Alltag.

Holzkirchen Nur ein leises Summen macht sich im Innenraum des Fahrzeugs breit, als Wolfgang Hackauf auf das Gaspedal tritt. Sein Elektrobus schlängelt sich nahezu geräuschlos durch Holzkirchen in Richtung Geothermieanlage. Während der Fahrt erklärt Hackauf, dass man mit dem Bus im Stadtverkehr an die 300 Kilometer fahren kann, ohne aufladen zu müssen. Hackauf fungiert an diesem Tag als Chauffeur für die Besucher des Aktionstags. Eigentlich arbeitet er aber für eine niederländische Firma, die an der Entwicklung von E-Bussen forscht.

In Holland sei man in Sachen E-Mobilität sehr viel weiter als in Deutschland, sagt Hackauf. Aber auch hierzulande gebe es Fortschritte: In München etwa werde ab kommendem Herbst eine Linie komplett mit elektrisch betriebenen Bussen bedient. 

Mit dem Elektrobus der holländischen Firma Ebusco ging es für die Besucher des Aktionstags zur Geothermie in der Alten Au und zurück.

Dass das in Holzkirchen bald der Fall sein wird, ist dagegen zweifelhaft. „Wir müssen erst einmal die Fahrpläne so anpassen, dass die Buslinien angenommen werden“, sagt der Holzkirchner Bürgermeister Olaf von Löwis. Außerdem müsse man auch ans Fahrrad als alternatives Fortbewegungsmittel denken und die Infrastruktur in Holzkirchen anpassen.

Im Geothermie-Kraftwerk, das ab Mai Strom erzeugen soll, zeigte Oleg Ostapchuk von den Gemeindewerken die Turbinenanlage.

An der Geothermieanlage in der Alten Au werden die Interessierten bei Führungen durch eine futuristisch anmutende Landschaft aus silbernen Rohren, langen Schläuchen und riesigen Ventilatoren geführt. Oleg Ostapchuk von den Gemeindewerken Holzkirchen erläutert geduldig, wie das Heißwasser aus 5000 Metern Tiefe an die Oberfläche gepumpt wird und als Fernwärme für warme Wohnzimmer in Holzkirchen sorgt. Ab Anfang Mai wird im Geothermie-Kraftwerk auch Strom erzeugt.

Energiegewinnung, so erläutert Elisabeth Zehetmeier von der Stabsstelle Standortförderung der Gemeinde, sei eines der zentralen Themen, über die der Aktionstag informieren wolle. Aber Umweltschutz werde breit gefasst: „Unser Ziel ist es, insgesamt Bewusstsein dafür zu schaffen, was jeder Einzelne tun kann“, so Zehetmeier.

Ideen dazu gibt es viele, wie die 20 Aussteller am Samstag im Kultur im Oberbräu belegen. Die Arbeitsgemeinschaft Energie etwa, eine Initiative Holzkirchner Bürger, setzt bei der Sanierung von Altbauten an. Finn Rotthart und seine Freunde vom staatlichen Gymnasium Holzkirchen entwickelten indes die Idee eines Fahrradverleihs. Damit könnte in Holzkirchen mehr Verkehr auf Fahrräder gebracht werden. „Hier ist alles so nah, da bietet sich so etwas an“, findet Rotthart. Einen völlig neuen Blick auf Landwirtschaft bietet dagegen die Vereinigung „Solidarische Landwirtschaft“. Andi Caspari erläutert: „Wir möchten hochwertige Nahrung erzeugen im Einklang mit der Natur.“

Organisatorin Zehetmeier und der Bürgermeister zeigen sich begeistert vom Anklang, den die Veranstaltung findet. Vielleicht werde man den Aktionstag künftig öfter durchführen, sagt Löwis. Und dann kommt ja möglicherweise auch der E-Bus wieder. Hackauf fährt ihn erst einmal zurück nach Holland. Löwis kann sich aber vorstellen, dass in fünf Jahren in der Marktgemeinde E-Busse verkehren: „Man muss sich ja auch Ziele setzen.“

Lesen Sie mehr: 

Die Geothermie in Holzkirchen im Überblick: Was wo passiert

Autofreier Sonntag in Gmund: Hier erobern sich Fußgänger und Radfahrer die Straße zurück

Andreas Wolkenstein

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