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Jubiläum: Tobias Öller brachte 2006 sein erstes Kabarett-Solo „Warten auf Sezuan“ auf die Bühne. 

Zehnjähriges Bühnenjubiläum in Holzkirchen für Kabarettisten

Tobias Öller: „Mir wird einfach schnell langweilig“

Holzkirchen – Zehn Jahre ist es her, dass Tobias Öller den Schritt wagte: Am Freitag gibt‘s zum Jubiläum einen Solo-Auftritt in Holzkirchen. Im Interview verrät Öller, was er davon hält, dass manche seiner satirischen Figuren real geworden sind.

2006 wagte Tobias Öller den Schritt: Damals stellte er sein erstes Solo-Kabarett „Warten auf Sezuan“ in der Gotzinger Trommel vor, eine „Wortsonate für Nihilist und Noagerlzuzler“. Heute ist der 42-Jährige, der am Tegernsee aufwuchs, lange in Miesbach und inzwischen in Mainburg lebt, fester Bestandteil der bayerischen Kleinkunst- und Kabarettszene, schreibt sogar Texte für andere Künstler - etwa die Schlierseer Kabarettistin Christine Eixenberger. Mit dem Musikkabarett-Trio Ciao Weiß-Blau hat er soeben eine neue CD veröffentlicht, die er am 12. Januar im Waitzinger Keller in Miesbach bei einer Premiere vorstellt. Am Freitag, 9. Dezember, um 20 Uhr kommt Öller noch malsolo ins Fools-Theater im Holzkirchner Kultur im Oberbräu. Wir sprachen mit Öller über Altes und Neues.

Herr Öller, soll es auch ein Best-of werden, das die Besucher zum Zehnjährigen sehen? Und mit wem oder womit gibt’s dann ein Wiedersehen auf der Bühne?

Tobias Öller: Der Grund, warum ich das überhaupt mache, ist folgender: In den letzten Jahren ging’s mir immer so, dass die Leute noch Sachen sehen wollten, die ich schon abgespielt habe. Jetzt zum zehnjährigen Bühnenjubiläum kann man sich schon mal eine Retrospektive leisten, finde ich. Es werden Ausschnitte aus „Warten auf Sezuan“, „Chateau Rouge“, „Überstunden“ und „Radio Rustikal“ zu sehen sein. Hauptsächlich Monologe und Szenen, aber auch Lieder. Das Programm demonstriert den Übergang vom Wort- zum Musikkabarett.

Aber Neues gibt’s auch zu sehen, oder?

Tobias Öller: Es gibt immer neue Lieder. Und ich hab einen Überraschungsgast dabei, mit dem ich zwar nichts Neues zeige, aber etwas, das das Holzkirchner Publikum noch nicht gesehen hat. Das hat schon ein bisserl Tradition mit dem Überraschungsgast: 2009 noch im alten Fools-Theater hab ich ja auch schon ein kleines Best-of gemacht, und damals war Christine Eixenberger mein Gast. Das war damals ihr erster Auftritt. Mit „Deppendämmerung“ ist es jetzt mein letzter Solo-Auftritt, bevor ich mich nächstes Jahr auf Ciao Weiß-Blau konzentriere.

Was hat sich denn in den vergangenen Jahren geändert bei Ihnen? Es scheint ja alles noch mal nochmal professioneller geworden zu sein.

Tobias Öller: An meinem professionellen Anspruch hat sich eigentlich wenig geändert. Aber ich hab das Produzieren nicht aufgehört. Die meisten Kollegen im Kabarett machen ja ein Programm und spielen es drei Jahre. Wenn man sich so auf eine Solokarriere konzentriert, führt das eher zu kommerziellem Erfolg – ich mach ja immer noch Kleinkunst. Ich hab immer versucht, mich auszuloten, mein künstlerischer Anspruch ist, mich neu zu erfinden. Mir wird einfach schnell langweilig, wenn ich das Gefühl habe, es herrscht Stillstand und ich reproduziere bloß noch. In den vergangenen zehn Jahren waren sehr große Erfolge dabei, aber auch totale Flops, damit muss jeder Künstler umgehen lernen. Aber ich versuche immer, was Neues zu machen.

Also gibt’s auch künftig keine Schubladen für Tobias Öller?

Tobias Öller: Ich red immer von Formaten. Das Format Lied, das ja so alt ist wie die denkende Menschheit, reizt mich immer. Darauf möchte ich mich schon konzentrieren, weil ich merke, dass es den Leuten gefällt. Ich möchte nicht auf ausgetretenen Pfaden wandeln, sondern erstens mich weiterentwickeln und zweitens alle Generationen zu Kleinkunst und Kabarett bringen – Jüngere zu erreichen, das geht mit Musik und manchmal auch mit anderen Themen. Ich bin ja erschrocken, dass manche Figuren aus meinem Typenkabarett über die Jahre immer aktueller geworden sind. Eine Kneipenszene, bei der die Begriffe Leitkultur und Integration ins Absurde gleiten, hab ich seit 2008 im Programm – wenn ich das heute im Schlachthof spiele, sagen alle: Wahnsinn, wie aktuell. Ich find das eigentlich gar nicht so gut (er lacht).

Da hat die Realität die Satire eingeholt?

Tobias Öller: Manchmal schon.

Am 12. Januar präsentieren Sie mit Ciao Weiß-Blau jetzt erst einmal die neue CD in Miesbach. Schweift der Blick schon weiter auf die Zeit danach?

Tobias Öller: Mittelfristig geht der Blick auf ein Filmprojekt, das ist noch halb geheim. Wir – meine Regisseurin Sabine Schreiber und ich – wollen in Richtung filmischer Humor gehen. Und weil ich ein Teamplayer bin und mich nicht so gern selbst vermarkte, wird es mittelfristig wohl auch auf ein neues Kabarettensemble hinauslaufen. Aber der Schwerpunkt liegt jetzt definitiv bei Ciao Weiß-Blau. Wir bekommen gerade viel Unterstützung und touren ab Januar durch ganz Bayern.

Vorverkauf

Karten für den Auftritt am Freitag, 9. Dezember 2016, im Fools-Theater gibt es im Vorverkauf zu 20 Euro (ermäßigt 18) auf der Internetseite des Kultur im Oberbräu und an der Theaterkasse des Kulturhauses.

Katrin Hager

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