BOB-Mitarbeiter wegen fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht

Zwangsgebremster Meridian: Richterin stellt Verfahren ein

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Holzkirchen - Ein Meridian wird zwangsgebremst, einer Reisenden fällt ein Koffer auf den Kopf, und der Triebwagenführer landet vor Gericht. Nun ist das Urteil gefallen.

Am dritten Verhandlungstag fiel vor dem Amtsgericht Ebersberg die Entscheidung: Dass Triebwagenführer Thomas F. (45, Name geändert) bei Aßling mit einem Meridian-Zug der Bayerischen Oberlandbahn zu schnell über ein Prüfsignal gerauscht war, bleibt ohne juristische Folgen. Die Folge im Juli des vergangenen Jahres war gewesen, dass der Zug zwangsgebremst wurde – so unsanft, dass ein Koffer eine Reisende am Kopf traf. Deshalb stand der Zugführer aus dem Landkreis Miesbach wegen fahrlässiger Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr vor Gericht. 

Das Aufatmen darüber, dass Richterin Vera Hörauf kein Grundsatzurteil fällte, sondern das Verfahren wegen Geringfügigkeit einstellte, dürfte auch in der Vorstandsetage der Deutschen Bahn zu hören gewesen sein. Denn ein solches Urteil hätte wohl weitreichende Konsequenzen für das gesamte deutsche Bahnnetz gehabt. 

Zum Sachverhalt: Thomas F. war mit seinem Zug so schnell in einen sogenannten Prüfabschnitt bei Aßling eingefahren, dass eine automatische Bremsung erfolgte. „So eine Zwangsbremsung sichert einen Gefahrenpunkt ab“, sagte der Gutachter. Neue Lokführer würden während einer Art Übungsfahrt diese Prüfabschnitte kennen lernen. „Drei am Tag und drei in der Nacht.“ So instruiert, wüsste der neue Mann, wo er wie schnell fahren dürfe, um so einen Vorfall zu vermeiden. Für den Staatsanwalt war deshalb klar: „Er muss so fahren, dass er das nicht auslöst.“ 

Der Verteidiger hingegen argumentierte, dass eine solche Zwangsbremsung zum täglichen Bahnbetrieb gehöre. „Das passiert am Tag 100 Mal.“ Wenn eine Zwangsbremsung zu juristischen Konsequenzen führe, müsste eigentlich der Vorstand der Deutschen Bahn auf der Anklagebank sitzen. Richterin Hörauf stellte das Verfahren gegen den Angeklagten wegen geringer Schuld ein. Er muss seinen Anwalt bezahlen, die Gerichtskosten übernimmt die Staatskasse. Der angereiste Gutachter der Bahn verzichtete auf seine Auslagen. 

Der Verhandlung vorangegangen war ein Strafbefehl über 2700 Euro, den der Angeklagte nicht akzeptierte und jetzt Recht bekam. Dass er dennoch berufliche Nachteile erleiden wird, schien seinem Anwalt als wahrscheinlich. Zur Einstellung des Verfahrens kam es unter anderem auch deswegen, weil der Gutachter in seinen Aussagen vage blieb, was die tatsächliche Geschwindigkeit des Zuges betraf. Richterin Hörauf legte Wert auf die Feststellung, dass „keine Grundsatzentscheidung“ gefallen sei, was die Bremspraxis im Deutschen Zugverkehr betrifft.

Nicola Lugauer

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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