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Bus fährt auf Bestellung: Neues Konzept ist vielversprechend, kommt aber erst Ende 2022

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Von: Andreas Höger

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Bekommt Verstärkung: Der große Ortsbus soll ab 2022 durch ein Rufbus-System ergänzt werden.
Bekommt Verstärkung: Der große Ortsbus soll ab 2022 durch ein Rufbus-System ergänzt werden. © Thomas Plettenberg

Die drei T‘s müssen stimmen, wenn die Leute vom Auto auf den Bus umsteigen sollen: Tempo, Taktung, Tarif. Der Markt Holzkirchen plant deswegen, das eigene Netz durch ein spezielles Rufbus-System zu verbessern. Doch das will gut vorbereitet sein. Bis zum Start wird noch über ein Jahr vergehen.

Holzkirchen – Ein neues, attraktiveres Ortsbus-Konzept soll helfen, den Individual-Autoverkehr auf den Straßen der Marktgemeinde zu reduzieren. Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) erklärte Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) jetzt bei ihrem Wahlkampf-Besuch in Holzkirchen (wir berichteten), wie viel Aufwand der Markt betreibe, um ein bedarfsgerechtes und wirksames Bussystem aufzubauen – und wie viel Lehrgeld man schon bezahlen musste.

Noch immer laufen die Vorbereitungen für das Kombi-Modell aus einer „regulären“ Ortsbus-Ringlinie und einem Rufbus-System (On-Demand-Angebot), das besonders die zentrumsfernen Ortsteile bedienen soll. „Frühestens zum Dezember 2022 werden wir starten können“, sagte Schmid.

„Großer“ Ortsbus soll künftig im 30-Minuten-Takt fahren

Die Einführung von anfangs fünf Ortsbus-Linien vor 15 Jahren sei gut gemeint gewesen, erklärte der Rathauschef. „Mit wenigen Bussen alles bedienen zu wollen, glich aber dem Versuch, die Quadratur des Kreises zu finden.“ Mittlerweile habe man gelernt, dass ÖPNV nur angenommen werde, wenn die drei T’s erfüllt seien: „Tempo, Taktung, Tarif müssen passen.“

Geplant ist nun, den Ortsbus im 30-Minuten-Takt auf eine Schleife vom Bahnhof über die Gewerbegebiete zu schicken. Anstatt der zwei anderen Ortsbus-Linien, die bisher zu oft nur warme Luft befördern, sollen kleine Rufbusse zum Einsatz kommen. Man sei dabei, sagte Schmid, im Gemeindegebiet etwa 900 virtuelle Haltestellen in das Konzept einzubinden. „Eine Abholung direkt von zuhause geht nicht, sonst entstehen Konflikte mit Taxis.“

Eine Fahrt im Rufbus kostet zwei Euro

Eingesetzt werden sollen zwei Sechssitzer-Kleinbusse, einer davon barrierefrei. Da mehrere Leute mitgenommen werden, müssen Fahrgäste auch Umwege in Kauf nehmen. Die Minibusse, so der Plan, fahren werktags von 6 bis 20 Uhr sowie freitags und samstags bis 1 Uhr; an Sonn- und Feiertagen stehen sie nicht zur Verfügung. Pauschal zwei Euro soll eine Fahrt kosten.

Die Einnahmen werden nicht einmal annähernd die Kosten des Rufbus-Systems decken, weiß der Bürgermeister. Die Marktgemeinde rechnet mit Kosten von etwa 430 000 Euro im ersten Jahr. Laut Prognosen liegt der Deckungsgrad irgendwo zwischen sieben und 15 Prozent. Unklar ist, ob der Bund mit Zuschüssen hilft; erste Anträge hat die Gemeinde bereits gestellt. „Mich würde es freuen, wenn das Rufbus-System richtig gut läuft und ein Erfolg wird“, sagte Schmid, „auch wenn wir dann mehr Verluste zu tragen haben.“

Weitere Infos zum Thema finden Sie hier.

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