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Mobilitätsstudie für Holzkirchen 

Wie schwer wiegt der Durchgangsverkehr?

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Holzkirchen - Was würde eine Südspange dem verkehrsgeplagten Holzkirchen bringen? Bei der Beantwortung dieser Frage scheiden sich die Geister. Auch die ersten Daten der aktuellen Mobilitäts-Studie liefern keine eindeutigen Erkenntnisse.

Wie schwer wiegt der Durchgangsverkehr in Holzkirchen? Kein Wert des umfangreichen Datenpakets, das vom Verkehrsbüro Ralf Kaulen in diesem Jahr fangfrisch präsentiert wurde (wir berichteten), birgt mehr Brisanz. Eine eindeutige Aussage ist allerdings kaum zu treffen. 

Während in der inneren Münchner Straße nur ein Fünftel (21 Prozent) des Kfz-Verkehrs als reiner Durchgangsverkehr identifiziert wurde, liegt dieser Wert am südlichen Ortseingang (B 13) mehr als doppelt so hoch: Über 55 Prozent ordnet Kaulen an dieser Stelle dem Durchgangsverkehr zu. 

Damit lässt sich die politisch sehr aufgeladene Frage, ob und wie eine Südumfahrung Holzkirchens zumindest eine numerische Entlastung bringen würde, kaum ganzheitlich und schlüssig beantworten.

Die Daten Kaulens legen für die innere Münchner Straße, wo Binnen-, Ziel- und Quellverkehr dominieren, die Interpretation nahe, dass eine Südspange dort kaum wirken würde. Anders sieht es in der Tölzer Straße und – mit Abstrichen – auch an der inneren Tegernseer Straße aus: Dort dominiert Durchgangsverkehr, der sich theoretisch auf eine Umgehung versetzen lassen würde. 

An zwei Standorten, am Ortseingang Tölzer Straße und im Ortskern am Marktplatz (Münchner Straße), fragte das Team Kaulens jeweils fast 1000 Autofahrer nach ihrem Startpunkt und ihrem Fahrtziel. Beim Durchgangsverkehr ist auffällig, dass am Ortseingang (Tölzer Straße) über ein Drittel in Richtung München unterwegs ist; es handelt sich hier vor allem um Pendler aus dem Isarwinkel. Am Marktplatz (Münchner Straße) verändern sich die Werte: Nach wie vor wohnen zwar die meisten „Durchreisenden“ im Isarwinkel; Hauptziel- und Hauptquellpunkt ist hier aber Otterfing.

Am Knoten Marktplatz teilt sich der aus der Tölzer Straße kommende, relativ starke Durchgangsverkehr auf in die Stränge Münchner Straße und Tegernseer Straße. Kaulen geht von täglich 8700 Fahrten auf der Tölzer Straße aus, wovon 5200 auf der Tegernseer Straße und nur 2700 auf der Münchner Straße landen. Kein Zweifel besteht für Kaulen daran, dass die Hälfte des Verkehrs Berufspendler ausmachen. „Gewerbliche Fahrten spielen nahezu keine Rolle“, betont der Experte. 

Während Kaulens Daten zum Durchgangsverkehr für die Vertreter der Bürgerinitiativen, die entweder gegen oder um eine Südspange kämpfen, hohe Relevanz besitzen, sind für den Experten selbst andere Erkenntnisse entscheidender. Denn insgesamt dominiert im Ort der Binnen-, Quell- und Zielverkehr, sprich: der hausgemachte Verkehr. „Zwei Drittel des Kfz-Verkehrs im Ort haben Anlass in Holzkirchen“, stellt Kaulen fest. Er schließt daraus, dass die Gemeinde relativ große Chancen hat, die Mobilitätsströme im Ort neu zu lenken – ohne auf eine Umgehungsstraße warten zu müssen.

Von Andreas Höger

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