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Sammel-Unterkunft für Flüchtlinge 

Traglufthalle im Moarhölzl 

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Holzkirchen - Im Süden von Holzkirchen entsteht eine Sammelunterkunft für Asylbewerber. Im Moarhölzl, einer gemeindeeigenen Fläche, ist eine Traglufthalle für 320 Flüchtlinge geplant. Spätestens im Dezember soll die Unterkunft bezugsfertig sein. Das Notquartier in der Föchinger Turnhalle, so hofft die Gemeinde, wird dann aufgelöst.

Der weiter anschwellende Zustrom von Flüchtlingen zwingt das Landratsamt, auf der Suche nach Unterkünften verstärkt in großen Dimensionen zu denken. Als einer der ersten Landkreise setzt Miesbach auf Traglufthallen – und folgt damit dem Landkreis München, der in Taufkirchen und Neubiberg, als Pilotprojekt im Freistaat, zwei solcher Hallen betreibt. Diese Unterkünfte kosten nicht nur weniger, sie sind auch verfügbar – anders als Wohncontainer, die bis ins Jahr 2016 deutschlandweit ausgebucht sind.

Erste Wahl im Landkreis Miesbach ist der Standort Moarhölzl südlich von Holzkirchen – eine Fläche im Außenbereich, die der Gemeinde gehört und auf der irgendwann ein Sportzentrum entstehen könnte. Der Haken: Das Areal liegt im planungsrechtlichen Außenbereich, eine Wohnnutzung ist selbst für „fliegende Bauten“ wie Traglufthallen ausgeschlossen. 

Doch angesichts zehntausender Flüchtlinge verschieben sich die Maßstäbe. Als bei der Eröffnung der neuen Holzkirchner Polizeistation kürzlich Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU), Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) und Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zusammensaßen, signalisierte der Minister, dass seine Behörde eine Unterkunft im Moarhölzl nicht verhindern werde – auch wenn es sich um einen Außenbereich handle. Damit waren die Würfel gefallen, offiziell läuft dies auf eine „Duldung“ hinaus. Das Landratsamt fackelte nicht lange. „Die Halle ist schon bestellt“, weiß der Bürgermeister. 

Offiziell muss der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung am 13. Oktober noch zustimmen, doch mit Widerstand rechnet Löwis nicht. „Ich habe die Gemeinderäte bereits informiert, die Rückmeldungen waren sehr positiv.“ Trotz Außenbereichs liege das Moarhölzl nicht zu weit ab vom Schuss, „Holzkirchen ist gut zu erreichen“.

Die geplante Halle bedeckt eine Fläche, die etwa ein Drittel eines Fußballplatzes ausmacht. Neben der Halle werden fünf Container für WC und sechs für Duschen aufgestellt. Im Sommer bekommt die Halle eine Sonnenschutzfolie, die stützenfreie Konstruktion gilt als sturm- und schneesicher. „Es gibt in der Halle Schlaf- und Aufenthalts-Bereiche“, sagt Löwis. Der Hallen-Hersteller bietet im Paket auch einen Sicherheits-Dienst an, der rund um die Uhr tätig ist. „Der Freistaat zahlt außerdem für je 150 Flüchtlinge einen Sozialbetreuer“, sagt Löwis, „das wird unseren Helferkreis entlasten.“ Der ist in Holzkirchen zwar mittlerweile auf 70 Mitglieder angewachsen, „aber hier sind Profis gefragt“, sagt der Bürgermeister.

Die Verpflegung wird in der Halle ausgegeben. „Vielleicht findet hier sogar unsere Frischeküche neue Abnehmer“, sagt Löwis. 

Die Bezahlung des gesamten Hallen-„Pakets“ samt Versorgung und Betreuung übernimmt der Freistaat. Die Gemeinde bekommt Pacht für das Grundstück. Sobald die Unterkunft im Moarhölzl läuft, könnte das Notquartier in der Föchinger Turnhalle aufgelöst werden. „Ich erwarte das sogar“, sagt der Bürgermeister. In den Sommermonaten sei der Sport gut auch im Freien möglich gewesen, im Winter sei das schwieriger. „Die SF Föching waren bisher sehr entgegenkommend“, sagt Löwis, „sie haben für einige Trainingseinheiten sogar schon auf ihre Kosten andere Hallen gebucht.“

Aktuell sind in der Marktgemeinde knapp 100 Personen untergebracht, aufgeteilt je zur Hälfte in den Wohncontainern an der Erich-Kästner-Straße und in der Föchinger Turnhalle. Die Holzkirchner Flüchtlings-Quote liegt aktuell bei 220 Personen.

Von Andreas Höger

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