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Stehen noch in Kontakt: Herbert Franz (l.) und sein ehemaliger Mitarbeiter Amadou Gassama. Er hat nun die Anerkennung. Ob er nach Holzkirchen zurückkehrt, ist ungewiss.

Der heimliche Star des Holzkirchner Eiscafés

Franzetti-Original Flüchtling Amadou ist endlich anerkannt

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Holzkirchen -  Es sind schöne Nachrichten, die in Holzkirchen gerade die Runde machen: Amadou Gassama, der als Asylbewerber im Eiscafé Franzetti zum heimlichen Star-Verkäufer avancierte, ist nun offiziell anerkannt. 

Die Geschichte des Asylbewerbers, der wegen bürokratischer Hürden nicht mehr arbeiten durfte, bewegte viele Menschen in Holzkirchen und weit darüber hinaus (wir berichteten). Geboren im westafrikanischen Senegal, machte sich der junge Mann über mehrere Stationen auf den Weg nach Europa und landete vor inzwischen bald zwei Jahren schließlich in einer Holzkirchner Asylunterkunft. Aufgrund einer Dienstanweisung des bayerischen Innenministeriums, wonach Staatsangehörige sogenannter sicherer Herkunftsländer keine Arbeitserlaubnis erhalten, musste er 2015 seinen 450-Euro-Job im Eiscafé Franzetti aufgeben. Eine herbe Enttäuschung für Amadou, dem die Arbeit Freude bereitete, ihm Anerkennung und Motivation gab. Eine kalte Dusche aber auch für Freunde und Kunden, die Amadou als stets freundlichen, liebenswürdigen, zuverlässigen und ordentlichen Mann schätzten. „Amadou ist hier in Holzkirchen kein Fremder, sondern ein unheimlich netter Kerl, mit dem man zusammen gelacht hat“, sagt Eiscafé-Chef Herbert Franz über seinen ehemaligen Mitarbeiter.

"Amadou ist in Holzkirchen kein Fremder"

Nach dem großen Rückschlag folgte nun der Lichtblick, der erneut viel Anteilnahme und Freude hervorruft. „Amadou ist jetzt offiziell als Asylbewerber anerkannt“, verkündete Eiscafé-Inhaber Herbert Franz kürzlich erleichtert auf seiner Facebook-Seite. „Nach dem Kampf mit den regionalen Behörden, damit Amadou bei uns arbeiten kann, und dem politischen Arbeitsverbot, das das Arbeitsverhältnis mit ihm beendet hat, sehen wir uns jetzt in unserem Einsatz bestätigt“, heißt es weiter. „Wir freuen uns mit ihm, finden das überragend spitze, unglaublich gut, supergeil, einfach mega.“

"Überragend spitze, unglaublich gut, supergeil, einfach mega."

Amadou habe ihm die freudige Nachricht bereits vor ein paar Wochen zugetragen, berichtet Herbert Franz auf Nachfrage unserer Zeitung. Ein wahrer Grund zum Feiern, findet Franz. „Nach all der Unsicherheit für ihn ist das einfach wunderbar.“ Amadou habe nun endlich die Chance, sich zu integrieren. Auch für die vielen Menschen, die immer nach Amadou gefragt haben, sei das überaus schön. Allein auf Facebook hätten nach kurzer Zeit schon rund 1500 Menschen den Beitrag gelesen. Weit mehr als sonst auf seiner Seite üblich. „Einfach irre, wie die darauf reagieren“, freut sich Franz. Zuletzt habe er vor etwa zwei Wochen telefonisch Kontakt zu Amadou gehabt, der inzwischen in Waldkraiburg (Kreis Mühldorf am Inn) lebt. Was er nun mache, sei völlig offen. Zumal, nachdem unlängst die Wohnsitzpflicht für anerkannte Asylbewerber eingeführt wurde (wir berichteten). Demnach dürfen die Bezirksregierungen den Flüchtlingen bekanntlich für die ersten drei Jahre nach Abschluss des Asylverfahrens einen Wohnsitz in einem Landkreis vorschreiben. Entsprechend gebe es momentan wieder neue Unwägbarkeiten, sagt Franz, der die Willkür der Behörden kritisiert. „Die machen, was sie wollen“, meint der Eiscafé-Inhaber. Er finde es mehr als traurig, wie man mit Amadou und anderen Asylbewerbern umgehe. Er sei selbst bereits bei der Ausländerbehörde gewesen und sein Bild sei alles andere als positiv. „Grausam für jeden, dort hinzugehen. Das ist kein schönes Bild, das Deutschland da abgibt.“ Jeder habe sicherlich persönliche Erfahrungen mit Ämtern. „Wenn die mit uns schon so umgehen, wie tun sie das erst mit den Asylbewerbern“, fragt sich der Gastronom.

Eisdielen-Tür steht für Amadou offen

Amadou jedenfalls, zu dem Franz immer weit mehr als ein klassisches Chef-Angestellten-Verhältnis hatte, will er auch weiter unterstützen. Natürlich, es liege nun an Amadou selbst, seine Chance zu nutzen. „Jetzt muss er selber ran und zeigen, dass er mehr erreichen will“, sagt Franz. Seine Eisdielen-Tür stehe aber selbstverständlich jederzeit offen für den einstigen Liebling der Kunden. Franz: „Ich glaube aber, dass Amadou mehr will, als Eis zu verkaufen.“

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