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Bettlhochzeit in Großhartpenning

Per Leiter zum Hochzeitskuss

Großhartpenning - Eine Hochzeit mit vertauschten Rollen: Bei der Bettlhochzeit in Großhartpenning gaben sich am Sonntag die stattliche Blondine Kreszentia Noagäzuzlerin und ihr Traumprinz, der Schaftreiber von da Schönleitn, das Ja-Wort. 

Als er gestern nichtsahnend in Großhartpenning einfuhr, änderte sich das Weltbild des Kölners Tim Sels. „Et jibt aber viele Transen hier in Hartpenning“, habe er sich gedacht, lachte Sels. Eigentlich war der Kölner nach Bayern gefahren, um dem Karnevalstrubel zu Hause zu entkommen. Und machte in Hartpenning prompt Bekanntschaft mit einem Faschingsbrauch der besonderen Art: Der Bettlhochzeit, organisiert vom Trachtenverein D‘Herzbergler. 

Vom Neuwirt zog die Hochzeitsgesellschaft bis zum „Mischthaufen vom Kramerlenz“. Vorneweg eine Abordnung der Hartpenninger Blaskapelle, selbstverständlich im Dirndl. Dahinter lärmten die Frauen der Musiker in Joppe und Filzhut mit Spielzeuginstrumenten und Blockflöten. Hochzeitslader „Mertl Glos vo Großhartpenning“ kommentierte vom Misthaufen aus den Festzug. „A Mordsgaudi“, strahlte er. Anhand der Aussteuer erkenne man das Vermögen des Hochzeitspaars. Auf dem „Kuchlwagen“ stand neben schäbigen Möbeln ein schmales Bett, unter deren Decke ein Kuscheltier hervorlugte. Hinter dem „Gloahartbenninger Freudenhaus“ kutschierte der Burschenverein sämtliche unehelichen Kinder der Braut, denn „de Zenzi war oiwei scho a rechts Luada“. Unter anderem bringt sie eine hochgewachsene, muskulöse Blondine mit Schulranzen auf dem Rücken mit in die Ehe. Die Moosgeister schenkten „Kreszenzia‘s Moosgeist“ aus und lärmten mit Kuhglocken. Sogar Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis (der Echte), angetan mit üppigen langen Haaren und Dirndl, marschierte im Zug mit, neben ihm seine Frau im Wilderer-Gewand. 


Ein knatternder alter Traktor transportierte die Hauptpersonen: Auf einem Strohballen saß breitbeinig die stattliche Blondine Kreszentia Noagäzuzlerin vom Moosloch (Kilian Rest). Daneben wirkte ihr Bräutigam Florian Schaftreiber von da Schönleitn (Regina Schön) fast verloren. Unter Jubel und einem „Oh wie ist das schön“ der Bläser bestieg das Traumpaar den Misthaufen, wo Standesbeamter und „Bürgermeister von Hartpenning“ Hubert Müller sie empfing. Endlich kam der große Moment. Florian stieß ein zögerliches „Ja!“ aus. „I moooog“, schrie die blonde Kreszenz. Und dann kam, was kommen musste: Der umjubelte Hochzeitskuss. Ohne Leiter allerdings ein Ding der Unmöglichkeit für den 1,58 Meter großen Bräutigam. Schließlich war die Braut fast einen halben Meter größer. „War des ois?“, animierte der Hochzeitslader zu einem weiteren Küsschen und reimte „A schees Paar is zammabracht, des werd jetz gfeiert bis ind Nacht!“ 


Konfetti und Guatl regneten auf die Straße, als der Tross zurück zum Neuwirt zog. Halb Hartpenning war auf den Beinen. „Alle 450 Festbändchen wurden verkauft“, freute sich Hans Limmer, Zweiter Vorsitzender der Herzbergler. 150 geladene Gäste nahmen an der Hochzeitsfeier im Neuwirt teil. Die öffentliche Gaudi war für manchen Zaungast fast zu schnell vorbei. Diesmal lockte die Bettlhochzeit mehr Zaungäste an als vor zehn Jahren, glaubt Limmer. Damals war Hartpenning aber auch im Schneechaos versunken. Fünf Mann von der Föchinger Feuerwehr sperrten mittags kurzzeitig die Ortsdurchfahrt.

Johanna Wieshammer

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