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Das Ganze im Blick: Laut Albert Götz, Leiter der Gemeindewerke und Geschäftsführer der Geothermie GmbH, wird man von der Besucherplattform direkt auf den Bohrturm schauen können.

Geothermie-Projekt Holzkirchen

Nächste Woche wird Bohrturm aufgerichtet

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Holzkirchen - Das Geothermie-Projekt in Holzkirchen schreitet mit großen Schritten voran: Derzeit werden die Einzelteile für den Bohrturm geliefert, der nächsten Donnerstag aufgerichtet wird. Schon Ende Januar soll die Reise in die Tiefe starten.

Noch steht die Steuerzentrale am Boden. Bohrmeister Jürgen Cramm von der Firma Itag öffnet die Tür des Führerstands, drinnen prangt ein großer Joystick. „Von hier aus wird die Bohranlage bedient“, erklärt er. Auch die drei Spülpumpen, Hakenlast und vieles mehr können an Messgeräten und Bildschirmen überwacht werden. Und bald wird die Steuerzentrale in luftiger Höhe auf einer Arbeitsbühne stehen, die sich in der unteren Hälfte eines 58 Meter hohen Bohrturm befinden wird. 

Denn schon nächsten Donnerstag soll der Bohrturm mit dem Bohrgestänge für das Holzkirchner Geothermie-Projekt in der Alten Au aufgestellt werden. Den Auftrag für die Bohrung erledigt die Firma Itag aus Celle. Dieser Tage wurden und werden die massiven Einzelteile des Bohrturms und der restlichen Anlage von Celle nach Holzkirchen gebracht. „Mit acht oder neun Schwertransportern“, erklärt Cramm. Im Ganzen könne man den Turm natürlich nicht transportieren. Wichtig: „Der Mast wird dann vor Ort liegend zusammengebaut“, sagt Cramm. Und am Ende mithilfe eines Hebewerks vereinfacht gesagt nach oben geklappt. 

Aufbau des Bohrturms: Fotos

Fotos: Aufbau des Geothermie-Bohrturms in Holzkirchen

Ende Januar sollen sich die Bohrer bereits in die Tiefe arbeiten. „Es wird rund um die Uhr gearbeitet“, sagt Cramm. Damit das Bohrloch nicht in sich zusammenfällt. Um einen Stillstand der elektrisch betriebenen Anlage zu vermeiden, stehen neben dem Container mit der Stromversorgung Notstromaggregate bereit. Regelmäßige Lärmmessungen begleiten das Projekt. „Bei Bedarf rüsten wir mit einem Lärmschutz nach“, sagt Albert Götz, Leiter der Gemeindewerke und Geschäftsführer der Geothermie GmbH, die das Projekt ausführt. Besonders störend sei die Anlage nicht, meint Cramm. „Ein Lkw ist lauter.“ 

Und so geht’s in die Tiefe: Mithilfe eines Kraftdrehkopfs, der sich oben im Bohrturm an einer Flaschenzug-Seilwinde auf- und abwärts bewegt, rotiert der Bohrstrang mit dem Bohrkopf-Meißel. So geht es peu à peu nach unten. „Es wird auch leicht schräg gebohrt“, erklärt Götz. 

Viele wichtige Funktionen erfüllt die Spülung. Sie kühlt den Meißel, reinigt und stabilisieren das Bohrloch. Der Kreislauf der Spülung erfolgt über die drei blauen Pumpen, die schon auf dem Gelände stehen. Die Bohrspülung wird über ein Rohrleitungs- und Schlauchsystem erst nach oben in den Turm gepumpt und anschließend nach unten zur Bohrlochsohle. Dort spritzt die Flüssigkeit aus den Düsen des Meißels und reinigt den Bereich. Außerdem befördert sie das zerkleinerte Gestein nach oben. Dabei haften sich Bestandteile an der Bohrlochwand an und dichten diese ab. 

Am Ende werden die Feststoffe von der Flüssigkeit getrennt und abtransportiert. Das Ziel der Reise liegt in gut 5000 Metern Tiefe. Dort hofft die Gemeinde, circa 140 Grad heißes Thermalwasser zu finden, die Schüttungsrate sollte zwischen 65 bis 80 Litern pro Sekunde betragen. „Im Mai oder Juni erwarten wir, dass wir fündig werden“, sagt Götz. 

Ist das Ergebnis positiv, macht sich die Firma Itag an das zweite, bereits vorbereitete Bohrloch nebenan. Auch das dazugehörige Kraftwerk, das voraussichtlich ab Ende 2017 Wärme und Strom liefern soll, kann dann gebaut werden. 

Bekanntlich steckt die Gemeinde rund 10,7 Millionen Euro in das Projekt. Ist die erste Bohrung erfolgreich, wird die weitere Finanzierung über ein Darlehen gestemmt. Ein Bankenkonsortium ist bereit, 28,6 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Es surrt, eine Hebebühne steuert auf die Bürocontainer der Arbeiter zu. „Jetzt kommt die Satellitenschüssel für uns drauf“, erklärt Cramm. „Damit wir auch Internet haben.“ Er lacht. 

An der Zufahrt zu dem Gelände steht inzwischen ein weiterer Container, in dem sich bald Besucher Geothermie und Energiegewinnung informieren können. Oben gibt es sogar eine Aussichtsplattform. „Mit direktem Blick in den Turm“, schwärmt Götz. Der Besucherpavillon soll künftig auch als Treffpunkt für Führungen dienen, die die Gemeindewerke für Interessierte anbieten. Bald sollen die Bürger einen Flyer mit Infos rund um das Projekt in ihren Briefkästen finden. „Wir wollen die Bürger mitnehmen“, erklärt Götz. Mit in die Reise in die Tiefe.

Von Marlene Kadach

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