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Maria Korell (oben) war acht Jahre Integrationsbeauftragte. Eva Kraus tritt ebenfalls aus ihrem Amt zurück. Unter anderem waren die beiden für die Asylbewerber in der Traglufthalle verantortlich.

Überraschender Rücktritt

Gleich beide Integrationsbeauftragte werfen Handtuch

Nach acht Jahren verabschiedet sich Holzkirchens Integrationsbeauftragte Maria Korell überraschend aus ihrem Amt. Auch ihre Kollegin Eva Krause wirft das Handtuch. Was steckt dahinter?

Die Gemeinde Holzkirchen steht plötzlich ohne Integrationsbeauftragte da. Dabei hatte sie bis vor Kurzem sogar noch drei Stück. Heuer im November trat Franz Lutje zurück, „aus zeitlichen Gründen“, wie er gegenüber unserer Zeitung angab (wir berichteten). „Weil ich als Ehrenamtskoordinator bei der Caritas Tag und Nacht eingebunden bin.“ Dort betreut er als Hauptamtlicher die 17 Asyl-Helferkreise im Landkreis. Jetzt ziehen sich auch seine Kolleginnen Maria Korell und Eva Krause zurück, wie unsere Zeitung erfuhr. Ihre Tätigkeit für das Landratsamt als Kümmerin in Asylfragen wird Korell weiter nachgehen, heißt es aus dem Rathaus.

„Maria Korell hat viel geleistet. Wir sind ihr zu großem Dank verpflichtet“, erklärt Bürgermeister Olaf von Löwis. Er sieht die veränderten Rahmenbedingungen als maßgeblichen Grund für Korells Weggang. Zum einen ist damit gemeint, dass die Zahl der Asylbewerber massiv stieg. Aktuell sind es gut 180 in der Marktgemeinde. Die 58-Jährige war schon Integrationsbeauftragte, als wohl niemand mit einem Flüchtlingszustrom wie ihn Deutschland erlebte, gerechnet hat. Sie nahm die ersten 50 Flüchtlinge in den Wohncontainern an der Erich-Kästner-Straße in Empfang, hörte sich die Sorgen und Nöte der Flüchtlinge an, war bei Arztbesuchen und Gerichtsterminen an ihrer Seite, kümmerte sich, wenn es galt, Konflikte zu bewältigen. Ein Job, der nicht immer ganz einfach ist, und der nervenzehrend sein kann. Mit der Traglufthalle im Moarhölzl kamen ab April diesen Jahres weitere 130 Männer, vorrangig aus Afrika und Pakistan, nach Holzkirchen.

Löwis benennt einen weiteren Grund für den Abschied: „Es gab nicht nur Maria Korell, sondern auch Asylsozialbeauftragte und viele weitere Personen, die sich eingebracht haben“, sagt der Bürgermeister. „Manchmal waren die Kompetenzen nicht klar verteilt. Das machte die Arbeit nicht leichter.“

Hinzu kommt: Aus dem ehrenamtlichen Helferkreis soll es nach Informationen unserer Zeitung immer wieder Kritik an der Person Korell gegeben haben. Korell selbst möchte sich, genau wie Krause, gegenüber unserer Zeitung nicht dazu äußern.

Rudolf Brand (66), Vertreter des ehrenamtlichen Sprachkreises der Asylhilfe Holzkirchen, meint: „Es ist freilich immer schade, wenn jemand nach so langer Zeit seinen Job aufgibt.“ Aber: „Vielleicht ist das jetzt auch genau der richtige Moment, um etwas Neues entstehen zu lassen.“ Er sagt: „Wir freuen uns in jedem Fall, dass wir in engem Kontakt mit unserem Bürgermeister stehen und uns gut einbringen können.“

Ob und wie die Lücke nun gefüllt wird, ist offen: „Wir werden im Rathaus eine Person interimsmäßig einsetzen, die für die Verwaltung und Begleitung des Helferkreises zuständig ist“, erklärt Löwis. Er setzt auf eine Vernetzung zwischen Fachstellen wie der Asylsozialberatung, dem Job-Center, dem Landratsamt und den ehrenamtlichen Helfern. „Die Gemeinde soll aber auch zukünftig Anlaufstelle für Helfer und Bürger beim Thema Asyl sein“, betont der Rathauschef.

Kathrin Suda

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