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Die Kritiker an einem Tisch (v.l.): Josef Gerr und Christian Weidinger von der Interessengemeinschaft Lochham, Christoph Scholz (Hartpenning muckt auf), Peter Limmer (Bürgervereinigung gegen die geplante Umgehungsstraße in Holzkirchen), Iris Fischer (Lebens- und liebenswertes Holzkirchen) und Georg Sigl (Stopp Südumgehung).

Kritiker der Umgehungsstraßen in Holzkirchen

Im Protest vereint

Holzkirchen – Die Diskussion um eine Holzkirchner Südumfahrung hat mit dem Bundesverkehrswegeplan neuen Schwung bekommen. Jetzt haben die Gegner in einem Pressegespräch Stellung bezogen.

Gut drei Wochen alt ist die Nachricht, dass im neuen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) eine ortsnahe Holzkirchner Südspange mitsamt einem vierspurigen Ausbau der B 318 für den vordringlichen Bedarf vorgesehen ist, der in den kommenden 15 Jahren Priorität bei Infrastrukturplanungen des Bundes genießt. Umgehungen für Kurzenberg und Großhartpenning reihen sich wie berichtet eine Stufe tiefer ein, im erweiterten Bedarf mit Planungsrecht. An einem Tisch im Kleinhartpenninger Schreinerwirt sitzen nun Protagonisten von fünf Bürgerinitiativen: Hartpenning muckt auf, Stopp Südumgehung, die Bürgervereinigung gegen die geplante Umgehungsstraße von Holzkirchen, die Bürgerinitiative Lebens- und liebenswertes Holzkirchen und die Interessengemeinschaft (IG) Lochham. Sie ziehen den Strang nicht immer in exakt dieselbe Richtung, aber am gleichen Ende. 

„Viele denken, der Freistaat spendiert Holzkirchen eine Umgehungsstraße, damit sie mehr Ruhe haben – das ist nicht der Fall“, sagt Christoph Scholz (Hartpenning muckt auf). „Wir behaupten, das ist eine Schnellstraße für Bad Tölz.“ Die Begründung des Freistaats zur Anmeldung des Projekts im BVWP bestätigt die Umgehungsstraßen-Kritiker in dieser Ansicht: Dort wird dem Projekt eine „wichtige Bedeutung für die verkehrliche Verbindung zwischen der A 8 und dem Mittelzentrum Bad Tölz“ attestiert, für das ebenso wie für Lenggries derzeit ein „Erreichbarkeitsdefizit“ bestehe. 

Dass eine Südumfahrung für Holzkirchen Entlastung bringt, ist für die Kritiker mehr als fraglich. Denn das Problem sei hausgemacht: mit Quell-, Ziel- und Binnenverkehr. Dabei stützen sich auch die Kritiker auf die Analyse des Verkehrsplanungsbüros Kaulen von 2015. Am Marktplatz etwa liegt der Anteil des Durchgangsverkehrs laut Analyse bei 20 Prozent. Die restlichen 80 Prozent „werden sich nicht durch eine Umgehungsstraße verhindern lassen“, sagt Georg Sigl von Stopp Südumgehung: Sie fahren aus, nach und innerhalb von Holzkirchen von A nach B. Das Straßenbauamt Rosenheim als Planungsbehörde ignoriere die Prognosen zum Ziel- und Quellverkehr, kritisiert Scholz. 

Um den Durchgangsverkehr mit Pendlern und Ausflüglern nachhaltig zu reduzieren, plädiert Christian Weidinger (IG Lochham) für eine andere Lösung: „Dann muss man Geld in die Hand nehmen und das Schienennetz ausbauen – das ist ein höherer Kosten-Nutzen-Effekt in 50 Jahren als mit so einer Straße“, meint er. Mit Scholz ist er da ganz auf einer Linie: Er fordert eine Expressbahn zwischen Tölz und München. „So schnell kommt der Tölzer auf der Straße nie nach München.“ Scholz ist sicher: „Mehr Straßen bringen mehr Verkehr – was Holzkirchen braucht, sind weniger Straßen.“ Ein Paket an Verkehrsberuhigungsmaßnahmen, dem stimmt auch Iris Fischer (Lebens- und liebenswertes Holzkirchen) zu.

"Juristisch anfechtbar"

In einer gemeinsamen Presseerklärung, die neben den fünf Initiativen auch die Ortsgruppe des Bund Naturschutz unterzeichnet hat, werden die Kritiker deutlich. Sie kommen anhand der Kaulen-Analyse zu maximal 35 Prozent Entlastung (minus 5300 Kfz pro Tag). Die genüge „auch den hausinternen Vorgaben zur Wirtschaftlichkeit einer Ortsumfahrung nicht“; die Gegner sprechen gar von „getürkten Zahlen“. Im Ergebnis müsse das Kosten-Nutzen-Verhältnis, das der Aufnahme in den vordringlichen Bedarf zugrunde liege, „stark bezweifelt“ werden: „Wir halten dieses Bewertungsergebnis im BVWP für juristisch anfechtbar.“ Alle Initiativen wollen im Beteiligungsverfahren Stellungnahmen zum BVWP einreichen. Das kann bis 2. Mai jeder auf der Internetseite zum BVWP.

 Vom Gemeinderat wünschen sich die Initiativen ein klares Nein, nach dem Vorbild des Warngauer Gremiums. „Unser Gemeinderat lässt dagegen Großhartpenning regelrecht absaufen“, werfen die Kritiker in ihrer Mitteilung der Kommunalpolitik vor. Dass die Gemeinde das Integrierte Mobilitätskonzept mit Bürgerbeteiligung auf den Weg gebracht hat, erntete beim Pressegespräch indes Lob. Aber: „Wir werden Druck auf den Gemeinderat ausüben, damit diese Vorschläge auch umgesetzt werden“, sagt Peter Limmer (Bürgervereinigung gegen die geplante Umgehungsstraße). 

Die nordöstlichen Umfahrungen von Kurzenberg und Großhartpenning im erweiterten Bedarf hält Scholz für kaum realistisch. Aber weil die Kosten nicht so hoch seien, „kann das genauso schnell wieder reinschlüpfen“.

Von Katrin Hager

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