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Geothermie in der Alten Au: Für Holzkirchen wäre die EEG-Novelle eine große Erleichterung.  

EEG-Novelle

Mehr Zeit für Geothermie-Projekt

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Holzkirchen - Das Bundeskabinett hat eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes beschlossen. Tritt die Novelle tatsächlich in Kraft, bringt das für das Holzkirchner Geothermie-Projekt deutlich mehr Zeit und Entspannung.

Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) kann durchatmen: „Wir sind sehr erfreut“, sagt er. Gerade für die Geothermie sei die Nachricht mehr als zufriedenstellend. „Wegen der komplexen Technologie brauchen wir Spielraum.“ Und: „Das würde uns mehr Luft verschaffen, und den Druck aus dem Kessel nehmen.“ Auch finanziell. 

Der Grund für die Freude ist die jetzige Nachricht über den Kabinettsbeschluss zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus Berlin. Sofern die Reform die notwendige Mehrheit im Bundestag findet, werde die finanzielle Unterstützung seitens des Staates bis Ende des Jahres 2020 – und nicht wie ursprünglich vorgesehen bis 31. Dezember 2017 – ausgeweitet, heißt es in einer Pressemitteilung des Holzkirchner Rathauses.

 Ansonsten hätte das Geothermie-Kraftwerk bis Ende 2017 ans Netz gehen müssen, um die maximale Einspeisevergütung für Strom einzustreichen. Das im Frühjahr 2013 novellierte und im August 2014 verabschiedete EEG sei hierfür maßgeblich, denn die Regelung besage, dass erneuerbare Energiequellen nur noch bis zum 31. Dezember 2017 vom Staat mit der maximalen Vergütungshöhe gefördert werden. Bislang galt: Sollte das Holzkirchner Kraftwerk diesen Termin nicht einhalten, so droht eine Reduzierung der jährlichen Einspeisevergütung in Höhe von fünf Prozent. Doch jetzt gibt es wohl mehr Zeit für die Energiewende in der Marktgemeinde. 

Wie berichtet, war das Großprojekt in der Alten Au, an dem die Gemeindewerke seit Herbst 2014 mit Hochdruck und in einem knapp bemessenen Zeitkorridor arbeiten, heuer im März etwas ins Straucheln geraten. Damals bohrte man in über 4200 Metern eine Gasblase an. Die Bohrung musste daraufhin neu ansetzen und auf einem abgelenkten Pfad – einem Sidetrack – ihr Ziel suchen. Was auch erfolgreich gelang, Trotzdem gesteht Löwis: „Durch den Gasfund waren wir schon nervös.“ Dieser Zwischenfall verzögerte den gesamten Ablauf um mehrere Wochen. „Wertvolle Zeit, die jedoch fast vollständig wieder eingeholt wurde“, heißt es in der Pressemitteilung. 

Dennoch: „Wir liegen wieder im Zeitplan“, versichert Albert Götz, Leiter der Gemeindewerke. „Erst kürzlich wurde die vorläufige Endteufe nach einer Bohrstrecke von 5600 Metern erreicht“, schreibt das Rathaus. „Aktuell werden Reinigungslifts durchgeführt, um im Laufe der nächsten Tage mittels Leistungstests konkrete Resultate über die Wassertemperatur und Schüttmenge zu erhalten.“ Götz sagt: „Die bisherigen Messungen und Ergebnisse zeichnen ein positives Bild, wir sind sehr zuversichtlich.“

Trotzdem gäbe es laut Löwis theoretisch das Risiko, bei der zweiten Bohrung nebenan erneut auf Gas zu stoßen. Da verschaffe das neue EEG deutliche Entspannung. 

Besonderes Lob schickt Löwis an Bayerns Energie- und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU). „Sie hat sich unheimlich dafür eingesetzt.“ Bei der Meißelweihe am Bohrplatz Ende Januar (wir berichteten) bat Löwis Aigner um Unterstützung auf Bundesebene. Denn vor allem durch die großen Realisierungszeiträume bei Tiefengeothermieprojekten und die naturgemäß höheren Unwägbarkeiten im Untergrund ließen sich Degressionszeiträume im Sinne des EEG nicht einfach von anderen erneuerbaren Energiequellen übertragen. Aigner versprach, sich bei den Verhandlungen über das EEG für eine Verschiebung der Degression einzusetzen. 

Laut Götz hätte die Novellierung einen weiteren angenehmen Nebeneffekt: „Bislang stand die Stromerzeugung im Vordergrund, weil wir damit das Geld verdienen“, erklärt er. Sollte die Reform also tatsächlich in Kraft treten, „dann können wir das mit dem Strom etwas ruhiger angehen“. Für den Bau des eigentlichen Kraftwerks könne man sich mehr Zeit nehmen. Bei der Wärmenutzung sei die technische Anbindung etwas leichter.

 „Wir haben uns ein ehrgeiziges Ziel gesetzt, um unserer und den zukünftigen Generationen eine nachhaltige und stabile Energieversorgung zu garantieren“, resümiert Löwis. „Die Verschiebung der Degression ist ein wichtiges und notwendiges Signal für Geothermievorhaben in ganz Deutschland.“

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