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Polizei versuchte zu vertuschen: Ex-Bürgermeister besaß illegal eine Pistole

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Von: Nina Probst

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Holzkirchen - Am Donnerstagabend ging der Prozess um einen Polizisten zu Ende, der wegen Strafvereitelung im Amt angeklagt war - mit pikanten Enthüllungen um Holzkirchens ehemaligen Bürgermeister.

Am Miesbacher Amtsgericht galt es am Donnerstag herauszufinden, was den ehemaligen Bürgermeister von Holzkirchen, den ehemaligen Vize-Polizeichef von Holzkirchen und eine Waffe miteinander verbindet. Nach über fünf Stunden Verhandlung war folgende Geschichte klar: Beim ehemaligen Vize-Polizeichef von Holzkirchen gibt Josef Höß am 28. Januar 2015 eine Waffe ab, die er vor 20 Jahren bei Umbauarbeiten auf seinem Speicher gefunden hat und seither in einem Tresor gelagert hatte. 

Der Polizist nimmt die halbautomatische Kleinschusswaffe des Kalibers 6,35 entgegen und übergibt sie seinem zuständigen Sachbearbeiter. An diesem Punkt hätte ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden müssen, da Höß die Waffe ohne Waffenschein nicht hätte zur Dienststelle bringen und sie schon gar nicht über Jahre hätte besitzen dürfen. Nur: Das ist nie passiert. 

LKA hörte Höß längere Zeit lang ab

Die Sache wurde als Fund gehandelt und zu den Akten gelegt. Dumm nur, dass das Bayerische Landeskriminalamt bei einem Telefongespräch zwischen dem Sachbearbeiter der Polizei Holzkirchen und Höß‘ Frau mithörte. In der Verhandlung kamen auch Details von dem Gespräch ans Licht: Offenbar riet jener Sachbearbeiter dem Ehepaar Höß, Details von dem Waffenfund zu verschweigen, beziehungsweise etwas anders zu schildern als passiert. 

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In Prozess verwickelt: Josef Höß, ehemaliger Bürgermeister von Holzkirchen.

Ja, Sie haben richtig gelesen, der ehemalige Bürgermeister Josef Höß (CSU) wurde vom LKA abgehört. Warum, kam in der Verhandlung nicht zur Sprache. Nur, dass das Abhörprotokoll in dem Prozess nicht verwendet werden konnte, weil das LKA jedenfalls nicht wegen illegalen Waffenbesitzes gegen Höß ermittelte. 

Öffentlich bekannt ist nur eine Hausdurchsuchung bei Höß: Nämlich im Zusammenhang des Verkaufs des Baywa-Grundstücks sowie der Miesbacher Sparkassenaffäre, durch die ja bekanntlich einige Hausdurchsuchungen stattfanden. Dabei wurde die Pistole allerdings nicht gefunden - der damalige Bürgermeister aber offensichtlich wachgerüttelt: Einen Tag später ging er zur Polizei - mit der Waffe in der Hand. Daraufhin folgte jenes verhängnisvolle Telefonat.  

Zunächst rückte allerdings der Sachbearbeiter der Polizei ins Visier des LKA. Gegen ihn wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Strafvereitelung im Amt eingeleitet. In Vernehmungen durch das LKA sagte der Polizist allerdings aus, er habe auf Anordnung seines Vize-Chefs so gehandelt. Das Verfahren gegen den Sachbearbeiter wurde eingestellt, die Ermittlungen konzentrierten sich auf den Vize-Chef - und mündeten nun in der Verhandlung am Donnerstag vor dem Miesbacher Amtsgericht. Die Anklage: Strafvereitelung im Amt. 

Nach einer ausführlichen Beweisaufnahme plädierte die Staatsanwaltschaft auf schuldig und forderte neun Monate auf Bewährung plus eine Geldstrafe. Der Verteidiger Walter Lechner setzte hingegen auf Freispruch und nahm im Plädoyer alle Vorwürfe des Staatsanwalts auseinander. Der sachbearbeitende Polizist hatte nämlich nicht vor Gericht ausgesagt und von einem Motiv fehlte jede Spur. Das Gericht entschied am Ende auf Freispruch. Für den ehemaligen Polizei-Vize ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk - er hat am Freitag Geburtstag. Sowohl bei ihm als auch bei seiner Frau in den Zuschauerrängen rollten nach Ende der Verhandlung Tränen der Erleichterung.

Und Höß? Der wurde offenbar längst verurteilt. „Ich dachte, Wunder was ich Gutes tue“, sagte er am Donnerstag vor Gericht. „Aber es war falsch.“ Stimmt. Und deshalb stand Höß auch im Juli wegen dieser Sache vor Gericht. Das brummte Höß eine Strafe wegen illegalen Waffenbesitzes und dem unrechtmäßigen führen einer Waffe in der Öffentlichkeit auf - jetzt geht er in Revision.

nip

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