Holzkirchner wegen irrer Chaosfahrt vor Gericht

Mit Auto der Freundin Leitplanke gerammt - abgehauen

Fischen/Holzkirchen – Ein Holzkirchner (23) trank mit seinem Bruder und setzte sich nach einem Streit ins Auto seiner Freundin. Was dann folgte, wurde die wohl schlimmste Nacht seines Lebens.

Er hatte nicht gerade eine Glückssträhne, der damals 23-Jährige aus Holzkirchen, als er am 5. Dezember gegen 2.15 Uhr alkoholisiert mit dem Auto seiner Freundin erst eine Leitplanke, dann ein Brückengeländer rammte und sich schließlich aus dem Staub machte. Zuvor hatte er noch die Kennzeichen von dem Wagen abmontiert, den er rund 200 Meter nach der Unfallstelle abgestellt hatte. Doch das half nichts. Die Polizei machte die Halterin ausfindig und verständigte sie. Wenig später kreuzten dann der Fahrer und sein Bruder bei der Polizei in Dießen auf, und der Holzkirchener stellte sich. Er bekam einen Strafbefehl zugestellt, gegen den er Einspruch einlegte. Nun stand der Fahrer wegen Straßenverkehrsgefährung und unerlaubten Entfernens vom Unfallort vor dem Amtsgericht Weilheim.

Eigentlich hatte er den Abend ganz anders geplant

Diese Dezembernacht hätte eigentlich ganz anders verlaufen sollen. Es sei geplant gewesen, dass er bei seinem Bruder in Dießen übernachte, weil die beiden Brüder Bier trinken wollten, schilderte der Angeklagte. Doch dann habe es Unstimmigkeiten gegeben und er sei ins Auto gestiegen, um nach Hause zu fahren. Zwischen Dießen und Fischen kurz vor der Ammerbrücke habe er die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. Er touchierte erst eine Leitplanke und dann das Brückengeländer. „Irgendwann ist das Auto zum Stehen gekommen“, sagte der junge Mann. Er sei eine Weile im Auto gesessen, dann habe er seinen Bruder angerufen.

Dass er die Kennzeichen abmontiert hatte, fiel ihm erst auf der Wache auf

Dieser kam ihm zu Hilfe. Der Bruder habe mit seinem Auto das Unfallfahrzeug, das nicht mehr gefahren werden konnte, von der Straße geschoben. Dann seien sie ersteinmal zum Bruder nach Hause gefahren. Dass er die Kennzeichen abmontiert hatte, habe er erst auf der Polizeiwache in Dießen gemerkt, wo er gegen 4.30 Uhr mit seinem Bruder aufschlug. Beide hatten eine Blutalkoholkonzentration von rund einem Promille. „Es war für mich klar, dass wir zur Polizei gehen“, antwortete der Angeklagte auf die Frage von Richter Michael Eberle, warum es denn so lange gedauert habe, bis der Unfallfahrer und sein Bruder auf der Wache aufgetaucht waren.

"Es war ein Trümmerfeld"

Als die beiden auf der Wache erschienen, war der Unfall bei der Polizei schon längst bekannt. Gegen 3.15 Uhr hatte nämlich ein Lastwagenfahrer gemeldet, dass es zwischen Dießen und Fischen einen Unfall gegeben haben muss. Die Weilheimer Polizei rückte aus. „Es war ein Trümmerfeld“, sagte der Polizist vor Gericht aus. Überall seien Leitplanken- und Fahrzeugteile gelegen. „Wenn da ein Auto schneller gekommen wäre, hätte es den Reifen zerfetzt.“

Den Beamten gelang es, auch ohne die Nummernschilder, die Halterin zu ermitteln. Diese gab an, dass ihr Freund mit ihrem Auto unterwegs sei und die Beamten wussten, wer den Unfall gebaut hatte, bei dem Sachschaden in Höhe von rund 5000 Euro entstand. Vor Gericht zeigte sich der junge Mann schuldbewusst: „Das war eine dumme Aktion, ich bin froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist.“ Da Auto seiner Freundin war 30.000 Euro wert und ist nun ein Totalschaden.

Der junge Mann wurde wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs und unerlaubten Entfernens vom Unfallort zu einer Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro verurteilt. Er darf erst in neun Monaten seine Fahrerlaubnis wieder beantragen. „Die Mitnahme der Schilder ist eine klare Verdunklungshandlung“, sagte der Richter bei der Urteilsbegründung.

Kathrin Hauser

Rubriklistenbild: © dpa

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