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Holzkirchner Kogel

Naturdenkmal steht auf der Kippe

Holzkirchen - Der Kogel, ein kleiner Waldhügel im Holzkirchner Süden, ist als Naturdenkmal eingestuft. Das Landratsamt prüft jetzt die Entwidmung. Ein Vorgang, der die Südspangen-Gegner alarmiert.

Der Kogel ist empfindliches Terrain. Der kleine Waldhügel im Süden Holzkirchens dient als beliebter Anlaufpunkt für Naherholer aller Art. Nur einmal im Jahr wird es lauter, wenn die örtliche Feuerwehr dort ihr Sommerfest veranstaltet. Allerdings: Jeder Kogel-Besucher macht das Landratsamt nervös. Denn da der Kogel als Naturdenkmal geführt wird, ist die Kreisbehörde verantwortlich für die Verkehrssicherungspflicht. Seit Jahren spielt die Kreisbehörde mit dem Gedanken, sich dieser Aufgabe zu entledigen.

Derzeit nimmt der Landkreis einen neuen Anlauf, dem Kogel womöglich das Prädikat Naturdenkmal zu entziehen. „Es ist eine Begehung geplant“, bestätigt Gabriele Dorby, Pressesprecherin der Kreisbehörde, „der Vorgang ist aber völlig ergebnisoffen.“ Prompt hat das einige Südspangen-Gegner auf den Plan gerufen; sie wittern in einer Entwidmung einen vorauseilenden Schachzug, um den Weg für eine Straßentrasse frei zu machen.

Diese Sorgen seien unbegründet, betonte Bürgermeister Olaf von Löwis am Dienstag im Gemeinderat: „Die Überlegungen, den Denkmalschutz-Charakter für den Kogel zu hinterfragen, haben absolut nichts mit einer möglichen Südumfahrung zu tun.“ Die Gemeinde sei bestrebt, den Kogel in seiner bisherigen Form zu erhalten. Dafür brauche es aber nicht unbedingt das Prädikat Naturdenkmal.

Der Kogel, ein bewaldeter Moränenhügel, wird seit 1964 als eines von landkreisweit 19 Baum-Naturdenkmälern geführt. Die rund hundert Bäume werden als ein Ensemble gewertet. Laut Dorby gelten innerhalb der Denkmalliste aber verschiedene Wertigkeiten. „Der Kogel genießt eher geringere Wertigkeit“, sagt Dorby. Es gebe aufgekieste Wege, auch Bänke, alljährlich das Kogelfest mit vielen Besuchern. „Die Nutzungsintensität in so einem ,getunten‘ Wald lässt sich nur mehr schwer mit der Schutzwürdigkeit vereinbaren.“ Das Prädikat Naturdenkmal sei kaum mehr zu rechtfertigen.

Noch aber gilt diese Einstufung, das Landratsamt haftet im Sinne der Verkehrssicherungspflicht für mögliche Unfälle. „Wenn sich da viele Leute drin bewegen, wird das für den Landkreis natürlich sehr aufwändig“, sagt Dorby. Totholz etwa müsse entfernt werden, bevor ein herabstürzender Ast jemand verletze. Man werde jetzt auf die Gemeinde zugehen. „Wenn die bisherige Nutzung des Kogels so bleibt, muss der Schutzstatus weg“, sagt Dorby, „das kann der Landkreis nicht mehr leisten.“ Fällt der Denkmalschutz weg, gilt der Kogel haftungsrechtlich als Wald wie jeder andere: Jeder Besucher ist selbst verantwortlich.

Unberührt von diesen Überlegungen bleibt die Steindl-Allee, die vom Ortsrand in Richtung Kogel führt. „Die Steindl-Allee ist eine von nur zwei als Naturdenkmal geschützten Alleen im Landkreis“, sagt Dorby, „sie genießt eine sehr hohe Wertigkeit.“ Daran werde nicht gerüttelt. Die Gemeinde spielte bereits im Jahr 2007 mit dem Gedanken, den Status Naturdenkmal im Kogel ihrerseits auflösen zu lassen; damals war dort der Bau eines Abenteuer-Spielplatzes im Gespräch, die Idee wurde dann aber nicht weiterverfolgt.

Die zuletzt diskutierten Korridore für eine ortsnahe Südspange, die das Straßenbauamt ins Spiel gebracht hatte, berühren den Kogel nicht; sie würden zwischen Marschall und Lochham auf die B 318 stoßen. Allerdings gibt es auch einen Trassen-Vorschlag, der den Kogel durchschneidet: Die Gemeinde Warngau brachte diese Variante in die Debatte ein. Für den Kogel schlagen die Warngauer in ihrer Stellungnahme eine „durchdachte Grünbrückenlösung“ vor.

Von Andreas Höger

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