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Lust auf ein Selfie? Einer der Holzkirchner Perchtenläufer beeindruckt mit einer furchterregenden Teufels-Larve.

Einzigartige Vorstellung

Singspiel im Fackelschein: Könige zähmen wilde Gesellen

Holzkirchen – Kaspar, Melchior und Balthasar treffen Frau Percht: Eine Gruppe aus Holzkirchen zeigt vor dem Kultur im Oberbräu ein einzigartiges Singspiel. Es geht um uralte Bräuche und christliche Rituale.

Peter A. Franz ist Melchior, der älteste der Drei Könige. „Passt gut zu mir“, findet der 57-Jährige. Die drei Weisen, die dem Jesuskind huldigen, werden heute fast ausschließlich von Jugendlichen dargestellt. Doch das, sagt Franz, war nicht immer so. „Unsere Idee ist es, alte Dreikönigs-Bräuche neu zu beleben und die alten Lieder zu singen.“ Und dazu gehört, die Weisen aus dem Morgenlande mit drei g’standenen Mannsbildern zu besetzen. Aber nicht nur.

Bei ihren Nachforschungen stieß die Gruppe aus Holzkirchen und Umgebung – die meisten kennen sich von der Holzkirchner Liedertafel – bald auf die Perchten-Traditionen, die Vorläufer der Dreikönigs-Rituale. Man warf beides zusammen und entwickelte ein kleines, ungewöhnliches Dreikönigs-Singspiel. „Die ersten Auftritte an verschiedenen Orten im Landkreis waren eher privater Natur“, berichtet Franz, ein gebürtiger Holzkirchner, der heute in Oberdarching lebt.

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Mittlerweile ist das Ensemble auf zwölf Männer und eine Frau angewachsen; der jüngste ist 23 Jahre alt, der älteste fast 70. „Wir waren lange vorsichtig, in Holzkirchen eine große Bühne zu suchen“, sagt Franz. Jetzt aber sei die Zeit reif, zumal sich das Amphitheater vor dem Kulturhaus als Szenerie anbiete.

Bei den bisherigen Auftritten übernahm der jeweilige Hausherr die „Gastrolle“ des Herodes – und diese Tradition wird nicht gebrochen. Bürgermeister Olaf von Löwis, angetan mit Königsmantel und Krone, wird die Könige mit Schnaps ins Kulturhaus locken. „Herodes will ja von ihnen wissen, wo das Jesuskind zu finden ist“, verrät Franz. Der Text zu dieser Szene stammt aus der Holzkirchner Chronik von Pfarrer Joseph Imminger.

In Münchner Archiven fand die Gruppe weitere Dreikönigs-Lieder aus der Region. Das älteste wurde im Mittelalter in Otterfing niedergeschrieben – ein Indiz dafür, wie lange es das Dreikönigs-Brauchtum in der Region gibt. „Das sind über 80 Strophen“, sagt Franz. Für das Singspiel wurden einige Passagen vierstimmig vertont.

Ihren besonderen Reiz zieht die 30-minütige Aufführung aber aus der Verknüpfung mit dem alten, heidnisch anmutenden Volksglauben. Zwischen den Liedern der Könige und der beiden Erzähler tanzen die wilden Perchten. Der im Alpenraum seit dem 16. Jahrhundert bekannte Perchtenlauf mit seinen lärmenden Glocken und furchterregenden Masken symbolisiert die Vertreibung des Bösen und des Winters. Je nach Region hatten die wilden Gesellen Reinheitsvorschriften zu überwachen, die das Jahresglück der Familien bestimmten. Später wurde es Aufgabe der Hl. Drei Könige, die Häuser Raum für Raum auszuräuchern.

„Das Christentum hat sich diese Jahreswechsel-Riten zu eigen gemacht und die eigenen Hochfeste draufgesetzt“, sagt Franz. Zwischen Wintersonnwende (21. Dezember) und dem 6. Januar reihen sich die mit schaurigem Mythen durchsetzten vier Raunächte. In den dunklen Stunden zwischen 5. und 6. Januar, der letzten Raunacht, soll „Frau Percht“ umgehen, in deren Gefolge ungetaufte Kinder ziehen. „Eine Frauenfigur, die gut und schlecht besetzt ist“, berichtet Franz, „ähnlich wie Frau Holle aus den Märchen.“ Um diese Doppeldeutigkeit zu versinnbildlichen, trägt Frau Percht im Singspiel sowohl eine Fratze als auch Sonnensymbol. Franz gefällt diese Ambivalenz. „In jedem Menschen steckt Gutes und Schlechtes.“

Der 57-Jährige geht davon aus, dass es in altvorderer Zeit auch in der Holzkirchner Region Raunacht-Traditionen oder Perchtenläufe gab. „Wetterphänomene hat man immer mit Übersinnlichem in Zusammenhang gebracht.“ Nur in abgelegenen Gebirgsgegenden habe sich der „heidnische“ Ritus aber als eigenständige Tradition erhalten.

An Symbolik geizt auch die christliche Dreikönigs-Überlieferung nicht, wie der 57-Jährige weiß. Die drei Weisen stehen für die drei ehedem bekannten Erdteile Europa, Afrika und Asien; ein junger König ist darunter, ein König im besten Alter und einer, den man heute als „Golden-Ager“ bezeichnen würde. „Mein Melchior“, schmunzelt Franz. Alle Erdteile, alle Altersgruppen beugen das Knie vor dem neugeborenen Heiland. Die Botschaft ist klar.

Natürlich lässt sich in das Singspiel ein christliches Happy-End hineindeuten. So wie die Perchten den böskalten Winter bannen, weisen die christlichen Könige die „abergläubischen“ Umtriebe der Masken in die Schranken. Für Franz ist es aber mehr. „Es geht um einen Wechsel, eine Umkehr. Etwas Altes endet, etwas Neues beginnt.“.

Das Singspiel

beginnt am Dienstag, 3. Januar, um 19.30 Uhr auf dem Vorplatz (Amphitheater) vor dem Kultur im Oberbräu. Der Eintritt ist frei. Ein Hut kreist für Spenden, die einem sozialen Projekt im Landkreis zugutekommen.

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