Arbeitsrecht reformiert

Homosexuelle Hort-Leiterin darf bleiben

  • Marlene Kadach
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Holzkirchen - Die homosexuelle Leiterin des Caritas-Hortes in Holzkirchen, die ihren Posten räumen musste, weil sie ihre Freundin heiratet (wir berichteten), darf nun doch weitermachen.

Hintergrund ist eine Reform im kirchlichen Arbeitsrecht, die die deutschen Bischöfe beschlossen haben und die im Erzbistum München und Freising wie in den meisten anderen Diözesen auch zum 1. August in Kraft tritt. Das teilt Caritas-Kreisgeschäftsführerin Beate Haslinger-Naß in einem Brief an die Hort-Eltern mit, der unserer Zeitung vorliegt.

In dem Schreiben heißt es: „Liebe Eltern, die letzten Wochen waren mitunter sehr aufregend für alle“, beginnt Haslinger-Naß. „Es freut mich sehr, Ihnen heute offiziell die Entscheidung des Vorstandes mitteilen zu können“. Diese lautet: „Die Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses der Hortleiterin wegen eingetragener Lebenspartnerschaft hat aufgrund der neuen Grundordnung keine Rechtsgrundlage mehr. Das Beschäftigungsverhältnis besteht weiter.“ Nach der bereits seit längerem vereinbarten Auszeit werde die betroffene Leiterin am 1. Dezember an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. „Wir freuen uns alle sehr.“

Für die Zeit vom 1. September bis 30. November 2015 habe die Caritas mit Heidi Klettner wieder eine „sehr engagierte und erfahrene Kita-Leitung“ gewinnen können. Der Brief schließt mit den Worten: „Mit diesen erfreulichen Nachrichten können wir in das neue Schuljahr starten.“ Gegenüber unserer Zeitung betont Haslinger-Naß, dass die Leiterin stets eine „verdiente Mitarbeiterin“ gewesen sei, zu der sie ein gutes Verhältnis pflege.

Auch Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) freut sich über die neue Entwicklung: „Ich bin sehr erleichtert“, sagt er. Der ohnehin umstrittene SPD-Antrag, wonach die Gemeinde Zuschüsse für die Caritas als Träger streichen sollte, weil deren Personalpolitik diskriminierend sei (wir berichteten), ist in den Augen des Bürgermeisters nun hinfällig. Die Betroffene selbst möchte nicht mit den Medien sprechen.

Ob und inwieweit die Caritas derzeit andere ähnliche Fälle auf den Prüfstand stellt, konnte eine Sprecherin der Pressestelle des Caritasverbands der Erzdiözese am Mittwoch nicht beantworten. Sie bestätigte lediglich, dass die Änderung im Holzkirchner Fall mit der neuen kirchlichen Grundordnung zusammenhänge.

Bislang war es so, dass homosexuellen Mitarbeiter kirchlicher Arbeitgeber, die eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingingen, gekündigt werden konnte. Die Kirche begründete dies mit der Loyalitätspflicht der Arbeitnehmer gegenüber kirchlichen Werten. Im April sagte Caritas-Sprecherin Adelheid Utters-Adam gegenüber unserer Zeitung, dass die Grundordnung bei eingetragener Lebenspartnerschaft eine Tätigkeit als Führungskraft vor allem auch im erzieherischen Dienst ausschließe. Das Dienstverhältnis in Holzkirchen sei in „beiderseitigem Einvernehmen beendet“ worden. Jetzt wird es bald wieder aufgenommen.

Von Marlene Kadach

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