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Um das 20-jährige Bestehen des Hospizkreises Miesbach zu feiern, kamen (v.l.) Gabriela Staelin, Manfred Lechner, Joan Case, Gabriele von Ende-Pichler, Peter Rosner, Lisa Brandl-Thür, Klaus Fresenius, Joachim Groh, Franziska von Drechsel, Andreas Heller und Pfarrer Frank Kittelberger jetzt zum Festakt in das St. Anna-Haus Holzkirchen.

Hospizkreis feiert 20-Jähriges

Die Kunst des Lebens und Sterbens

Holzkirchen - Mit einem Festakt hat der Hospizkreis Miesbach jetzt im Holzkirchner St. Anna-Haus sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Dort gab es auch Tipps für das Leben – damit man am Ende nicht das Gefühl hat, etwas verpasst zu haben.

Es war ein tiefgründiger Abend, der viel Stoff zum Reflektieren bot. Und ein Abend der warmen Worte. „Sie hinterlassen viele, viele Spuren der Liebe, der Nächstenliebe“, lobte Bezirksrat Josef Bichler. Und Pfarrer Frank Kittelberger, Erster Vorsitzender des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbands, meinte: „Hut ab vor Ihrem Durchhaltevermögen und allem, was Sie aufgebaut haben“. Er bemerkte, dass der Name Hospizkreis ein wenig nach Nachbarschaftshilfe. Wohl gewollt, vermutete der Geistliche. 

Mit dieser kleinen Ansprache begrüßte er das „hochmodernes Sterbehilfe-Team“ rund um den Hospizkreis Miesbach, der nun im St. Anna-Haus in Holzkirchen Jubiläum feierte. Wie berichtet, wird der Verein heuer 20 Jahre alt. Das Trio Vario umrahmte nun die Feier. 

Eine lange Ansprache hielt Andreas Heller, er ist Professor des ersten Lehrstuhls für Palliative Care und Organisationsethik in Europa an der Universität Klagenfurt. Heller hangelte sich an „The top five regrets of the dying“ entlang, dem Buch der australischen Sterbebegleiterin Bronnie Ware, das sich mit Bedauern und Sterben beschäftigt. „Bedauern“ Nummer eins: Nicht das eigene Leben gelebt zu haben. Wolle man auf dem Sterbebett zufrieden sein, solle man nicht zu viel Zeit damit vergeuden zu tun, was „die Leut“ für richtig halten. 

Heller ermutigte seine Zuhörer, ihr eigenes Leben zu leben. Was auch 2016 in Deutschland schwer sei. Zumal Beziehungsmuster nach wie vor geprägt seien von der Pädagogik des vergangenen Jahrhunderts. „Nimm dich nicht so wichtig.“ Das sei der Lieblingsspruch seiner Mutter gewesen. Typisch für deren Generation. Kinder durften nicht verzärtelt werden. Heller sprach von „faschistischen Ideale“, begünstigt durch das Verdrängen des Krieges. Seine eigenen Gefühle erkennen und darüber zu sprechen sei jedoch Voraussetzung dafür, anderen einfühlend zu begegnen. Und damit Schlüssel zu erfolgreicher Hospizarbeit. Als Mitmensch einfach da zu sein. Das gelänge nur dem, der erlebt hat, von anderen mit seinen Emotionen angenommen zu werden. Hospizarbeit sei Friedensarbeit. 

Heller warf anlässlich des Jubiläums einen Blick in die Zukunft und auf die aktuelle Flüchtlingskrise. Dramatische Änderungsprozesse stünden bevor. Das werfe Fragen auf. In welcher Gesellschaft wollen wir leben? In einer offenen oder in einer, die sich abschottet? „Radikale Gastfreundschaft“ sei der logische Schluss aus dem Grundgedanken der Hospizbewegung. Man könne nicht „für Sterbende sein und Flüchtlingen aus dem Land werfen“, spannte Heller den Bogen, „da hat man etwas nicht verstanden“. Darüber hinaus sei Sterbehelfer-Sein ein Geschenk, meinte er. Denn durch die Auseinandersetzung mit dem Sterben könne man selbst lernen, worauf es im Leben ankommt. Das mache den Einzelnen und das ganze Land reicher – davon ist Heller überzeugt. 

Peter Rosner, Vorsitzender des Hospizkreises, gefielen Hellers Worte. Er nehme vieles mit, erklärte er. Vor allem eines: Wie wichtig die Qualität von Beziehung ist.

Von Johanna Wieshammer 

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