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Hype ums Huhn: Familie aus Naring erzählt, warum sie aufs Federvieh gekommen ist

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Von: Marlene Kadach

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Braun, schwarz, grau – die acht Hühner der Familie Rutz gehören vier Rassen an. „Hühner sind super“, sagt Anian Rutz. Auch seine Töchter Felicitas (l.) und Florina sowie Ehefrau Lucia sind begeistert.
Braun, schwarz, grau – die acht Hühner der Familie Rutz gehören vier Rassen an. „Hühner sind super“, sagt Anian Rutz. Auch seine Töchter Felicitas (l.) und Florina sowie Ehefrau Lucia sind begeistert. © Thomas Plettenberg

Hühner liegen voll im Trend. Immer mehr Menschen halten sich Hennen im Privatgarten. Familie Rutz aus Naring erzählt, warum das Federvieh so super ist. Und ein Experte gibt Tipps.

Naring – Während der Fußball-EM stand der Alltag im Hühnerstall Kopf. Wenn die Familie Rutz im Wohnzimmer ein Spiel schaute, saß eines der braunen Vorwerk-Hühner draußen am Fensterbrett, reckte seinen schwarzen Kopf Richtung Fernseher. Starrte wie gebannt auf die Torjäger. „Meistens ist es irgendwann in eine Schlummerstellung versunken“, erzählt Anian Rutz. „Wir mussten es dann in den Stall tragen.“ Regelmäßig habe das Huhn dabei die Schließzeit verpasst. Per Lichtsensor öffnet und schließt sich die Klappe für das Hühnerhaus.

Familie Rutz aus Naring hat sich für den Garten Hühner angeschafft. Die private Hühnerhaltung jenseits von Bauernhöfen liegt voll im Trend. Laut Landratsamt gibt es im Landkreis 546 Geflügelhalter. 26 davon besitzen mehr als 50 Tiere, 339 weniger als zehn. Es sei ein „Aufwärtstrend zu erkennen“, erklärt Sprecherin Sophie Stadler.

Die Kinder lernen, wo Lebensmittel herkommen

Heuer im Frühjahr kauften Rutz und seine Frau Lucia acht Hühner. Vier verschiedene Rassen mit ruhigem Gemüt. „Hühner sind super“, findet der 37-Jährige. „Weil sie Nutztiere sind.“ Seine beiden Töchter, die dreijährige Felicitas und die zehn Monate alte Florina, lernen, wo Lebensmittel herkommen. Zugleich seien die Tiere zutraulich. Kinder können mit ihnen schmusen. „Vor allem unsere Ältere hat es wichtig mit den Hühnern.“ Sie hilft beim Ausmisten, sammelt die Eier aus den Nestern. Vier bis sieben Stück täglich. „Gekaufte Eier schmecken nie so gut.“ Aber: „Zum Gockel hat uns bislang der Mut gefehlt“, sagt Rutz. Nachdem die Nächte mit zwei Kindern eher unruhig seien, wollte das Ehepaar nicht zusätzlich durch das Kikeriki geweckt werden. Fährt die Familie mal weg, sorgt ein Automat für Futter und Frischwasser. Bei längeren Urlauben sei es nicht schwer, „Betreuungspersonal zu finden“.

Auch Anschi Hacklinger aus Weyarn ist aufs Huhn gekommen. Pünktlich zum ersten Lockdown im März 2020 kaufte sie sich von einem Geflügelzüchter Fin und Pfefferl. „Zwei normale, braune Haushühner.“ Eine Nachbarin brachte ihr das Einmaleins des Federviehs bei. „Wichtig ist eine Hühnerstange“, weiß Hacklinger. „Die Tiere schlafen gerne oben.“ Deshalb zogen sie in den ersten Stock des Stalls. Im Erdgeschoss residieren die Laufenten Helge und Berta. „Wie in einer WG.“ Zu Fressen bekommen sie gentechnikfreies Körnerfutter und Essensreste. „Das ist ein Kreislauf im Kleinen.“

Geflügelzuchtverein spürt den Trend enorm

Der Geflügelzuchtverein Miesbach spürt den Hühnertrend enorm. „Unsere Mitgliederzahlen haben in den letzten Jahren brutal zugenommen“, berichtet Zweiter Vorsitzender Franz Heiß. „Das ist ein richtiger Hype.“ Während in den 90ern die Zahl der Mitglieder auf 85 schrumpfte, zähle man jetzt fast 200. Das Einzugsgebiet ist groß, reicht bis nach München und Ingolstadt. Überwiegend kämen junge Frauen dazu, die im Garten Hühner halten. „Das Huhn hat einen hohen Stellenwert.“ Zum Leidwesen des Vereins interessieren sich nur noch wenige für die Rassezucht. Aber man sei trotzdem froh über die rege Nachfrage.

Besonders gefragt seien große und ruhige Rassen. Zum Beispiel Sulmtaler oder Sundheimer Hühner, Wyandotten, Appenzeller Spitzhauben und Seidenhühner. „Die sehen aus wie ein Wattebausch“, sagt Heiß. Hähne seien weniger beliebt. „Weil das im Wohngebiet oft zu Problemen führt.“ Die Neu-Mitglieder nutzen laut Vorsitzendem Helmut Benda, der selbst amerikanisches Leghorn züchtet, den Service des Vereins. Zum Beispiel die Impfaktionen.

Für Hühner besteht Anmelde- und Impfpflicht

Laut Stadler besteht für Hühner eine Impfpflicht gegen die Newcastle-Krankheit. Jeder Halter müsse seine Hühner beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) anmelden. „Dort bekommt man eine landwirtschaftliche Betriebsnummer.“ Anschließend folgt die Meldung beim Veterinäramt. „Hintergrund ist die Vogelgrippe, da muss das Amt einen Überblick über die Bestände haben.“ Jeder registrierte Halter werde im Ernstfall über Schutzmaßnahmen informiert, ergänzt Josef Fuchs vom AELF. Für Kontrollen zu Haltungsbedingungen sei eine Registrierung ebenfalls nützlich.

Auch Rutz und Hacklinger haben ihre Hühner gemeldet. Hacklinger will Fin und Pfefferl nicht mehr missen. „Jeden Tag kriege ich zwei Eier.“ Eine ihrer Hennen fing eines Tages plötzlich an zu brüten. „Das war bitter.“ Denn geschlüpft ist nichts. Ein Hahn fehlt. Und ihre Hennen haben schon genug mit Laufenten-Macho Helge zu tun. Bockt seine Berta, zwickt er Pfefferl und Fin. Im Hühnerstall ist eben immer was los.

Tipps vom Experten

Der Geflügelzuchtverein Miesbach berät die vielen Neu-Mitglieder gerne, erklären ihnen, worauf sie achten müssen, gibt Tipps. „Parasiten sind ein großes Thema“, sagt Erster Vorsitzender Helmut Benda. Etwa die Rote Vogelmilbe, die schlimmstenfalls zum Tod der Hühner führt. Hier helfen am besten chemische Mittel und glatte Flächen im Stall. „Damit sich die Milben nicht verstecken können.“ Um Krankheiten zu vermeiden, sei frisches Wasser wichtig, rät der 65-Jährige.

Der Stall sollte im Schatten stehen und geräumig sein, „damit der Stalldruck nicht zu groß wird“. Dort sollten abgerundete Sitzstangen vorhanden sein. Und ein Kotbrett. „Damit man die Fläche schön sauber halten kann.“ Denn: „Je sauberer ein Stall, desto besser ist die Gesundheit der Tiere“, erklärt Benda. Gegen den Fuchs helfe ein elektrischer Schafzaun, gegen Greifvögel seien Netze sinnvoll. Besser eigneten sich hier jedoch Büsche. „So können die Hühner in Deckung gehen.“ Daher sei ein Stall auf Stelzen optimal, wo sie auch Schutz vor Witterung und Feinden suchen können.

Brot sollte man nicht zu viel füttern. „Da lässt die Legeleistung nach“, mahnt Benda. Sogar der Herztod könne eintreten. Im Körnerfutter sollte Muschelkalk drin sein. „Das ist gut für die Verdauung.“ Wichtig: Die Tiere nie überfüttern.

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mar

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