„Qualität statt Quantität“: Zu dem Infoabend waren zwar gut über 60 Zuhörer gekommen. Diese wenigen aber engagierten sich dafür umso mehr und stellen viele Fragen und diskutierten rege mit. fotos: thomas plettenberg

Infoabend Mobilitätskonzept

Diese Themen will die Gemeinde zuerst anpacken

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Wohnraum, Bauhof, Ortszentrum, Großhartpenning, Münchner Straße: Diese Themen geht die Gemeinde vorrangig an, erklärte der Bürgermeister jetzt beim Infoabend zum Mobilitätskonzept. 

Ralf Kaulen (v.l.), Manuela Skorka und Bürgermeister Olaf von Löwis saßen am Rednerpult. 

Holzkirchen– Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) blickt ins Publikum, auf die vielen freien Plätze: „Qualität vor Quantität“, sagt er und lacht. Dann wird er ernst. „Holzkirchen wird wachsen. Ob wir wollen oder nicht.“ Es gehe darum, dieses Wachstum zu kontrollieren. Was etwa den Verkehr und den Wohnraum betrifft. Die Gemeinde wolle nachhaltig in die Zukunft schauen. „Und jetzt entscheiden, was später eintreten wird.“ Weil Holzkirchen eine gewisse Größe erreicht habe, müsse man Experten zurate ziehen.

Mit diesen Worten leitete Löwis den Informationsabend im Oberbräufestsaal ein, bei dem die Fachleute Manuela Skorka und Ralf Kaulen das Orts- und Mobilitätskonzept den Bürgern vorstellten. Genau das hatten sie bereits im Januar im Gemeinderat getan (wir berichteten), weshalb es diesbezüglich nicht viel Neues gab. Interessant wurde es, als Löwis die Schwerpunktthemen vorstellte, auf die sich die Gemeinde konzentrieren möchte. Die Gemeinderäte hatten sich in einem Workshop geeinigt, welche der gut 300 vorgeschlagenen Maßnahmen tatsächlich und als Erstes angegangen werden. Die konkrete Umsetzung samt Kosten sei noch von den Haushaltsbeschlüssen abhängig. Grundsätzlich hatte der Gemeinderat dem Konzept zugestimmt. Es dient als Leitfaden.

„Jetzt beginnt die wirkliche Arbeit“, meinte Löwis. „Die Umsetzung ist die größte Herausforderung.“ Dabei müsse sich die Gemeinde mit verschiedenen Akteuren abstimmen, etwa Landratsamt und Staatlichem Bauamt. Eine hohe Priorität genieße das Thema „Wohnraum für alle“. Der ist in Holzkirchen knapp und teuer, Skorka empfiehlt angesichts des demografischen Wandels mehr kleinere und barrierefreie Wohnungen. Heuer beginnt laut Löwis der Bau der beiden Mehrfamilienhäuser, die die Gemeinde im Sommerfeld errichtet. Außerdem nimmt sie die gemeindlichen und maroden Wohnblöcke an der Baumgartenstraße in Angriff, heuer wird ein Architektenwettbewerb vorbereitet.

Ganz oben auf der Liste steht die Aussiedlung des Bauhofs, die schon lange in der Warteschleife hängt. Heuer sollen die Planungen starten. Der Vorteil: Zieht der Bauhof an die B 318 bei Marschall, werden zentrale Grundstücke im Ort frei, eventuell für Wohnraum. Auch die Sanierung der Mittelschule wolle die Kommune angehen, erklärte Löwis.

Wichtig ist der Ortskern. „Wir wollen ein wirkliches Ortszentrum schaffen“, betonte Löwis. Dazu gehören die Rathauserweiterung sowie die Neugestaltung von Marktplatz und Herdergarten, die Kultur spielt ebenfalls eine Rolle. Bei diesem Großprojekt könne heuer die Planung nicht starten, aber man mache sich Gedanken.

Was die Mobilität betrifft, rückt die Verkehrsberuhigung von Großhartpenning in den Fokus, wo zu viele „Autos durchbrausen“. Man nehme sich die Ortseingänge vor, um Fahrzeuge auszubremsen. Zum Beispiel durch Querungshilfen oder Verschwenkungen. Aber: „So leicht ist das nicht.“ Man brauche Privatgrund. „Wir können nicht jeden utopischen Preis zahlen.“ Das ebenfalls verkehrsbelastete Föching muss sich hinten anstellen – man warte die Veränderungen durch den vierspurigen Ausbau der B 318 ab. Davon abgesehen will die Gemeinde die Münchner Straße möglichst noch heuer radlfreundlicher machen, etwa durch Schutzstreifen. Dafür aber ist teilweise eine Straßenverbreiterung nötig, was das Ganze erschwert. Die Ampelschaltungen an Kleeblatteck und Marktplatz sollen für Fußgänger besser werden.

Verbessert werden soll ferner der Öffentliche Personennahverkehr. Dinge wie die Ausweitung der MVV-Tarifgrenze oder ein dichterer BOB-Takt gelte es mit anderen Akteuren voranzutreiben. Die Gemeinde selbst packt den Ortsbus an, weitet diesen auf Valley und Warngau aus.

Dann waren die Bürger dran: Dass die Maßnahmen noch ohne Zeitplan und konkrete Planungen präsentiert wurden, flog Löwis um die Ohren: „Das klingt zu fluffig“, meinte Iris Fischer. Löwis verwies auf die ausstehenden Haushaltsberatungen. Breiten Raum nahmen unter anderem die Tölzer und Tegernseer Straße ein – die nicht auf der Prioritätenliste stehen und bei einer Entlastung der Münchner Straße und einer Stärkung der Nordumgehung womöglich noch mehr belastet werden. Laut Löwis setzt Kaulen darauf, den Kfz-Verkehr insgesamt zu minimieren, indem Fuß-, Rad- und öffentlicher Verkehr gestärkt werden. Angst, dass durch eine Stärkung der Nordspange, die dortigen Anwohner mehr leiden, wurde laut. Laut Löwis müsse man dann eine Lösung finden. Die Südspangendebatte bremste Löwis an dem Abend ein. Laut Kaulen funktioniert das Konzept mit und ohne.

„Erwarten Sie nicht, dass das Mobilitätskonzept alle Probleme löst“, appellierte Löwis am Schluss. Aber der Gemeinderat sei enorm gewillt, sich dem Thema anzunehmen. Im Rahmen seiner Möglichkeiten.

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