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Im Archiv: Nach Johann Widmanns Ansicht wurde Holzkirchen bereits im Jahr 906 erstmals schriftlich erwähnt, Föching im Jahr 817.

Gemeinde will 2017 Geburtstag feiern - nur welchen?

Historiker rätselt: Wie alt ist Holzkirchen?

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Holzkirchen - Wann schlug die Geburtsstunde Holzkirchens? Der Gemeinde-Archivar hat sich durch Urkunden und Kloster-Quellen gewühlt - und kommt auf ein erstaunliches Ergebnis.

Die Idee kam aus Föching: „Eines Tages sind ein paar Leute zu mir ins Archiv gekommen“, erinnert sich Johann Widmann. „Sie hatten im Kopf, dass ihr Ort 2017 sein 1200-jähriges Bestehen feiern muss.“ Widmann fand eine Urkunde vom 8. September 817, die diese Vermutung bestätigte. „Dieses Datum ist gesichert.“ Ganz anders sehe es da mit der Geburtsstunde Holzkirchens aus – bei der er während seiner Recherchen hängenblieb. Im Rennen sind hier die Jahreszahlen 1256, 1017 und 906. 

Seine Ergebnisse präsentierte der gemeindliche Archivar jetzt in der Gemeinderatssitzung. Verknüpft mit der Frage, wann Jubliäumsfeiern steigen sollen. „Vielleicht können Föching und Holzkirchen ja zusammen feiern“, schlug Widmann vor.

Entscheidend ist die erste schriftliche Erwähnung

Wie alt ein Ort tatsächlich ist, wisse niemand, entscheidend sei die erste schriftliche Erwähnung. Im Fall Holzkirchen scheiden sich die Geister. Die Historiker beziehen sich dabei auf das älteste erhaltene Urbarbuch aus dem Kloster Tegernsee. „Holzkirchen war der Markt des Klosters“, erklärte Widmann. In diesem Buch habe ein Abt Ellinger die Besitztümer des Klosters erfassen lassen. Für Widmann nur logisch. Verlottert ging es damals zu. „Einige Brüder lebten mit Frauen dort, es wurde gesoffen.“ Da wollte der Abt Ordnung in den Laden bringen und wissen, wie viel Steuern kommen. „Natürlich ging es immer ums Geld.“ Holzkirchen musste zehn Urnen Honig abliefern. 

Der Knackpunkt: Zwar sei auf dem Buch das Jahr 1017 verzeichnet. „Aber Wissenschaftler streiten sich darüber, ob es tatsächlich von 1017 ist.“ So stamme die Schrift auf dem Deckblatt aus jüngerer Zeit. Einige Hofstellen, die dort verzeichnet sind, existierten erst viel später. 

Zweifel an Echtheit einer Quelle - 1017 oder doch jünger?

Das Originalbuch sei nicht mehr vorhanden. Das Exemplar aus dem Hauptstaatsarchiv in München stamme sicher nicht von 1017. „Man geht davon aus, dass es sich um eine spätere Abschrift von einem früheren Dokument handelt, das damals noch vorhanden war.“ Der Schrift nach müsste die jetzige Version von 1256 sein. „Man kann es aber nicht endgültig beweisen“, erklärte Widmann. „Wahrscheinlich wurden die Bücher fortlaufend geführt.“ Das heißt, später entstandene Hofstellen wurden erst später eingetragen. „Ich persönlich denke, dass die Urschrift von 1017 stammt.“ In diesem Fall könnte Holzkirchen 2017 sein 1000-Jähriges feiern. 

Kaiserurkunde von 906: Ist Holzkirchen noch älter?

Trotzdem möchte Widmann sich nicht auf diese Jahreszahl versteifen. Denn je mehr er sich vertiefte, stieß er auf die These, dass Holzkirchen noch viel älter ist. Als Indiz dafür wertet er eine Kaiserurkunde vom 906, die der Karolinger Ludwig das Kind in Holzkirchen ausstellte. Doch so einfach ist es auch wieder nicht. Es werde in Fachkreisen darüber gestritten, „ob es wirklich unser Holzkirchen ist.“ Konkurrent sei ein gleichnamiger Ort im Nördlinger Ries, der genau dasselbe von sich behauptet. „Ich halte es für wahrscheinlicher, dass es unser Holzkirchen ist“, meinte Widmann. Sein Argument: „Holzkirchen war damals Königsgut.“ Da könne es gut sein, dass Ludwig das Kind dort übernachtete. 

Widmann glaubt also an das Jahr 906. „Niemand kann uns das Gegenteil beweisen.“ Dann könnte Holzkirchen 2017 sein 1111-Jähriges feiern. „Ich würde den Bürgermeister aus dem anderen Holzkirchen einladen“, meinte er. „Wenn der Humor hat, kommt er.“ 

2017: 1111 Jahre Holzkirchen?

Dann war der Gemeinderat dran: „Trauen wir uns, Widmanns akribischen Argumenten zu folgen und eine 1111-Jahr-Feier zu begehen?“, fragte Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU). „Wir vergeben uns nichts, das wäre eine schöne Zahl.“ Er bat das Gremium um ein Signal. Dann könne man sich mit Vereinen zusammensetzen und planen. „Wenn wir nächstes Jahr feiern wollen, müssen wir in die Gänge kommen.“ Martin Taubenberger (FWG) wusste, dass die Feier in Föching etwas kleiner ausfallen wird. Löwis gefiel die Idee einer gemeinsamen Feier, Abstriche für Föching solle es deswegen nicht geben. Hans Putzer (SPD) sah darin den Vorteil, den Druck von dem kleinen Ortsteil zu nehmen. Robert Wiechmann (Grüne) fand Widmanns Beweisführung „logisch“. Also einigte man sich auf das Geburtsjahr 906. 

Uneinig war man sich beim Feierdatum. Eventuell könne man es mit dem Sommerzauber zusammenlegen. Laut Widmann kommt aber am 8. September der Weihbischof Wolfgang Bischof wegen des Kirchenjubiläums ohnehin nach Föching. Das alles müsse man laut Löwis noch prüfen.

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