+
Eisenschrott: Der Kampfmittelräumdienst suchte die 14 Verdachtspunkte auf der Wiese nördlich des Medizinparks in Oberlaindern ab. Dort soll eine Bombe liegen, die bei einem Luftangriff 1944 nicht detonierte.

Kampfmittelräumdienst in Oberlaindern

Auf der Suche nach der Bombe

Oberlaindern – Es ist ein gefährliches Erbe der Geschichte, das 71 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg noch in der Erde schlummern kann. In Oberlaindern hat sich am Mittwoch ein Kampfmittelräumdienst auf die Suche gemacht. Der Verdacht: In der Wiese, auf der Oped erweitern will, liege eine Bombe.

Josef Holzheu erinnert sich noch gut. Mit ein paar anderen Burschen aus dem Dorf stand der damals 13-Jährige 1944 neugierig am Kleeblatt-Anwesen in Oberlaindern und schaute aus einigem Abstand zu, wie drei oder vier Männer einen vielleicht zweieinhalb Zentner schweren Metallkorpus auf einen Schubkarren luden. Ein Knecht aus Südtirol fuhr diesen 300 Meter weiter zu einer Kiesgrube auf der Wiese – bloß weg mit der Bombe. „Das war damals nicht unüblich, einen gelben Sack dafür gab’s ja nicht“, sagt Martin Tietjen und schmunzelt. Für den Truppführer des Kampfmittelräumdienstes von der Firma HRS sind solche Hinterlassenschaften Alltag, Oberlaindern ist da keine Ausnahme. Graffelgruben mussten früher alles schlucken, von Pflugscharren bis zu Kühlschränken. Und eben auch Überbleibsel aus dem Krieg. Die Munition von einst kann bei Bauarbeiten noch heute zur Gefahr werden. 

Vorbereitung nach Alarmplan 

Lagebesprechung mit Bürgermeister Andreas Hallmannsecker und Martin Tietjen vom Räumtrupp (ab 2.v.r.) sowie Mitarbeitern des Landratsamtes, Gemeinderäten und Vertretern von Oped und Avery-Zweckform.

Deshalb rückten am gestrigen Mittwoch auf der Wiese nördlich des Medizinparks Valley, wo die Firma Oped wie berichtet eine Erweiterung plant, die Spezialisten an. Es war nicht auszuschließen, dass im Untergrund eine Bombe schlummert, die noch zünden kann. „Es sind 14 Metallpunkte drin“, erklärt Bürgermeister Andreas Hallmannsecker. Das hatten Vorsondierungen ergeben. Die Gemeinde hatte nach Hinweisen von Zeitzeugen das Landratsamt eingeschaltet. 

Nach einem „Alarmplan für Kampfmittelbeseitigung“ plante die Abteilung für Öffentliche Sicherheit das weitere Vorgehen, sagt Landratsamtsmitarbeiter Erich Schröck auf Nachfrage. „Zum Glück brauchen wir diesen Alarmplan nicht oft.“ Die Behörde legte einen Umkreis von gut 300 Metern um die fragliche Wiese fest, für den eine Evakuierung vorbereitet wurde. Die angrenzenden Firmen Oped und Zweckform mit ihren rund 500 Beschäftigten hatten sich auf eine Räumung bis 16.45 Uhr eingestellt, eine Viertelstunde vor der angedachten Bombenbergung. Am Marschallfeld und im Dorf hatte die Gemeinde Haushalte und Firmen über Wurfsendungen vorab informiert. Auch die Bahnstrecke und die Staatsstraße hätten im Fall der Fälle gesperrt werden müssen. 

Der Räumtrupp im Einsatz 

Ab Mittwochfrüh überprüfte der Kampfmittelräumdienst die 14 Verdachtspunkte. „Wir buddeln nicht blind“, erklärt Tietjen. Verdächtigem rücke man vorsichtig und Stück für Stück mit der Baggerschaufel näher, die letzten Zentimeter dann per Hand. Meist handle es sich gar nicht um Fliegerbomben, sagt Tietjen, sondern etwa um Handgranaten oder Panzerfaustmunition – abgesehen von Kühlschränken und Pflugscharren. 

Ob und in welchem Umkreis evakuiert wird, entscheide der Sprengmeister je nach Situation. Von seiner Einschätzung hängt auch ab, ob ein gefährlicher Fund abtransportiert und in einem speziellen Bunker vernichtet wird – oder ob eine kontrollierte Sprengung vor Ort nötig ist. In Oberlaindern gab es immerhin die Möglichkeit, sich gezielt vorzubereiten – dank Zeitzeugen. Als vor einigen Monaten bekannt wurde, dass auf der Wiese nördlich des Medizinparks eine Firmenerweiterung geplant ist, meldeten sich Holzheu, Georg Kleeblatt sen. und Kaspar Lindmair im Rathaus und wiesen darauf hin, dass dort wohl eine alte Bombe liege. 

Zeitzeugen erinnern sich 

Lindmair und Kleeblatt waren 1944, im späten Sommer oder Herbst, gerade mal kleine Schulbuben. Doch die Erinnerung an die Alliierten-Luftangriffe ist bis heute frisch. Wie die Bomber über die Bäume kamen und die kleinen dunklen Flecken unten herausfielen. Lindmair stand damals gerade mitten auf dem Hof. „Da hatte mich mein Großvater am Arm gepackt, und schon waren wir im Keller.“ 

Der Ort für die Angriffe der Alliierten war freilich nicht zufällig gewählt: Dort, wo heute der Golfplatz liegt, waren damals deutsche Militärflugzeuge stationiert, von Fieseler Storch und Tante Ju bis hin zu Stukas und Heinkel 111-Bombern. Vom Flugfeld bei Marschall aus startete die deutsche Luftwaffe zu Einsätzen in Weißrussland und Südeuropa. Die Amerikaner hätten Splitterbomben auf den Militärflugplatz abgeworfen, um an den deutschen Flugzeugen möglichst viel zu zerfetzen, meint Holzheu. 

Eine Bombe landete aber im Dach des Anwesens der Familie Kleeblatt. Sie durchschlug einen massiven Balken, detonierte aber nicht. Kleeblatt zufolge kamen ein paar fremde Herren und besahen sich die Bombe. Doch ob sie sie entschärften, das kann heute niemand mit Sicherheit sagen. Auch wenn Holzheu fest davon ausgeht: Denn wer sollte so leichtsinnig sein, für ein bisschen Tabak eine scharfe Bombe mit dem Schubkarren in die Kiesgrube zu fahren, wie es der Südtiroler Knecht damals tat, fragt sich der Oberlainderner. 

Entwarnung – vorerst 

Am Nachmittag kann Tietjen Entwarnung geben: „Wir haben alle 14 Verdachtspunkte aufgemacht, dabei ist nichts Gefährliches rausgekommen.“ Nur alter Schrott. Das Sprengkommando musste gar nicht erst anrücken. Ausschließen will der Truppführer Tietjen aber nichts: Bei Erdarbeiten könne durchaus trotzdem noch eine Bombe auftauchen. 

Zwei Jagdbomber in der Kirche

 

Festgehalten für die Ewigkeit: Das Deckengemälde in der Kirche St. Korbinian zeigt den fraglichen Bombenangriff.

Die Luftangriffe haben so oder so ihre Spuren in der Dorfgeschichte hinterlassen. Nicht nur an Gebäuden, wo bis heute die damals geflickten Löcher zu erkennen sind, sondern sogar in der Kirche: 1947, als St. Korbinian nach dem Krieg restauriert wurde, hielt ein Münchner Kirchenmaler die Szene in einem Deckengemälde fest. Zwei Jagdbomber sind dort im weiß-blauen Himmel zu sehen – und ein schwarzes Loch im Dach des Kleeblatt-Hauses.

Von Katrin Hager

Auch interessant

Mehr zum Thema

Heimatshop Winter Aktion, jetzt Rabatte von bis zu 30% sichern!

<center>Baby-Rassel aus Holz</center>

Baby-Rassel aus Holz

Baby-Rassel aus Holz
<center>HEILAND Doppelbockliqueur</center>

HEILAND Doppelbockliqueur

HEILAND Doppelbockliqueur
<center>Fackeln aus Recyclingwachs (3 Stück)</center>

Fackeln aus Recyclingwachs (3 Stück)

Fackeln aus Recyclingwachs (3 Stück)
<center>Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Meistgelesene Artikel

Hier braucht man einen dicken Geldbeutel
Holzkirchen – Die Lage ist gut, die Ausstattung gehoben: In Holzkirchen auf dem Gelände der ehemaligen Schreinerei Vogl, entstehen derzeit drei große Häuser mit …
Hier braucht man einen dicken Geldbeutel
Bahn frei für zweite Brücke
Warngau – Der Bau der Hauserbauernbrücke an der B318 hat freie Bahn: Der Warngauer Gemeinderat hat jetzt das erforderliche Baurecht geschaffen – und damit den Weg …
Bahn frei für zweite Brücke
Drogen trotz Bewährung: Otterfinger (26) muss in den Knast
Otterfing – Der Tagesablauf eines Drogensüchtigen aus Otterfing hat kürzlich das Miesbacher Amtsgericht beschäftigt. Weil er trotz Bewährungsauflage Drogen konsumierte, …
Drogen trotz Bewährung: Otterfinger (26) muss in den Knast
Der letzte Chefarzt des Holzkirchner Krankenhauses
Er war der letzte Chefarzt des Holzkirchner Krankenhauses. Im Alter von 82 Jahren ist Dr. Franz-Josef Leibig nun in seinem Haus in Gmund gestorben.
Der letzte Chefarzt des Holzkirchner Krankenhauses

Kommentare