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Heuer im Sommer zog Agnes Kraus (l.), alias Kathl, mit ihrem Leiterwagen durch Holzkirchen.

Kathl ratscht jetzt in der BOB 

„Jetzt hat sie ihren Radius erweitert“

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Holzkirchen - Die Schauspielerin Agnes Kraus unterhält mit ihrer Kultfigur „Kathl“ am Samstag und Sonntag, 22. und 23. Oktober, die Zugfahrgäste in der BOB. Wir haben mit ihr darüber gesprochen. 

Seit diesem Sommer zieht die Schauspielerin Agnes Kraus als Ratschkathl mit einem Leiterwagen voller Kuriositäten durch Holzkirchen. Sie erzählt dabei Wahres und Halbwahres über Persönlichkeiten wie den Friedhofs-Paganini oder Institutionen wie den Zaubererkeller. Die Leute lieben ihre „Holzkirchner Gschichtn“. Jetzt steigt die Kathl auf den Zug um, fährt am Samstag und Sonntag, 22. und 23. Oktober, in der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) mit. Ein Gespräch über ein 00-Gedicht, unbeliebte Bahnarbeiter und die Kunst der kleinen Geschichten.

Liebe Kathl, waren Züge zu Lebzeiten der Kathl überhaupt schon erfunden?

Kathl: Das weiß ich gar nicht. Aber eigentlich ist die Kathl auch keine historische Figur. Sicher ist nur: Seit 40 Jahren ist sie in Holzkirchen unterwegs. Sie schlendert herum und ratscht. Jetzt hat sie ihren Radius erweitert.

Stimmt, jetzt gibt es „Geschichte und Gschichtln aus dem Oberland“. Warum erzählt die Kathl jetzt auch in der BOB?

Kathl:  Die Marketingabteilung der BOB hat die Kathl auf der Straße in Holzkirchen entdeckt. Allerdings haben die erst keine Karten bekommen. Schließlich durften sie bei einer der Führungen mitgehen. Dann haben sie mich gefragt, ob ich das in BOB machen würde.

Rücken dabei Geschichten rund um die Eisenbahn in den Fokus?

Kathl:  Auch. Ich erzähle ein paar Geschichten über Fahrgäste und freche Fahrschüler. Und es geht zum Beispiel um die Bahnhofs-WCs. Früher gab es in den Zügen keine Toiletten. Als diese eingeführt wurden, schaffte man die Aborte an den Bahnhöfen um 1950 vielerorts ab. Darüber empörte sich ein Fahrgast aus Sauerlach, er schrieb ein 00-Gedicht und schickte es an die Bahn.

Klingt witzig. Was bekommen die Fahrgäste noch zu hören?

Kathl:  Ich erzähle auch von den Bahnarbeitern, die früher überall schlecht behandelt wurden. Niemand wollte die Fremden bei sich haben, man nannte sie „Gschwerl“, sie durften nichtmal in ein Krankenhaus. Erst als sie Uniformen trugen, stieg ihr Ansehen.

Gibt’s über die Haltestellen auch was zu berichten?

Kathl:  Ich gehe auf die Orte ein, die wir passieren. Hier gibt es viele Geschichten und Sagen. Von den Bergmanndal im Wendelstein, die auf Schätze im Berg aufpassen. Von dem Italiener, der zum Wendelstein fuhr, dort aber gar nicht landen wollte. Vom Waizenhund aus Tegernsee, einem ruhelosen Toten, der endlich erlöst werden will.

Fährt die Ratschkathl erste oder zweite Klasse?

Kathl:  Gar nichts von beiden. Ich befinde mich mit meinem Leiterwagen nur im Fahrradabteil in der Mitte der BOB, ratsche und biete Sachen wie Kartoffelschalen an. Und erkläre zum Beispiel, dass die Radler-Mass 1922 in der Kugler Alm bei Deisenhofen erfunden wurde. Ich laufe auch nicht umher und belästige niemanden mit Durchsagen am Mikro. Die Leute, die mich hören wollen, dürfen zu mir kommen.

Darf jeder zuhören?

Kathl:  Jeder, der ein gültiges BOB-Ticket hat, kann ohne Anmeldung vorbeikommen. Ich kontrolliere aber nicht, ob jemand eine Fahrkarte hat (lacht).

Den Stoff für die „Holzkirchner Geschichten“ bezieht die Kathl unter anderem vom Stammtisch in der Alten Post. Woher kommen die Oberland-, und Bahnstorys?

Kathl:  Ich hab mich eben umgehört. Seitdem ich die Touren in Holzkirchen mache, kommen viele auf mich zu mit neuen Geschichten. Meine Erzählungen sind nichts für Geschichtsdozenten oder Geschichtsfiesler, sie werden mit einem Augenzwinkern erzählt. Es ist meist nichts Weltbewegendes, aber es sind Sachen, die die Leute noch nie gehört haben.

Die Ratschkathl ist offenbar der Renner. Ihre Touren in Holzkirchen sind stets ausgebucht, es gab Zusatztermine, und die Wartelisten für die Veranstaltungen im nächsten Jahr sind schon voll. Warum lieben die Leute die Frau mit dem Kopftuch in dem frechen Mundwerk so sehr?

Kathl:  Weil sie echt, ehrlich, charmant, liebevoll und bodenständig ist. Sie hat Herz, stellt niemanden bloß. Ihre Auftritte sind bairisch, humorig, aber kein Klamauk. Und wenn es einer besser weiß, sag ich: „Ich bin Zuagroaste, das hat man mir falsch erzählt.“

Erst die Straße, jetzt der Zug und dann? An welchen anderen Orten könnte das Programm noch gut laufen? Vielleicht auf einem Schiff am Tegernsee?

Kathl:  Das habe ich mir noch nicht überlegt. Aber prinzipiell kann ich mir andere Orte auch vorstellen.

Das Gespräch führte

Marlene Kadach

Der Fahrplan

Die Ratschkathl fährt am Samstag und Sonntag, 22. und 23. Oktober, in der BOB mit. Am Samstag sitzt sie in folgenden Zügen: Holzkirchen Abfahrt 9.32 Uhr, Ankunft Bayrischzell 10.24 Uhr; Bayrischzell Abfahrt 10.32 Uhr, München Ankunft 11.53 Uhr; München Abfahrt 12.05 Uhr, Tegernsee Ankunft 13.09 Uhr; Tegernsee Abfahrt 13.52 Uhr, Holzkirchen Ankunft 14.26 Uhr; Holzkirchen Abfahrt 14.35 Uhr, Lenggries Ankunft 15.11 Uhr; Lenggries Abfahrt 15.47 Uhr, Holzkirchen Ankunft 16.26 Uhr. Am Sonntag sind es folgende Verbindungen: Holzkirchen Abfahrt 10.32 Uhr, Bayrischzell Ankunft 11.24 Uhr; Bayrischzell Abfahrt 11.32 Uhr, München Ankunft 12.53 Uhr; München Abfahrt 13.05 Uhr, Lenggries Ankunft 14.11 Uhr; Lenggries Abfahrt 14.47 Uhr, Holzkirchen Ankunft 15.26 Uhr. Der Auftritt der Ratschkathl ist mit jedem gültigen BOB-Ticket zu erleben. Mehr Infos gibt es auf: www.bayerische oberlandbahn.de.

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