+
Das ist noch übrig: Nahezu der gesamte Landkreis Miesbach ist im aktuellen Regionalplanentwurf als Ausschlussgebiet deklariert. Lediglich die roten X markieren Vorranggebiete (VRG 22 bei Otterfing und 23 bei Valley). Bei Sonderdilching (r., Gemeinde Weyarn) findet sich noch eine so genannte weiße Fläche, auf der Windkraft nicht explizit ausgeschlossen ist.

Regionalplan im Oberland

Kaum Platz für die Windkraft

Holzkirchen - Die Chancen auf Windkraftnutzung im Nord-Landkreis stehen nicht gut. Denn die potenziellen Standorte sind einem Kahlschlag zum Opfer gefallen.

Der letzte Stoß an Gegenwind kam von ganz oben, von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Die sogenannte H 10-Regelung, wonach Windkraftanlagen das Zehnfache ihrer Höhe an Abstand zu Wohnbebauung einhalten müssen, ist in der Region aber eigentlich nur das i-Tüpfelchen. Der Planungsverband der Region Oberland mit Vertretern aus den Landkreisen Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach hat in der Teilfortschreibung des Regionalplans kräftig mitgestutzt.

Die Debatte läuft seit fast vier Jahren. Da der Bau von Windkraftanlagen eigentlich Privilegierung genießt, suchten die Kommunen in der Region einen Weg mitzusteuern, um die befürchtete „Verspargelung der Landschaft“ zu verhindern. Die Taktik: Windkraftanlagen sollten über eine Fortschreibung des Regionalplans auf Vorranggebieten konzentriert werden, um mögliche Investoren darauf zu verweisen. Wo diese Areale sein sollten, darum entwickelte sich ein reges Ringen. Der Süden des Landkreises etwa verschob die Problematik mit Verweis auf das Landschaftsschutzgebiet und den Tourismus gen Norden. Doch auch hier dürfte nicht viel kommen – ganz abgesehen von der Frage, ob Anlagen angesichts der Windhöffigkeit in der Region überhaupt rentabel betrieben werden können.

Denn am Ende steht viel Wind um wenig Ergebnis. Im nördlichen Landkreis Miesbach blieben nach dem ersten Anhörungsverfahren und der H 10-Regelung von den fünf Flächen, auf denen Windkraftanlagen zulässig sein sollten, gerade mal zwei übrig. Und die schrumpften wegen der H 10-Regelung auch noch. Diese Vorranggebiete (VRG 22 und 23) liegen auf Otterfinger und Valleyer Flur. Einst eingezeichnete weiße Flächen bei Warngau, wo die Nutzung nicht explizit ausgeschlossen sein sollte, wurden ebenfalls gestrichen, eine davon wegen der Einflugschneise des Flugplatzes. Nur eine kleine weiße Fläche am Ostrand von Weyarn schaffte es in den aktuellen Entwurf. Die einzige Fläche, die in Teilen auch Holzkirchner Gemeindegebiet betraf – im Zeller Wald – flog ganz heraus.

Seit Dezember liegt der neue Entwurf des Regionalplans vor, nun folgt eine weitere Anhörung dazu. Im Holzkirchner Bauausschuss wurde durchaus Enttäuschung laut. „Das, was da herausgekommen ist, das hätte man auch einfacher haben können, indem man einfach sagt, man will keine Windkraft im Oberland“, polterte Robert Wiechmann (Grüne). Nahezu der gesamte Kreis Miesbach ist als Ausschlussgebiet deklariert, auf dem Windkraftanlagen nicht zulässig sind. „Wir lösen hier Probleme, die wir überhaupt nicht haben“, glaubt Wiechmann: „Die ,Verspargelung‘ schaut so aus, dass im ganzen Oberland ein Windrad steht.“ Auch Hans Putzer (SPD) war enttäuscht. „Es ist schon kümmerlich, was da übrig geblieben ist“, meinte er. „Wie es ausschaut, können wir die ganze Geschichte beerdigen.“ Den aufwändigen Planungsprozess, meinte Christoph Schmid (CSU), „hätte man sich sparen können“.

Der Beschlussvorschlag von Bauamtsleiter Karl Herbst, den Entwurf weitestgehend zu billigen, fiel im Bauausschuss mit einem Stimmenpatt (5:5) durch. Der Gemeinderat wird sich mit dem Thema demnächst beschäftigen.

Von Katrin Hager

Auch interessant

Kommentare