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Erweiterung: Die Firma Rohrdorfer wird ihre Otterfinger Kiesgrube heuer nach Südosten ausdehnen. Das Unternehmen hat sich dafür sechs Hektar gesichert.

Gemeinderat will Unternehmen zügeln

Kiesabbau nur noch auf einer Fläche

Otterfing - Den Kiesabbau im Norden Otterfings bekommt die Gemeinde bisher nicht zu fassen. Aktuelles Beispiel: Die Firmen Rohrdorfer und Fasching wollen ihre Gruben um insgesamt zehn Hektar erweitern – und die Gemeinde muss tatenlos zusehen. Damit soll jetzt Schluss sein. Der Gemeinderat hat beschlossen, eine Konzentrationsfläche Kiesabbau auszuweisen.

Der Ärger sitzt tief. Beim Versuch, durch gezielten Grundstückskauf den weiteren Kiesabbau im Bereich der Rohrdorfer Grube zu steuern, wurde das Rathaus ausgebremst. „100 000 Quadratmeter hat man uns unterm Hintern weggekauft“, grollte Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU) am Dienstag im Gemeinderat. Rohrdorfer allein hat sechs Hektar Wiesen und Äcker erworben, der Bauantrag ist bereits eingereicht. Da Kiesabbau für den regionalen Bedarf privilegiert ist, wird das Landratsamt das Vorhaben durchwinken. 

Diese Ohnmacht will die Gemeinde nicht länger akzeptieren. Man verpflichtete eine Fachjuristin sowie den Fachplaner und „Kiesexperten“ Bernd Munz. Ihre Empfehlung: Eine im Flächennutzungsplan verankerte „Konzentrationsfläche Kiesabbau“, aus der sich sogar ein Bebauungsplan entwickeln lässt. „Damit wird verhindert, dass über die Privilegierung an beliebiger Stelle Gruben eröffnet werden“, erklärte Munz dem Gemeinderat. Die Kiesunternehmer sind gebunden, nur dort zu schürfen. 

Damit das neue Planwerk vor Gericht standhält, sollte die Konzentrationsfläche zehn Prozent der theoretisch möglichen Kiesabbaufläche einer Gemeinde umfassen. In Otterfing sind demnach 30 Hektar auszuweisen. Leider bedeute das nicht, so betonte Munz, dass die Gemeinde nach Ausbeutung einer ersten Konzentrationsfläche endgültig von Kiesabbau befreit sei: „Sind die Gruben leer, muss die Gemeinde neue Flächen freigeben.“ Zeitlich befristen lasse sich der Betrieb der Gruben auch nicht. Der Vorteil liege aber darin, die Verfüllung und Rekultivierung steuern zu können. „Das Landratsamt kann uns nicht mehr übergehen“, betonte Bauamtsleiter Heinz Hirz. 

Die grundsätzlich in Frage kommenden Gebiete reihen sich halbkreisförmig im Nordosten der Gemeinde aneinander. Der Experte empfahl als Konzentrationsfläche ein 30 Hektar großes Areal zwischen den Gruben Rohrdorfer und Fasching. Das Gelände sei ohnehin „vorbelastet“ und die Erschließung gesichert, ohne Wohngebiete queren zu müssen. Ein Gebiet zwischen Wettlkam und Bergham (45 Hektar) scheide aus, weil die Fläche ungünstig geschnitten sei; weitere Flächen zwischen Markfeldweg und Kreuzstraße sowie entlang des Teufelsgrabens bieten aus Sicht der Geologen zu schlechte Kiesqualität. 

„Wo schlechter Kies ist, wird sowieso niemand graben“, sagte Georg Schlickenrieder (CSU), der mit Fraktionskollegin Susanne Weitl gegen die Konzentrationsfläche stimmte. Er sieht darin einen Papiertiger: „Diese Ausweisung kostet uns nur Geld, bringt aber null.“ Das sieht Hirz anders. „Irgendwann ist selbst schlechter Kies interessant, siehe Fracking beim Öl.“ Mit der Konzentrationsfläche bekomme die Gemeinde mehr Einfluss. „Für die nächsten zehn Jahre können wir endlich Nägel einschlagen.“ Ob es Kiesabbau gibt oder nicht, liegt laut Bürgermeister entscheidend bei den Landwirten. „Ich kann nur an sie appellieren, nicht auf das schnelle Geld hereinzufallen, das sie vielleicht für Kiesabbau bekommen.“ Die Wiesen und Äcker, die sie nach dem Abbau zurückbekommen, seien qualitativ sicher schlechter als davor. Die jetzt geplante Konzentrationsfläche würde etwa 18 Grundbesitzer betreffen. 

In der Diskussion wurde deutlich, dass die Gemeinde weniger mit den örtlichen Kiesbetrieben als mit dem Großunternehmen Rohrdorfer hadert. „Wir wurden nicht immer fair behandelt“, klagt Eglseder. Den Vorwurf weist Geschäftsführer Dirk Lüngen zurück. „Wir haben immer wieder Angebote gemacht.“ Die Gemeinde habe sich stattdessen in einem bereits genehmigten Abbaugebiet westlich der Grube ein „Sperrgrundstück“ gesichert. Es sei nicht gelungen, dieses von der Gemeinde zu erwerben, bedauert Lüngen. Er habe außerdem vergeblich versucht, Grund für eine direkte Straßenanbindung an die alte B 13 zu bekommen. 

So orientierte sich die Firma in eine andere Richtung und sicherte sich sechs Hektar im Südosten. „Wenn die Firma Fasching erweitern darf, warum wir nicht?“, fragt Lüngen. Auch Rohrdorfer zahle Gewerbesteuer und biete zehn Arbeitsplätze. Laut Landratsamt können die Abräumarbeiten bereits am 15. Februar beginnen. Rohrdorfer fördert in Otterfing jährlich rund 100 000 Tonnen Kies. Über 90 Prozent davon werden im Weyarner Betonwerk Stieb weiterverarbeitet, das ebenfalls zur Rohrdorfer Gruppe zählt. Die neue Abbaufläche sichere den Betrieb etwa zehn Jahre, schätzt der Geschäftsführer.

Von Andreas Höger

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