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Finanzielle Spritze: Max von Bredow (l.), Vorstandsvorsitzender der Quest AG, spendete an die Stiftung Liebenau 20 000 Euro für die Gemeinwesenarbeit in Weyarn. Geschäftsführer Alexander Lahl (r.) nahm das Geld dankend entgegen. Auch Bürgermeister Leonhard Wöhr und Gemeinwesenarbeiterin Ute Haury freuten sich.

Jenseits der Einsamkeit

Klosteranger: Beim Mehrgenerationenprojekt geht's voran

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Weyarn - Einst waren sie höchst umstritten, jetzt sind sie offenbar höchst beliebt: Die Mehrgenerationenhäuser auf dem Klosteranger in Weyarn nehmen zunehmend Gestalt an. Ein Besuch auf der Baustelle.

Sagenumwobener Fletz: Hier sollen sich junge und ältere Bewohner treffen.

Max von Bredow, beiges Sakko, Dreitagebart, macht ein stolzes Gesicht. „Das ist einer der sagenumwobenen Fletze“, sagt er. Er steht im Hausflur im bäuerlichen Stil, das große Panoramafenster gewährt einen Blick auf den Kirchturm von St. Peter und Paul. Draußen drehen sich Kräne, Bagger rattern. Auch Bürgermeister Leonhard Wöhr gefällt das Ergebnis. „Die Fletze sind von außen unauffälliger geworden als befürchtet“, meint er. Später sollen im Fletz ein paar Sessel stehen, wo sich ältere und jüngere Bewohner treffen, erklärt Bredow. Ganz im Sinne des Mehrgenerationenwohnens. 

Um diese Wohnform am Weyarner Klosteranger finanziell zu unterstützen, hat Bredow, der Vorstandsvorsitzende der Quest AG, die den Klosteranger bebaut, jetzt 20 000 Euro an die Stiftung Liebenau überreicht. Mit dem Geld möchte die Firma die Gemeinwesenarbeit in Weyarn fördern, die wiederum für das Mehrgenerationenprojekt grundlegend ist. Dieses realisiert die Kommune mit der Stiftung und Quest. 

Seit gut einem Jahr gibt es in Weyarn dafür die Gemeinwesenarbeiterin Ute Haury. Zwar ist sie bei der Stiftung angestellt, kostet die Gemeinde jedoch jährlich rund 20 000 Euro, erklärt Wöhr. 

Hinter dem Projekt schwebt der demografische Wandel. Laut Gerhard Schiele von Liebenau soll ein Netzwerk Pflegebedürftigkeit vermeiden. Denn diese entstehe häufig durch Einsamkeit. Soziale Kontakte führten zu mehr Lebensqualität. „Wir wollen das Prinzip Großfamilie aufleben lassen“, erklärt Bredow. Hierbei wohnen zwar keine Blutsverwandte unter einem Dach, aber Ältere und Jüngere. Diese helfen sich gegenseitig. Will heißen: Die ältere Nachbarin passt auf das Kind der alleinerziehenden Mutter auf. Und diese geht für die Seniorin einkaufen. Gefälligkeiten, die in einem normalen Haus die Grenzen der Privatsphäre überschreiten, findet Bredow. Haury tritt hier als Vermittlerin zwischen Nachbarn auf. 

Allerdings soll Haury alle Bürger vernetzen, nicht nur die des Klosterangers, betont Wöhr. „Damit kein Dorf im Dorf entsteht.“ Laut Alexander Lahl, Geschäftsführer der Stiftung, bestehen die Bewohner bei solchen Projekten zu zwei Dritteln aus über 60-Jährigen und einem Drittel jüngeren Familien. Dieser Schlüssel sei in Weyarn erfüllt, ergänzt Bredow. Viele Junge waren interessiert. Mehrgeneration sei „sexy“. 

Die 50 Wohnungen, der fünf bereits im Bau befindlichen Mehrgenerationenhäuser seien alle schnell verkauft worden. „Obwohl es am Anfang viele Skeptiker gab“, meint Bredow. Wöhr zufolge hatten Gemeindebürger ein Vorkaufsrecht. „Viele sind Weyarner Rückkehrer“, sagt Bredow. Also Menschen, die hier geboren sind, dann in München studiert und zu arbeiten begonnen haben – und nun ein Zuhause auf dem Land suchen. Rücksicht nahm man zudem auf Mitarbeiter von Firmen, die zum Unternehmerverband Miesbach gehören, so Wöhr. 20 Wohnungen sind noch zu haben, allerdings entstehen die beiden Gebäude erst etwas später. 

Die ersten beiden Häuser sind Bredow zufolge im Sommer 2017 bezugsfertig, weitere drei dann im Herbst. 2018 soll der erste Bauabschnitt des Familienwohnens im Westen mit 23 Reihen- und Doppelhäusern fertig sein, die Bauarbeiten haben begonnen; 13 sind verkauft. Insgesamt erwachsen hier 45 Wohneinheiten. Man biete extra kleinere Grundstücke an, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sagt Bredow. Trotzdem: Ein günstiges Reihenhaus kostet immer noch um die 560 000 Euro. 

Der Innenausbau in den ersten beiden Mehrgenerationenhäusern schreitet derweil voran. Handwerker spachteln, und Bredow zeigt eine der großen Wohnungen im Dach, plus Dachterrasse. Die Räume sind großzügig geschnitten, durch die großen Fenster fällt viel Licht ein. Die Wohnungen, die alle offene Küchen und einen barrierefreien Zuschnitt bekommen und behindertengerecht nachrüstbar sind, ordnet Quest nach Kleidergrößen. S, M und L – 50, 75 und 110 Quadratmeter. Gerade letztere sind nicht gerade günstig, gibt Bredow zu. „Aber wir müssen uns auch um die Älteren kümmern, die wohlhabend sind.“

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