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Gnadenlos witzig: Die Gruppe Kraut und Ruam nimmt die lokale Prominenz im Pfarrheim aufs Korn.

Kabarett im Pfarrheim

Kraut und Ruam: Sticheleien gegen den Rat der Weisen

Otterfing - Witzig, bissig, gut: Den Gemeinderat aufs Korn genommen hat die Oterfinger Theatergruppe Kraut und Ruam jetzt bei ihrem Kabarett im Pfarrheim.  

Ein Pinguin, der durch das Programm führt, dabei den Finger in so manche Wunde legt und sich alles anders vorgestellt hat: „Da bin ich nach Otterfing gekommen, weil man mir sagte, da ist es so frostig und jetzt ist es ein so heißes Pflaster“, stöhnt er und tritt von einem Fuß auf den anderen. 

Auf der Bühne im Otterfinger Pfarrheim ist wieder „Kraut und Ruam“-Zeit. Mit ihrem neuen Programm feierte die gleichnamige Theaterlaienspielgruppe aus Otterfing – die bekannt ist für witziges und bissiges Kabarett – jetzt Premiere. 

Unglücklich ist Mitwirkende Vroni Mang. Auch wegen des Pinguin-Kostüms, in dem sie steckt. „Wer hat sich das nur ausgedacht?“ sinniert sie. „Die Mehrheit“, bekommt sie als Antwort. „Immer diese saublöden Mehrheitsentscheidungen, aber davon können Sie ja ein Lied singen, da kennen Sie sich ja bestens aus“, meint sie in Richtung von Vize-Bürgermeisterin Ulrike Stockmeier. Damit ist gleich zum Auftakt die Richtung klar: Genau hinschauen, mit Humor alte und neue Probleme aufs Korn nehmen, vor allem das Örtliche, und dabei die lokale Prominenz und „den Rat der Weisen“ – also Bürgermeister und Gemeinderäte – nicht verschonen. Ausgeschlossen sind Schadensersatzansprüche bei entstehenden Lachfalten. Die gibt es reichlich nach über zwei Stunden mit zehn Sketchen. 

Los geht es im Fitnessstudio beim Training der inneren Muskeln. Das gibt Power für die Bikinifigur und die Fitnessgeräte schütteln das Fett heraus. Dagegen helfen nur Kartoffelchips zum Muskelaufbau. Schwierig wird es beim Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. „Das Pubertier“ Theresia kommt mit einem schlechten Zeugnis heim. Nur Vierer. Macht nichts. „Ich lern ja Hartz IV“, stellt sie fest. Und überhaupt: Im letzten Jahr war es eine Fünf. „Da ist es heuer besser, das Zeugnis, und ich habe bestanden und das ist gut. Und gut ist eine Zwei“, lautet ihre entwaffnende Logik. 

Entlarvend ist der Sketch „Amen“. Ein Duo in der Kirchenbank, die Hände zum Gebet gefaltet und wie aus der Ferne die Worte des Pfarrers erklingen. Die interessieren nur am Rande. Da wird gelästert über Max, der total versoffen ausschaut, über körperliche Auffälligkeiten einer Nachbarin oder darüber, wie viel die Brauteltern gezahlt haben, damit die mit 29 Jahren überständige Tochter unter die Haube kommt. Das Lachen vergehen kann beim Sketch „Ein heißer Schlitten“, der im Jahr 2040 spielt. Das Land ist überaltert, die Alterskriminalität nimmt rapide zu, auf dem Friedhof kein Platz mehr. Wer es sich leisten kann, wird für vier Stunden beerdigt, die anderen für zwei. 

Und in Otterfing? Da gibt’s „As kloane Strassl“ nach Wettlkam, voller Risse und Schlaglöcher, so manchen hat’s mit dem Radl geschmissen, aber es war Ruhe, weil kein Auto fuhr. Aber jetzt ist die Straße geflickt mit neuem Asphalt. 

Es gibt weitere Baustellen. Alles ist beschlossen. „Das wäre das erste Mal, das etwas hinhaut“, so die Erkenntnis. Das Sportzentrum, ein Bürgersaal, ein Begegnungsraum für Senioren – alles auf dem Abstellgleis. „Da reicht nicht eins, da brauchen wir viele davon. Der Rat der Weisen tagt Stund um Stund und redet sich die Lippen wund, lasst es sein“, heißt es.  Wer soll und kann es richten? „Kraut und Ruam, fragt uns. Bei uns geht es mit Struktur weiter.“ Doch da schließt sich der Vorhang schon.

Von Siegfried Niedergesäss

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