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Kritischer Blick: Josef Hatzl mit einem der sanierungsbedürftigen Werke (Station drei des Kreuzwegs) im Brucker Ruperti-Kircherl. Die Pfarrgemeinde sammelt Spenden für die Restaurierung der Lithografien.

Kreuzweg-Lithografien in Brucker Kirche

Restaurierung herrenloser Werke

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Bruck - Die 14 Bilder der Kreuzwegstationen in der Kirche St. Rupertus in Bruck müssen dringend saniert werden. Das Skurrile daran: Sie haben keinen Besitzer, der das zahlen will. Jetzt hat sich der Förderverein Kultur und Geschichte ihrer erbarmt.

An Station drei ist das Problem ganz deutlich zu erkennen. Das Bild zeigt die Szene, in der Jesus das erste Mal unter dem schweren Kreuz fällt. Über die rechte Seite der Lithographie zieht sich ein schwarzer Schleier, links wuchert Schimmel am Passepartout. „Die Kreuzwegstationen müssen dringend restauriert werden“, sagt Josef Hatzl, Vorsitzender des Fördervereins Kultur und Geschichte Weyarn. Zwar könne man die dunklen Verfärbungen nicht komplett entfernen. „Aber man kann ein Fortschreiten dieses Prozesses aufhalten.“ 

Und genau das will der Förderverein rund um den Brucker Hatzl nun vorantreiben. Die Kreuzwegstationen der St. Rupertus-Kirche in Bruck – es handelt sich dabei um 14 Chromolithografien aus der Kunstanstalt Thomas Driendl in München – sollen restauriert werden. Das Skurrile: Einen offiziellen Besitzer haben die Bildchen nicht. Und der Freistaat, dem die Kirche gehört, weigert sich, die Kosten zu übernehmen. 

Das kleine Kirchlein wurde vor sechs Jahren saniert. „Aber nur die Bausubstanz“, erklärt Hatzl. Laut dem Heimatkundler gab der Freistaat damals rund 85 000 Euro aus. Circa 10 000 Euro steuerte die Dorfgemeinschaft bei – in Form von Spenden sowie Hand- und Spanndiensten. Das Inventar hingegen wurde das letzte Mal Anfang der 1960er Jahre auf Vordermann gebracht, sagt Hatzl. Trotzdem befänden sich die meisten beweglichen Gegenstände in einem recht guten Zustand. 

Nur die Kreuzwegstationen, die aus dem Jahr 1852 stammen, schwächeln. Sie wurden im Steindruckverfahren hergestellt, bei dem über 25 Farben übereinander gelegt werden können. Und sie seien mit besonders feinen Messing- und Kupferverfahren veredelt, meint Hatzl. Über die Jahre hinweg kroch Feuchtigkeit hinein, und das Messing und Kupfer oxidierten – was die schwarzen Verfärbungen verursachte. 

Bei einem Ortstermin empfahl das Landesamt für Denkmalpflege eine Renovierung der Kunstwerke. Eine Anfrage beim Staatlichen Bauamt Rosenheim blieb allerdings fruchtlos, erzählt Hatzl. Die Antwort: „Der Freistaat Bayern ist Eigentümer der St. Rupertus-Kirche. Die Kirche ist laut unseren Unterlagen im Jahre 1803 bei der Säkularisation des Klosters Weyarn als Nebenkirche mit an die Krone Bayerns übergangen und sicherlich auch die zu dem Zeitpunkt gegebenenfalls erhaltene innere Einrichtung der kleinen Kirche“, hieß es in einem Schreiben. Der springende Punkt: „Die betreffenden Chromolithografien sind jedoch auf das Jahr 1852 datiert und somit auf einen Zeitpunkt weit nach der Säkularisation.“ 

Will heißen: Der Freistaat bezahlt die Renovierung nicht, weil ihm die Bildchen nicht gehören. Diesem Problem liegt ein eher ungewöhnliches Konstrukt zugrunde. Denn dass der Freistaat – und nicht die Kirche – Eigentümer eines Gotteshauses ist, kommt nicht allzu oft vor. Hier hat das Brucker Kirchlein prominente Schicksalsgenossen: St. Bartholomä am Köngissee und die Theatinerkirche in München zum Beispiel gehören ihm auch. 

Doch der Förderverein hat ein Herz für die verwaisten Schmuckstücke, er will die Restaurierung in die Hand nehmen, wenn möglich schon im Frühjahr 2016. Freistaat und Denkmalschutzbehörden gaben Grünes Licht. Experten haben dem Verein geraten, was gemacht werden muss. Durch eine dampfdichte Rahmung könne man den Verfärbungsprozess aufhalten. Der Schimmel müsse entfernt, einige Scheiben sollen durch UV-Licht reduzierendes Glas ersetzt werden. Zwischen 5000 und 10 000 Euro kostet das. 

In Hatzls Augen lohnt sich Investition allemal. „Der materielle Wert der Lithografien ist vielleicht nicht so hoch“, meint er. „Dafür aber der ideelle.“ Immerhin sind sie ja ein Stück Heimatgeschichte. Diese kann der relativ junge Förderverein jedoch nicht alleine aufleben lassen. Deshalb hoffen die Mitglieder jetzt auf viele Spenden.

Von Marlene Kadach

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