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Künstlerin aus Leidenschaft: Christl Fitz (r.), hier mit Tochter Katharina, leitete jahrelang ihre eigene Kunstblumenwerkstatt und hat jetzt ihren ersten Roman „Sternenband“ veröffentlicht.

Künstlerin Christl Fitz

Offen für die Wunder des Lebens

Warngau - Christl Fitz trägt ein Kunst-Gen in sich: Die Warngauerin (80) leitete eine international erfolgreiche Kunstblumenwerkstatt und wirkt als Malerin und Autorin. Jetzt veröffentlichte sie ihren ersten Roman „Sternenband“. Ein Zeitgemälde der bürgerlichen Gesellschaft in der Weimarer Republik und im Dritten Reich.

Ihr Lebensmotto steht Christl Fitz ins Gesicht geschrieben. „Man darf das Lachen nicht verlernen und sollte versuchen, dem Leben und allem Neuen gegenüber aufgeschlossen zu sein“, sagt die Warngauerin. „Offen für die Wunder des Lebens.“ 

So ließ sie sich auch nach dem Tod ihres Mannes, dem Volksschauspieler Gerd Fitz, Anfang 2015 nicht den Lebensmut nehmen. „Wir haben uns auf einem Faschingsball kennengelernt“, erinnert sich die 80-Jährige. „Ein Blick genügte uns beiden, wir haben uns nie wieder getrennt.“ Das war Mitte der 60er Jahre, damals hatte Fitz eine Hauswirtschaftsschule besucht und bereits einige Jahre als Schauspielerin und Sprecherin gearbeitet. „Ich habe viel ausprobiert und mich orientiert“, erklärt sie. 

Eine Begegnung sollte ihr Leben allerdings nachhaltig verändern. Ihr zukünftiger Mann Gerd stellte Christl den Gastronomen Gerd Käfer vor, der gerade den Empfang zu Ehren Queen Elizabeth II anlässlich ihres Deutschlandbesuchs 1965 vorbereitete. Auf der Suche nach einer geeigneten Tischdekoration fragte er Christl, die damals Blumengestecke entwarf, ob sie 600 Stück für den Empfang liefern könne. „Natürlich haben wir zugesagt. Wir hatten drei Tage Zeit und haben uns während der Arbeit an den Gestecken unsere Leben erzählt. Nach den drei Tagen waren nicht nur die 600 Gestecke fertig, wir haben uns auch gut kennengelernt“, blickt sie zurück. 1966 heirateten Christl und Gerd Fitz und zogen auf das Hofgut in Heignkam bei Warngau, wo Christl aufgewachsen war. 

Danach gründete sie eine Kunstblumenwerkstatt, stellte 26 Mitarbeiter ein und beschäftigte bis zu 100 Heimarbeiterinnen. Die handgearbeiteten Gestecke verschickte sie beinahe in die ganze Welt. Auch als 1972 Tochter Katharina auf die Welt kam, führte Christl ihr Unternehmen weiter. In den 1990er Jahren widmete sie sich dann der Malerei und dem Schreiben. „Das Malen hat mir Spaß gemacht, aber die Rahmen waren mir oft zu klein. Sie schränkten mich ein“, erzählt die Künstlerin. 

Das Schreiben mochte sie von jeher. Sie verfasste Artikel für Zeitschriften, schrieb Kurzgeschichten und ein Sachbuch über Kunstblumen. Ab Mitte der 2000er veröffentlichte sie die Bücher „Herzenswärmer“ und „Glück sammeln“ mit humorvollen und nachdenklichen Geschichten aus ihrer Kindheit. Ihr neuer Roman „Sternenband“ ist hingegen ein echtes Mammutwerk, an dem Fitz über Jahrzehnte immer wieder arbeitete. In den 1980er Jahren hatte sie einen ganzen Wäschekorb voller Skriptblätter. „Die habe ich irgendwann weggeworfen“, erinnert sie sich. „Ich hatte die Geschichte klar in meinem Kopf, kannte jede Figur.“ Der Tod ihres Stiefvaters und die Krankheit ihres Ehemannes verhinderten jedoch ein zügiges Vorankommen. 

Jetzt aber ist ihr Werk endlich fertig. Fitz’ Schwiegersohn Alexander Bronisch, der auch Historiker und Verleger ist, hat jede der 418 Seiten auf Herz und Nieren geprüft. Das Ergebnis ist eine Geschichte, die weit über das Klischee eines typischen Frauenromans hinausgeht. Sie handelt von der jungen Annegret, die sich in einen älteren ostpreußischen Gutsbesitzer verliebt. Von diesem zurückgewiesen, heiratet sie einen mecklenburgischen Schlossherren und Industriellen, der jedoch auf einer Reise nach Indien stirbt. Als Annegret daraufhin auf ein kleines Hofgut in Oberbayern zieht, scheint sie mit ihrem neuen Mann Gregor Mertens endlich ihr Glück gefunden zu haben. Doch bald entpuppt sich das vermeintliche Paradies als ein Ort dunkler Geheimnisse. Ein Buch von Enttäuschungen und schweren Zeiten, aber auch von Mut und Zuversicht einer starken Frau. 

Fitz denkt bereits an eine Fortsetzung, vorerst aber liest sie in ganz Deutschland aus „Sternenband“. Die 80-Jährige freut sich darauf. „Beim Vorlesen profitiere ich von meiner schauspielerischen Tätigkeit“, sagt sie. „Ich arbeite da gerne mit meiner Stimme.“ Auch Zugfahrten machen ihr nichts aus. Nur zu lange darf’s nicht dauern: „Nach ein paar Tagen bekomme ich Heimweh nach meiner Familie.“ 

Von Kathrin Suda

Der Roman „Sternenband“ 

kostet 19,80 Euro und ist im Buchhandel erhältlich. Alternativ kann das Werk beim Con-Text-Verlag von Alexander Bronisch, Heigenkam 1 in 83627 Warngau, 0 80 21 / 90 91 47, info@con text.biz bestellt werden.

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