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Mobiliarismus: In dem Stück „Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht“ wird ein unbeabsichtigtes Konstrukt aus Tisch, Stuhl und Teekessel zur Kunst erhoben und gerät in die Mühlen einer überheblichen Lobby.

Premiere mit „Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht“

Die Kunst des Zufalls

Holzkirchen - Premiere: Das Team Theater präsentierte eine sehenswerte Komödie im Holzkirchner Fools-Theater.

Kunst als Zufallsprodukt? Ist das dann noch Kunst, oder muss ein Künstler Tage, Wochen oder gar Monate über einem Werk brüten, damit man es als Kunst bezeichnen darf? Dieser Frage stellte sich das Ensemble des Team Theaters jetzt bei der Premiere von „Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht“. In dem Stück von Ephraim Kishon dreht sich alles um die Frage, was ist Kunst und was ist wie viel wert. Der neue Regisseur Michael Schmirl machte einen sehr guten Job. Er tut dem Ensemble gut und inszenierte eine witzige Komödie. Die Vorstellung auf der Bühne des Holzkirchner Fools-Theaters war sehenswert.

Raphael Schlesinger (Benedikt Schmirl) ist Künstler mit Leib und Seele, leider nur ohne Brot und finanzielle Mittel. Seine Freundin Dahlia (Anna Kutter) ist sein größter Fan und füttert ihn durch. Als endlich die bekannte und gefürchtete Kunstkritikerin Sarah Kirschbaum (Petra Graban) in sein Atelier rauscht, kommt Bewegung in das perspektivlose Leben des Künstlers. Die Kunstkritikerin ist zwar recht abgebrüht, zugleich aber eine gescheiterte Künstlerin, die zu tief ins Glas geschaut hat. Aber nicht seine Bilder, sondern viel mehr ein komisches Zufallskonstrukt, bestehend aus Stuhl, Tisch und Teekessel, fällt der Kritikerin ins Auge. Sie kreiert zackig einen neuen Kunststil, den Mobiliarismus, und Schlesinger gerät in die Mühlen der überheblichen Kunstlobby: Kaum einer hat wirklich Ahnung, doch am Ende zählt der Zaster. Seine erste hoch gestapelte Kunst geht für 2000 Euro über den Ladentisch.

Regisseur Schmirl setzt seine zwölf Laiendarsteller hervorragend ein. Hervorzuheben ist Margarete Kutter, die ihr komödiantisches Talent als Reporterin Daniela Meron voll ausleben kann. Schnodderig und lustlos tritt sie auf und sie soll für einen Radiosender über Kunst berichten. Im Umgang mit dem Künstler fehlt es ihr gänzlich an Höflichkeit. Sobald sie ihr Mikro anstellt, ist sie aber die Freundlichkeit in Person. Helmut Hermann ist zu sehen in einer seiner Wohlfühlrollen: Als überheblicher, selbstgerechter und etwas schrulliger Kunsthändler hält er geldgierig die Fäden in der Hand. Sein Spiel und die vielen witzigen Wortverdreher bringen das Publikum oft zum Lachen.

Auch die Einsätze der jungen Darsteller wie Benedikt Schmirl, Anna Kutter und Lena Alt (als Model Mon Chéri) sind hervorragend. Frei von Texthängern präsentieren sich die drei durchweg natürlich. Der neue Regisseur Schmirl gibt seinen Darstellern Sicherheit und ruft hohe Leistungen bei ihnen ab. Auch behält er die Handlung im Blick und spannt einen witzigen Bogen. Wünschenswert wäre noch ein wenig mehr Tempo und Mut. Die Kapazität der Schauspieler ist sicher noch nicht ganz ausgereizt. „Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht“ ist eine Komödie, die nette und unerwartete Wendungen parat hat. Am Premierenabend gab es viel Zwischenapplaus und viele Lacher von Seiten des 90-köpfigen Publikums.

Weitere Vorstellungen gibt es am Freitag, 7., Sonntag, 9., Freitag, 14., Samstag, 15., Freitag, 21. sowie Sonntag, 23. November. Außer sonntags (18 Uhr) beginnen die Vorstellungen jeweils um 20 Uhr. Karten zu 16 Euro (ermäßigt 14 Euro) gibt es im Vorverkauf auf www.kultur- im-oberbraeu.de sowie unter z 0 80 24 / 47 85 05; oder an der Theaterkasse des Kulturhauses.

Von Kathrin suda

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