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Sie hat Humor: Elisabeth Halmburger hat sich die Karikaturen-Ausstellung im Foyer des St. Anna-Hauses in Holzkirchen schon öfters angeschaut.

Ungewöhnliche Ausstellung im Seniorenhaus

Lachend dem Tod begegnen

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Holzkirchen - Eine Witwe, die den Sarg nicht kaufen möchte. Ein Sohn, der bei seiner verstorbenen Mutter einziehen möchte. Ein Patient, der nicht auf dem OP-Tisch sterben möchte. Die Karikaturen-Ausstellung im St Anna-Haus in Holzkirchen versucht dem Tod seinen Schrecken zu nehmen - und fordert den Betrachter zum Lachen heraus.

„Sie sind schon gut“, sagt Elisabeth Halmburger und fängt herzhaft an zu lachen. Die 85-Jährige steht vor einer Karikatur, auf der eine trauernde Witwe, vor sich einen Katalog mit Särgen, den Bestatter fragt: „Kann ich den Sarg auch leasen?“ Zu sehen ist diese gemeinsam mit anderen Zeichnungen derzeit im Caritas St. Anna-Haus in Holzkirchen. Anlass ist das 20-jährige Bestehen des Hospizkreises im Landkreis Miesbach.

Nicht jeder der Hausbewohner kann aus vollem Herzen über den humoristischen und zum Teil sarkastischen Umgang mit dem Tod schmunzeln. „Die Reaktionen reichen von interessiert über belächelnd bis ablehnend“, sagt die Leiterin des Hauses, Cornelia Müller. Es gebe auch Bewohner, die sich die Ausstellung überhaupt nicht anschauen wollten. „So vielfältig wie die Karikaturen sind auch die Reaktionen darauf.“ Die Ausstellung biete jedoch die Möglichkeit, sich dem Thema Tod einmal aus einem anderen Blickwinkel zu nähern – einem, der nicht angstbesetzt ist.

Ein mulmiges Gefühl hat Halmburger ohnehin nicht, wenn sie an den Tod denkt. „Ich weiß gar nicht, wovor ich Angst haben soll. Ich hoffe nur, dass ich gut sterbe“, sagt die ehemalige Geldsortiererin aus Waakirchen und hält sich dabei an ihrem Rollator fest. Einfach einschlafen, ohne Schmerzen. Gedanken über ihren Sarg hat sie sich auch noch keine gemacht. Das überlässt sie lieber ihrer Tochter. „Ich bekomme es ja sowieso nicht mehr mit.“ Ob der nun gekauft, gemietet oder geleast ist – das wäre ihr egal. Nur: Ein Sarg lässt sich ohnehin nicht mehr zurückgeben.

Die Karikaturen lassen die 85-Jährige aber innehalten. Gleich zu Beginn der Ausstellung ist sie in das Foyer gekommen, um sich anzuschauen, was da hängt. „Das ist schon sehr interessant.“ Thematisch und auch von der Ausführung. Dabei war Halmburger keine, die sich ihr Leben lang für Kunst interessiert hat. Ausstellungen hat sie noch nicht viele besucht. Doch diese hier schaut sie sich öfters an. „Das ist auf der einen Seite lustig und auf der anderen sehr ernst.“ Für sie ist der Tod aber kein ständiger Begleiter. Sie fühlt sich gut für ihr Alter. „Für so was habe ich schon Humor.“ Deshalb kann sie auch über die Darstellung einer Frau schmunzeln, die zwischen den Gräbern auf dem Friedhof steht und sagt: „Alle liegen mir zu Füßen.“ Ausdruck einer Einsamkeit, aber gleichzeitig auch einer Erleichterung, noch am Leben zu sein.

Wenn Halmburger eine Zeichnung gefällt, dann bleibt sie stehen, hält inne und schaut konzentriert. Das Lachen kommt dann von alleine. Egal, ob sie einer sieht.

Und so soll es sein, betont Müller. „Von alten Menschen wird erwartet, dass sie dem Thema Tod mit einer gewissen Distanz begegnen.“ Aber auch sie dürften darüber lachen. Damit ihnen dieses beim Betrachten nicht doch im Halse stecken bleibt, haben Müller und der Hospizkreis die Karikaturen sorgfältig ausgewählt. „Uns war es wichtig, dass Sterbende nicht würdelos oder lächerlich dargestellt werden.“ Vielmehr sollen die Bewohner die Möglichkeit haben, das Betrachtete mit ihrer eigenen Lebensgeschichte zu verbinden. Wie den Sohn, der am Grab steht und sagt: „Mutter, mein ganzes Geld ist weg. Kann ich bei Dir wohnen?“ Oder den Patienten, der vom OP-Tisch aufsteht und sagt: „Ich gehe jetzt nach Hause und sterbe eines natürlichen Todes.“

Gleichzeitig lässt die Ausstellung auch Platz für Hoffnung, den Tod nur als ein Etappenziel des Daseins zu begreifen, wenn ein Grabstein zu dem anderen sagt: „Ich glaube, wir sind gar keine Grabsteine, sondern Meilensteine an einem Weg, der weiterführt.“

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