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Die Wähler im Fokus: Zunächst referierte Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende und innenpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, kurz zum Thema Freiheit und Sicherheit. Die Zuhörer durften anschließend Fragen stellen, worüber sie wollten. Ein Format, angelehnt an die amerikanischen „Town Hall Debates“, wie Schulze erklärt.

Landtagswahl 2018 

Grünen-Spitzenkandidatin Schulze im Interview: „Wir sind die Einzigen mit klarem Kompass“

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Das Ziel ist klar: Die Grünen wollen als zweitstärkste Fraktion in den Landtag einziehen. Wie das gelingen soll, erklären Spitzenkandidatin Katharina Schulze und Landtagskandidat Thomas Tomaschek im Interview.

Holzkirchen – Umfrage-Hoch und Mitglieder-Rekord: Die Grünen befinden sich vor der Landtagswahl im Aufwind. Ihre Themen kommen an, wie sich am Montag auch in der Alten Post in Holzkirchen zeigte. Knapp 100 Parteimitglieder und Interessierte kamen zur Diskussion mit Katharina Schulze, der bayerischen Spitzenkandidatin. Vorab nahm sie sich mit dem Landtagskandidaten Thomas Tomaschek die Zeit für ein Gespräch über Verbal-Attacken der CSU und das Erfolgsrezept ihrer Partei.

-Grüner Landrat, glyphosatfreier Landkreis: Ist der Wahlkampf für die Grünen hier nicht...

Tomaschek: ...obsolet?

-Obsolet vielleicht nicht, aber so schön wie nirgendwo anders?

Schulze: (lacht) Es fühlt sich zumindest immer schön an, wenn ich wo bin und weiß, es ist in guten Grünen Händen.

-Gibt Ihnen das, Herr Tomaschek, letztlich vielleicht sogar Auftrieb?

Tomaschek: Es hilft sicherlich, wenn die Leute sehen, da sitzt ein Grüner Chef im Landratsamt und er kriegt es gebacken, die Welt geht nicht unter – im Gegenteil. Wir sind hier zwar nicht am Ende des Weges, aber wir haben den richtigen eingeschlagen. Und es zeigt, dass wir regierungsfähig sind.

Landtagskandidat Thomas Tomaschek (Grüne): „Unsere Partei war mit ihren Themen immer Vorreiter“

-Bei der Aufstellungsversammlung im November sagten Sie, es wehe ein grüner Wind durch die Republik. Weht der in Bayern stärker denn je?

Tomaschek: Ich denke schon. Es ist viel in Bewegung. Die Politik hat Probleme gestaltet, die sich hochgeschaukelt haben. Ein „Weiter so“ kann nicht sein. Wir brauchen einen Umschwung.

-Der Wind im Wahlkampf wird aber auch rauer. CSU-Generalsekretär Blume macht die Grünen mitverantwortlich für die Spaltung der Gesellschaft und den Erfolg der AfD...

Schulze: Was soll man dazu sagen. Lassen Sie es mich mal so formulieren: Wie verzweifelt muss die CSU sein, wenn sie schon jetzt mit so etwas um die Ecke kommt.

-Die Grünen in Bayern verzeichnen dagegen einen Mitglieder-Rekord. Wie erklären Sie sich das?

Schulze: Früher sind oft Leute eingetreten, die einen sehr speziellen Antrieb hatten, weil ihnen etwa Tierschutz mega wichtig ist. Jetzt kommen viele, die sagen: „Ich habe nach Brexit und Trump Sorgen, dass das mit der AfD doch nicht einfach wieder aufhört.“ Sie wollen etwas tun. Die Motivationslage ist eine andere. Es geht ans Eingemachte – und das merken die Leute.

Tomaschek: In der Grundstimmung schwingt viel Unzufriedenheit mit, viel bäumt sich auf. Und so ist die Mitte bereit, Grün zu wählen. Wir sind sogar für CSU-Wähler wählbar geworden. Unsere Partei war mit ihren Themen immer Vorreiter, über Jahre hinweg. Jetzt kommen sie halt in der Mitte der Gesellschaft an.

Landtagskandidatin Katharina Schulze (Grüne): „Es geht darum, welches gesicht Bayern künftig hat.“

-Andere Parteien versuchen sich an ur-grünen Themen. Die SPD-Landtagskandidatin Verena Schmidt-Völlmecke hatte jüngst die Bundesumweltministerin zu Besuch. Haben Sie Sorgen, dass Ihre Konkurrenten in Ihren Themen wildern?

Tomaschek: Wenn die SPD 90 Prozent der Stimmen kriegt und dafür die Umweltthemen durchsetzt, bin ich zufrieden. Die Dinge gehören gemacht. Mir geht’s nicht um die Fahne, die am Rathaus weht. Ich bin aber der Meinung, wir können das am besten. Sollte es eine andere Partei plötzlich besser können, bitteschön. Aber dann sollen sie es auch umsetzen.

Schulze: Wir sind einfach klar und das Original.

-Der aktuelle Erfolg fußt also auf inhaltlicher Kontinuität und einer hitzigen politischen Gemengelage?

Schulze: In einer Welt, in der viel im Umbruch ist und andere Parteien Zickzack-Kurs fahren, sind wir Grünen die Einzigen mit einem klaren Kompass. Ich glaube, dass wir durch die langjährige harte Arbeit und das Nicht-Abweichen von unserem Kurs da sind, wo wir sind. Wir arbeiten lange an den Themen. Kommunal sind wir richtig stark verankert, das ist ein breites Fundament. Die Grünen stehen da, und zwar auch mal gegen den Wind. Das honorieren die Leute.

-Frau Schulze, Sie sagen, die anstehende Wahl sei eine Richtungsentscheidung. Wie ist das zu verstehen?

Schulze: Es ist nicht nur eine Landtagswahl. Es geht darum, welches Gesicht unser Bayern künftig hat. Wenn ich das an zwei großen Polen aufmachen darf: Weltoffenheit, liberale Demokratie versus antieuropäische Nationalstaatlichkeit und Rückwärtsgewandtheit. Dass es um mehr geht – darum, in welche Richtung sich Bayern entwickelt – spüren die Menschen.

fp

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