Traktor bei Heuarbeit auf dem Feld im Raum Holzkirchen
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Dürre? Im Oberland kaum ein Thema: Laut Rolf Oehler vom Landwirtschaftsamt waren die Grünlanderträge heuer ordentlich.

Interview mit AELF-Chef Rolf Oehler

Landwirtschaft im Landkreis: Viel Regen und gute Erträge

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Vielerorts kämpfen Bauern mit Trockenperioden. Rolf Oehler (64), Behördenleiter am AELF Holzkirchen, erklärt, warum unser Landkreis dabei so gut wegkommt. 

Landkreis - Herr Oehler, nasser Winter, trockenes Frühjahr: Deutschlands Bauern haben heuer zum dritten Mal weniger Ernte eingefahren als im Durchschnitt der fünf Jahre zuvor. Betrifft das auch den Landkreis Miesbach?

Nein. Im Landkreis Miesbach regnet es insgesamt genügend, auch in den letzten Jahren. Von durchschnittlich 1300 Liter pro Quadratmeter pro Jahr im Norden in der Gemeinde Otterfing bis über 1500 Liter im südlichen Landkreis. Das ist der Grund, warum im Landkreis rund 92 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche als Dauergrünland genutzt werden und nur acht Prozent als Acker. Grünland kann hohe Niederschläge am besten verwerten.

Gibt es dennoch Probleme?

Wir haben in den letzten Jahren schon auf Einzelflächen auf durchlässigen Böden, die wenig Wasser speichern können, oder an Südhängen auf Grünlandflächen, aber auch bei Ackerkulturen Mindererträge gehabt. Da ist im Grünland zum Teil ein kompletter Schnitt ausgefallen. Nach meiner Erfahrung wird dieser Ertragsausfall in den folgenden Schnitten durch höhere Erträge aber wieder ausgeglichen. Bei Getreide und Mais hat das in den letzten beiden Jahren und vereinzelt auch heuer auf Einzelflächen zu Mindererträgen geführt.

Also reichen heuer im Winter die Vorräte, etwa bei Heu?

Die Futtervorräte, auch die von Heu und Grummet, sind heuer ausreichend. Zum Teil waren die Grünlanderträge heuer sogar sehr gut, da auch die Erntebedingungen größtenteils ideal waren.

Manifestiert sich der Klimawandel dennoch schon bei uns vor der Haustür?

Den Klimawandel spürt jeder. Vor allem die kalten Winter mit hohen Schneemengen, die länger liegen bleiben und das gespeicherte Wasser dann im Frühjahr bei der Schneeschmelze langsam wieder in den Boden abgeben, bleiben aus. Das ist jedoch mehr für die Forstwirtschaft als die Landwirtschaft ein Problem. Extremwettersituationen nehmen zu: Wie der schneereiche Winter 2018/19 mit der dann gleich anschließenden katastrophalen Wärme- und Regenphase oder einzelne Starkniederschläge, bei denen die Wasservorräte im Boden nicht mehr aufgefüllt werden, sondern oberflächlich schnell abfließen. Der Landkreis Miesbach aber ist davon aufgrund seines hohen Grünlandanteils nicht so stark betroffen wie die Gebiete im nördlichen Oberbayern.

Wären angesichts der meteorologischen Turbulenzen staatlich unterstützte Mehrgefahrenversicherungen sinnvoll?

Für den Landkreis Miesbach ist das kein Thema. Die größere Gefahr für Ackerkulturen wie Mais und Getreide ist Hagelschlag. Diese Schäden sind bereits jetzt versicherbar.

Trotzdem: Müsste man Landwirte insgesamt besser auf extreme Wetterlagen vorbereiten?

Unsere Landwirte sind überwiegend sehr gut ausgebildet. In unserer Landwirtschaftsschule in Holzkirchen ist die nachhaltige Bewirtschaftung des Bodens, insbesondere der Erhalt einer hohen Bodenfruchtbarkeit – und damit hohen Wasserspeicherfähigkeit – ein Schwerpunkt in der Ausbildung. Damit werden unsere zukünftigen Betriebsleiter auch auf den Umgang mit dem Klimawandel bestens vorbereitet. Daher ist der Besuch der Landwirtschaftsschule für Betriebe, die auch weiterhin erfolgreich wirtschaften wollen, ein unbedingtes Muss.

Zum Schluss noch ein Blick auf ein anderes Tief: Inwiefern trifft die Coronakrise die Landwirte?

Der Absatz von allen landwirtschaftlichen Produkten, insbesondere der für unsere Bauern wichtige Absatz von Milchprodukten über Hotels und Gastronomie, ist in der Corona-Lockdown-Zeit zurückgegangen. Auch bei einzelnen Molkereien, die stärker export-orientiert sind, gab es Absatzprobleme.

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