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Alles im Griff: Benedikt Kleinschwärzer (15) nimmt Wilhelm Plattner (87) die Gartenarbeit ab – und damit eine Last von den Schultern.

Seltener Helfer: Benedikt ist jung und männlich, das gibt‘s selten bei der Nachbarschaftshilfe

Warum Benedikt (15) Wilhelm Plattner (87) gerne unter die Arme greift

Wenn Benedikt (15) den Rasen mäht, geht das ratzfatz. Er ist Weyarns jüngster Nachbarschaftshelfer – und ein Segen für Wilhelm Plattner (87). Die Nachbarschaftshilfe bräuchte mehr von seiner Sorte.

Seit nun 46 Jahren leben Wilhelm und Frieda (84) Plattner in dem stattlichen Haus in Neukirchen. 1500 Quadratmeter misst das Grundstück. Früher einmal hat der Hausherr seinen Garten schön angelegt und mit Hingabe gepflegt. „Aber das geht schon länger nicht mehr“, sagt er.

Ohne die Nachbarschaftshilfe hätten die beiden nie zusammengefunden 

Als die Gartenpflege immer mehr zum Problem wurde, rief Tochter Christine Plattner (47) bei Ute Haury von der Weyarner Nachbarschaftshilfe an. „Ich dachte, man kann ja mal fragen“, erzählt sie. Seitdem kümmert sich Benedikt Kleinschwärzer (15) um den Rasen der Plattners. Für die ganze Fläche braucht der Gymnasiast meist wenig mehr als eine Stunde. „Und ich muss nicht nacharbeiten“, schmunzelt Wilhelm Plattner. Er freut sich, wenn Benedikt kommt. Dessen Großeltern wohnen um die Ecke, alles ist ziemlich familiär. Ohne die Nachbarschaftshilfe hätten die Plattners und Benedikt trotzdem nicht zueinandergefunden.

„Ich finde es schön, wenn ich älteren Menschen helfen kann“

Der 15-Jährige ist gerne draußen, darum passt ihm die Arbeit gut. Auch die kleine Aufbesserung des Taschengelds kommt ihm gelegen. Aber das allein ist es nicht. „Ich finde es schön, wenn ich älteren Menschen helfen kann“, sagt Benedikt. Eben darum schaute er im vergangenen Jahr beim Reparaturcafé vorbei, einer Veranstaltung der Gemeinwesenarbeit und Seniorenhilfe in Weyarn. Dort konnte ihn Ute Haury, die sich um die beiden Fachbereiche kümmert, für die Mitarbeit bei der Nachbarschaftshilfe gewinnen. Nun kümmert sich der Neuntklässler um zwei Gärten – neben den Plattners darf eine weitere Familie auf seine Unterstützung zählen. „Manchmal ist es stressig, wenn viele Schulaufgaben anstehen“, meint Benedikt. Aber irgendwie schafft er das Programm dann doch.

Männer sind rar bei der Nachbarschaftshilfe.

„Benedikt ist unser jüngster Helfer“, sagt Haury. Insgesamt gehören gut 35 Ehrenamtliche zu ihrem Team. Meist handelt es sich um ältere Frauen, die Senioren betreuen. Sie machen Besuche, entlasten pflegende Angehörige oder erledigen Einkäufe. Männer sind rar bei der Nachbarschaftshilfe. Dabei gäbe es für sie viele Aufgaben. Gartenarbeit zum Beispiel oder auch mal eine kleine Reparatur.

„Viele trauen sich nicht, bei uns anzurufen, wenn sie Hilfe brauchen“

Insgesamt ist die Zahl derer, die sich für andere engagieren wollen, in Weyarn erfreulich groß. Dagegen dürfte die Nachfrage nach deren Diensten durchaus noch wachsen. „Viele trauen sich nicht, bei uns anzurufen, wenn sie Hilfe brauchen“, weiß Haury. Die Gemeinwesenarbeiterin ist erst seit Januar 2016 auch Einsatzleiterin der Nachbarschaftshilfe. Zuvor hatte sich die Seniorenbeauftragte Betty Mehrer auch um diesen Bereich gekümmert. Wie Mehrer will auch Haury dazu ermutigen, das Angebot zu nutzen.

Wilhelm Plattner hat dies nun schon häufiger getan. Neulich hat ein freundlicher Helfer ihn zu einer aufwendigen Untersuchung zum Arzt nach Rottach-Egern gefahren. „Sonst hätte ich ein Taxi bestellen müssen“, sagt Plattner. Die Kosten hierfür übernehme seine Krankenkasse leider nicht – obwohl Plattner nach der Untersuchung nicht selbst fahren durfte. Und Tochter Christine musste zur Arbeit. „Zum Glück haben wir einen Helfer, der solche Fahrten übernimmt“, sagt Haury. Und dies ehrenamtlich, ohne sich auch nur die Fahrtkosten erstatten zu lassen: „Es ist wirklich schön, dass es doch so viel Hilfsbereitschaft gibt.“

Die Nachbarschaftshilfe

Weyarn wurde im Juli 2011 als Verein gegründet. Den Vorsitz hat Betty Mehrer. Einsatzleiterin Ute Haury ist unter 0 80 20 / 18 87 25 erreichbar.

Wollen Sie die Nachbarschaftshilfe unterstützen? Alles zu unserer Spendenaktion lesen Sie hier. 

jm

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