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Tiefgang rund um die Uhr: Der wasserführende Malm soll im Februar erreicht sein.

Jetzt muss alles glatt gehen

Letzte Chance für Geothermie: Der Puffer ist verbraucht

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Holzkirchen - Zwei Wege erwiesen sich bei der Geothermie-Bohrung als teure Sackgassen. Im Februar soll das Ziel erreicht sein. Der Finanzrahmen ist dann ausgeschöpft – keine beruhigende Botschaft.

Aktuell wird durchgeputzt. Die Bohrung hat eine Tiefe von 4454 Metern erreicht. Der Bohrkopf fährt noch einmal rauf und runter, um etwaige Hindernisse wegzuräumen (Check-Trip), ehe die Verrohrung eingebracht wird. „Wir wollen nicht noch einmal eine verrohrte Strecke verlieren“, sagt Albert Götz, Geschäftsführer der Gemeindewerke und Leiter des Geothermie-Projekts. Die Versicherung, die aufgrund von Holzkirchner Bohrproblemen schon über fünf Millionen Euro ausschütten muss, will jetzt auf Nummer ganz sicher gehen. Lieber langsamer ans Ziel als einen weiteren teuren Sidetrack riskieren.

Es ist die verflixte dritte Sektion der Bohrung, die Ärger macht. Unerwartete Druckunterschiede machen die Bohrlochwände instabil, mittlerweile wird bereits die dritte Route erbohrt. Ist die dritte Sektion gesichert, geht es noch einmal 400 bis 500 Meter in die 4. Sektion. Der letzte Abschnitt schließlich erschließt direkt den Malm, die wasserführende Gesteinsschicht. „Wir visieren einen Bruch an, wo viel Wasser zulaufen kann“, sagt Götz. Rechnerisch könnte die Bohrstrecke bis zu sechs Kilometer lang werden. „Erst wenn wir das Bohrklein sehen, das von dort nach oben kommt, dann wissen wir, wohin wir die Bohrung steuern müssen“, erklärt Götz.

Der Zeitplan

Mitte Februar 2017: Fündigkeit der zweiten Bohrung wird erwartet.

Frühling 2017: Beginn der Bauarbeiten für die Heizzentrale, die direkt neben der Bohrstelle in der Alten Au entsteht. Von dort wird künftig die Fernwärme-Energie für Holzkirchner Haushalte eingespeist. 

Sobald die Daten der zweiten Bohrung vorliegen kann der Bau des Strom-Kraftwerks europaweit ausgeschrieben werden. 

Mitte 2017: Der Auftrag für den Bau des Stromkraftwerks wird vergeben. 

Winter 2017 / 2018: Das Heizwerk geht ans Netz. Damit fließt erstmals Geothermie-Energie an Kunden. 

2018: Bau des Strom-Kraftwerks in der Alten Au 

1. Januar 2019: Inbetriebnahme des Kraftwerks. Damit erlöst das Projekt EEG-Einnahmen, deren Höhe der Gesetzgeber für eine 20-jährige Laufzeit garantiert.

Erneut verschiebt sich damit der Zeitplan. Aktuell wird jetzt Mitte Februar mit der Fündigkeit gerechnet. Zu übertreffen gilt es die Bohrung eins, die eine Schüttung von 60 Litern pro Sekunde und eine Temperatur von 140 Grad lieferte. Götz hofft, dass die zweite Bohrung diese erfreulichen Werte übertrifft. Erst dann wird entschieden, aus welchem Loch das heiße Wasser gefördert und in welches Loch das energetisch genutzte Wasser zurückgeleitet wird. „Erst dann wissen wir auch, wie viel Energie wir verstromen können.“

Hängt das Kraftwerk einmal am Netz – 2019 soll es so weit sein – darf die Geothermie Holzkirchen GmbH, ein Tochterunternehmen der Gemeindewerke, mit jährlichen EEG-Erlösen in Millionenhöhe rechnen (25,2 Cent je Kilowattstunde). Erstes Geld soll die Geothermie GmbH aber bereits heuer verdienen, wenn sie Fernwärme-Energie an ihre „Mutter“ Gemeindewerke verkauft. Mit dem Bau des Heizwerks will Götz demnächst beginnen.

Finanziell bewegt sich das Großprojekt noch im Rahmen – mit der Betonung auf „noch“. Die Bohrkosten in Höhe von rund 40 Millionen Euro werden gedeckt von einer Anschubfinanzierung der Marktgemeinde (elf Millionen Euro) sowie einem Darlehen in Höhe von 28,6 Millionen Euro. Dazu kommen später die Kosten für das Kraftwerk. Die Gesamtinvestition für das Projekt dürfte 70 bis 80 Millionen Euro erreichen.

Die Mehrkosten der Fehlbohrungen trägt zwar die Versicherung, die Geothermie GmbH muss jedoch einen Selbstbehalt in Höhe von einer Million Euro schultern. Man habe zwar mit finanziellen Puffern kalkuliert, sagt Götz, „die sind jetzt aber fast aufgebraucht“. Und noch ist man nicht am Ziel. Muss also die Gemeinde Steuergeld nachschießen, wie von einigen Gemeinderäten befürchtet? „Ich kann das nicht ausschließen“, sagt Götz, „es ist aber zu früh, dazu etwa Belastbares zu sagen.“

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