Gemeinsam lernen: In den Kooperationsklassen an der Mangfalltalschule in Valley – hier in der Klasse von Sarah Hofstetter (l.) – lernen Kinder mit und ohne Behinderung. Erhöhten Förderbedarf decken zusätzliche Stunden mit Sonderpädagogen ab. Nun will die Schule einen Schritt weitergehen und das „Profil Inklusion“ beantragen. Foto: Thomas Plettenberg

Spezialgebiet: Inklusion

Valley - Als erste Schule im Landkreis will die Mangfalltal-Grundschule in Valley zur vollwertigen Inklusions-Profilschule für Kinder mit und ohne Behinderung werden.

Kinder mit und ohne Behinderung lernen nebeneinander und miteinander, in gemeinsamen Klassen: Das ist in Valley grundsätzlich nichts neues. Seit Herbst 2011 - auch damals als erste Schule im Landkreis - bietet die Mangfalltalschule Kooperationsklassen an.

18 Kinder mit „sonderpädagogischem Förderbedarf“, wie es im Amtsdeutsch heißt, besuchen derzeit die 1., 2., 3. und 5. Klasse; das sind etwa zehn Prozent der Schüler. Die Hälfte davon sind Kinder mit „emotionalen oder sozialen Förderbedarf“ - zum Beispiel wegen eines Aufmerksamkeitsdefizits oder Hyperaktivität. Kinder mit motorischer oder geistiger Behinderung sind derzeit nicht dabei, erklärt Rektor Bernhard Wolf. Grundsätzlich ausgeschlossen sind sie von der Inklusion aber nicht. Das Ziel hat der Freistaat klar definiert: Eltern sollen eine Wahl bekommen, ob ihr Kind mit Behinderung eine Regelschule mit Hilfestellung besucht oder eine spezialisierte Förderschule.

In den Koop-Klassen arbeiten der Klassenlehrer und ein Sonderpädagoge zusammen. Der Förderlehrer kommt mehrere Stunden pro Woche an die Schule. Das Kooperationsmodell funktioniere gut, aber es stößt an organisatorische Grenzen. „Die Förderstunden müssen jedes Jahr neu beantragt werden.“ Für den Landkreis gibt es einen Topf, aus dem die Förderstunden auf Antrag verteilt werden. „Heuer werden aus diesem Topf nur wir und die Schule in Wiessee bedient“, erklärt Wolf, „aber nächstes Schuljahr kommen Schliersee und Elbach hinzu.“ Zumal Koop-Klassen ihren Status nach zwei Jahren verlieren. Das heißt: Die Schule kann für die betroffene Klasse keine Zusatzstunden mehr beantragen. Klar ist aber auch: Der Förderbedarf bleibt bei den meisten Kindern bestehen. Die Kooperationsklasse taugt damit kaum für eine dauerhafte Inklusion an Schulen.

Von dem unberechenbaren Tropf will sich die Schule lösen: mittels „Schulprofil Inklusion“. Die Schule bekäme dauerhaft ihren eigenen Förderlehrer. Das Profil hätte den Nebeneffekt, dass Kinder mit Förderbedarf nicht mehr geballt in einer der Koop-Klassen sitzen müssten, sondern sich auf alle Klassen verteilen ließen.

Schulleitung und Kollegium wollen deshalb das „Schulprofil Inklusion“ beantragen, wenn Gemeinde und auch Eltern dahinter stehen. Formal sei eine Zustimmung der Eltern nicht notwendig. „Aber wir brauchen die ganze Schulfamilie“, findet Wolf.

Bei einem Infoabend in dieser Woche gab es unter den rund 150 Besuchern auch Skeptiker. „Das Thema ist sehr emotional besetzt“, sagt Wolf. „Wir sind das Flaggschiff im Landkreis, und ein Flaggschiff bekommt auch Gegenwind.“ Manche fürchten „Bremser“ in der Klasse, die ihr Kind auf dem schnellsten Weg zum Abitur behindern. Dass Kinder mit Behinderung langsamer lernen, ist gar nicht gesagt. Es gebe oft Hochbegabte mit „sonderpädagogischem Förderbedarf“, etwa hyperaktive Kinder. Und eine Behinderung macht ein Kind auch nicht weniger intelligent. Bestes Beispiel ist ein Bub mit Sehbehinderung - der Klassenprimus. „Ein kleiner Professor“, sagt der Rektor. An der familiären Schule soll keiner auf der Strecke bleiben, betont Wolf.

Katrin Hager

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