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Sozialkunde zum Anfassen: Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (M.) stand am Freitagmittag einer Klasse der Fachoberschule Holzkirchen Rede und Antwort.

Ilse Aigner zu Besuch an der FOS Holzkirchen

Die Ministerin im Klassenzimmer

Holzkirchen - Wirtschaftsministerin Ilse Aigner hat heute eine FOS-Klasse besucht. Eine Schulstunde mit viel Persönlichkeit und ein bisschen Politik.

Sozialkunde-Unterricht mit einer leibhaftigen Staatsministerin: Das kommt nicht alle Tage vor, am Freitag allerdings gleich zweimal an einem: Erst war Ilse Aigner am Gymnasium Miesbach, dann an der FOS Holzkirchen zu Gast.

„Wer führt das Wort?“ Schulleiter Josef Schlemmer, der da zu Beginn gleich eilig an die Eröffnung der Fragerunde rangeht, ist es schon mal nicht. „Jetzt sag’ ich erst mal Grüß Gott“, kontert die Ministerin und lächelt. Ilse Aigner (CSU) tritt zwar stets nett auf, was ihr auf politischem Parkett schon mal als Schwäche ausgelegt wird, aber sie steht – wenn man so will – seit Jahren ihren Mann. Schon als Elektrotechnikerin sei sie immer allein unter Männern gewesen, „das hat mir nicht geschadet“.

Das Wort lässt sich die gestandene Frau jedenfalls erst einmal nicht nehmen, als sie gestern eine Sozialkunde-Stunde der 12. Klasse an der FOS Holzkirchen besucht, die sie als Stimmkreisabgeordnete bei deren Besuch im Landtag nicht hatte empfangen können. Eine politische Debatte kommt nicht auf, dafür ist das Gefälle zwischen Gast und Gastgebern einfach zu hoch. Selbst bei einer unprätentiösen und unkomplizierten Politikerpersönlichkeit, als die die FOS-Schüler Aigner erleben. Sie wollen eher Persönliches und Generelles wissen. Ob das nicht schwierig sei, so als Frau in der männerdominierten CSU. Ob sie glaube, dass sie in der Politik etwas bewegt habe. Ob sie die Verantwortung als Belastung sehe.

Sie sei gern Politikerin und Ministerin, antwortet die 50-Jährige den Schülern. Auch wenn sie statt einer 40-Stunden-Woche nur sehr wenig private Zeit habe und selbst beim Skifahren mit dem Patenkind am Wochenende wieder ein Journalist dabei sein wird. Sie wisse ihre Privatsphäre trotzdem zu schützen. „Sie werden über mich nicht viel Privates finden“, erklärt Aigner, und dem ist auch so. „Wer in guten Zeiten eine Homestory nach der anderen macht, braucht sich nicht wundern, wenn in schlechten Zeiten weiterberichtet wird“, erklärt sie. Und Kritik müsse man aushalten lernen.

Die Schüler merken schon: Die verbindlich lächelnde Frau da vorn im dunkelblauen Hosenanzug kann was wegstecken. Also mal Tacheles: „Können Sie sich vorstellen, Ministerpräsidentin zu werden in drei Jahren?“ Die Ministerin pariert die Frage mit einem Augenzwinkern: „Erst einmal haben wir natürlich gerade den besten Ministerpräsidenten der Welt.“ Die Entscheidung werde „in zwei, drei Jahren“ anhand der „Performance“ getroffen. „Ich hab’ erst mal meine Aufgaben zu erledigen.“ Als Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie. Ein Schüler traut sich nachzuhaken, was sie zur Pkw-Maut sage. Aigner antwortet, warum sie hinter den Plänen ihres CSU-Parteifreunds, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, stehe.

Politisches fließt sonst eher etwas nebenbei ein. Der Mindestlohn etwa, nachdem eine Schülerin gefragt hat, ob man als Politiker erst studiert haben sollte: „Eine Gewerkschaftssekretärin, die nie in einem Unternehmen in der freien Wirtschaft gearbeitet hat, und dann Arbeitgeber als Gauner oder doof beschimpft – das hat mich auch persönlich verletzt.“ Gemeint ist mit dem Seitenhieb SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi.

Als die Schulstunde um ist, lotst der Schulleiter die Ministerin noch kurz ins Lehrerzimmer. Jetzt hakt Aigner nach, ob er tatsächlich damit rechne, dass der FOS-Neubau – der übrigens erst am 20. März offiziell mit Kultursminister Ludwig Spaenle eingeweiht wird – bald zu klein werden könnte, wie er ihr schon bei der Begrüßung mitgeteilt hatte. Ja, erklärt Schlemmer, denn die Anmeldezahlen explodieren. Wenn das so weitergehe, erreiche der Neubau in ein, zwei Jahren die Kapazitätsgrenze. Die Ministerin nimmt’s mal mit. Sie lässt sich schon auch mal was sagen.

Von Katrin Hager

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