Luftbild der Mittelschule Holzkirchen.
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Die neue Mittelschule Holzkirchen soll am alten Standort neu gebaut werden. Foto: archiv-tp

Lange Diskussion im Gemeinderat

Mittelschule Holzkirchen: Plötzlich wollen einige Gemeinderäte Tiefgarage

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Im Gemeinderat ist eine lange Diskussion zum Neubau der Mittelschule ausgebrochen. Plötzlich forderten einige eine Tiefgarage und mehr Kellerflächen. 

Holzkirchen - Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) wirkte verärgert. Ausgerechnet aus seiner Fraktion blies viel Gegenwind. Er schimpfte: „Wir reden nicht das erste Mal über den Auslobungstext.“ Noch im Juli habe dieser viel Lob geerntet. Außerdem habe man viele Monate an der Planung gearbeitet. „Ich war der Meinung, wir wären etwas weiter.“

Eine lange Diskussion hat sich jetzt im Gemeinderat entwickelt, als es um die neue Mittelschule Holzkirchen ging. Wie berichtet, dürfen 18 Fachbüros an dem Architektenwettbewerb teilnehmen, den die Gemeinde für den rund 23 Millionen schweren Ersatzbau ausrichtet. Als Wettbewerbsbetreuer tritt das Architekten- und Stadtplanerbüro AKFU auf. Der Sieger bekommt den Auftrag zur Realisierung. Jeder Teilnehmer kriegt für seine Mühen Geld, die gesamte Wettbewerbssumme beträgt 105 000 Euro. 24 000 Euro davon fallen dem Sieger zu.

Till Fischer vom AKFU erinnerte daran, dass sich der Gemeinderat bereits mit dem Entwurf zur Auslobung beschäftigte. Jetzt gehe es – angesichts Änderungen infolge der Preisgerichtsvorbesprechung – zur endgültigen Abstimmung über den Text. Dieser wiederum diene den Teilnehmern als Vorgabe. Wesentlicher Bestandteil ist das pädagogische Raumfunktionsbuch, das die Gemeinde mit Lehrern erstellte und das vom Gemeinderat abgesegnet ist.

Demnach soll die Schule für 430 Schüler und 18 Klassen ausgerichtet sein. Da Boden rar ist, soll die Schule dichter bebaut werden als der luftige Bestand. Die Restfläche dient für anderweitige Nutzungen. Von den Preisrichtern wurde nun empfohlen, diese Restfläche auf rund 2000 Quadratmeter zu verkleinern. Dies lasse den Architekten mehr Platz für Kreativität. Simon Ammer (SPD) warnte vor einer fixen Zahl. „Wenn wir eine gute Schule wollen, brauchen wir Spielraum.“ Laut Schmid jedoch müsste diese Zahl nicht exakt eingehalten werden, sie sei ein Richtwert. Dieser ist laut Fischer nötig, um vergleichbare Entwürfe zu bekommen. „Sonst vergleichen wir Äpfel mir Birnen.“

Michael Wohlschläger (CSU) wollte wissen, ob in der Pausenhalle externe Veranstaltungen stattfinden können. Da für dritte Nutzer andere Auflagen gelten, sehe es schlecht aus, erklärte Werner Kulessa aus dem Bauamt. Entsprechende Maßnahmen trieben die Kosten in die Höhe.

Ums Geld ging es auch bei den mindestens 15 Kfz-Parkplätzen und den rund 230 Radlstellplätzen, die direkt an der Mittelschule nachgewiesen werden müssen. Sepp Sappl (CSU) senior trat eine lange Diskussion los: Er plädierte dafür, die für Autos in einer Tiefgarage und die Räder in einem erweiterten Keller unterzubringen. Bislang sind 300 Quadratmeter Keller eingeplant. Kulessa schätzte, dass eine Tiefgarage 2,5 Millionen Euro extra kosten würde. Sappl blieb hart: „Es ist klar, dass das finanziell der Hammer wird.“ Aber er wolle sich nichts verbauen. Albert Kraml (CSU) blies ins selbe Horn. Immerhin sei der oberirdische Grund „unser Silber“. Fraktionskollege Johannes Dörder nickte. Durch die Tiefgarage gewinne man Fläche für die Schule. Laut Schmid wäre eine Tiefgarage für die Mittelschule jedoch nicht förderfähig, weil sie nicht dem Zweck einer Bildungseinrichtung diene.

Anita Gritschneder (Grüne) hielt es für einen Schildbürgerstreich, eine neue Tiefgarage zu bauen – wo man doch nebenan in der Parkgarage Kapazitäten hätte. Ulrike Küster (Grüne) wollte wissen, warum man die Stellplätze nicht einfach dort zuweisen könne. Diese Garage wurde für Besucher des Kultur im Oberbräu gebaut, erklärte Schmid. Da EU-Gelder flossen, sei eine Zweckentfremdung unmöglich. Marktbaumeister Florens Hintler warnte davor, dass es Zeit kosten würde, die Tiefgarage in die Planungen einzuflechten. Das werfe den Terminplan zurück. Im März 2021 will man den Sieger küren. Wolfgang Huber (SPD: „Ich habe schlechte Erfahrungen damit gemacht, bei langfristigen Projekten Entscheidungen unter Zeitdruck zu fällen.“ Laut Fischer muss in der Auslobung stehen, ob eine Tiefgarage gewollt ist. „Es ist eine politische Entscheidung, ob Sie den Kostenblock möchten.“ Am Ende beschloss der Gemeinderat mehrheitlich, die Wettbewerbsauslobung umzusetzen.

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