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Bieten ab Juli sieben Kindern ein Zuhause: Camilla und Andreas von Berg.

Eröffnung im Juli

Mitterdarching bekommt ein Kinderheim

Sieben Kinder sollen ab Juni in Mitterdarching ein Zuhause finden – in der Villa Sonnenschein. Das Ehepaar Camilla und Andreas von Berg eröffnet dort bereits sein zweites Kinderheim.

Mitterdarching - Es ist oft ein Teufelskreis: Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen, wurden nicht selten selbst von ihren Eltern vernachlässigt. Im schlimmsten Fall müssen die Kinder aus der Familie genommen werden um sie zu schützen. Da kommen Camilla und Andreas von Berg ins Spiel. Sie betreiben seit 2015 ein Kinderheim in Reichersbeuern, die Villa Südwind. Jetzt eröffnet das Ehepaar ein weiteres Kinderheim: in Mitterdarching an der Bahnhofstraße. Ab Juni sollen dort – in die Villa Sonnenschein – sieben Kinder im Alter zwischen drei und zwölf Jahren einziehen. 

Die Probleme in den Familien sind vielschichtig. Alkohol, Drogen, Gewalt und Missbrauch. „Diese Eltern sind nicht grundböse oder gemein, sie haben ihr eigenes Päckchen zu tragen und wissen nicht, was richtig oder falsch ist“, sagt Camilla von Berg. Sie selbst nimmt seit 16 Jahren als Pflegemutter Kinder bei sich auf. Momentan lebt ein zweieinhalbjähriges Mädchen bei ihr. Sie beschreibt dies als Bereicherung für die ganze Familie, also ihren Gatten Andreas und die beiden leiblichen Kindern David (9) und Anna (17). Vor acht Jahren rief sie gemeinsam mit ihrem Mann die „Arche Miesbach“ ins Leben – ein Verein, der sich ebenfalls Kindern in Not annimmt und Pflegefamilien vermittelt. 

„Viele Kinder geben sich selbst die Schuld, wenn die Eltern handgreiflich werden, sie missbrauchen oder Alkoholprobleme haben. Diese Schuld müssen wir den Kindern nehmen“, sagt die 47-jährige Pflegemutter. Dabei beginne der Missbrauch nicht etwa erst bei Gewalt oder sexuellen Übergriffen. „Der emotionale Missbrauch ist bereits ein großes Unrecht, gegen das wir kämpfen müssen.“ 

Wenn ein Kind aus seiner Familie genommen wird, reagiert es oft verstört. Einerseits ist es froh, dass es aus der anstrengenden Situation herauskommt, andererseits liebt es trotzdem seine Eltern und vermisst sie. „ Mit einer Stabilität in einer anderen Familie oder der Integration in einem kleinen Heim können wir den Kindern zeigen, dass das Leben viele schöne Seiten hat. Sie müssen lernen, das Schöne anzunehmen“, erklärt von Berg. Die Kinder werden über das Jugendamt vermittelt. „Wir legen großen Wert darauf, dass Geschwister zusammen bleiben können. Das gibt den Kindern Kraft.“ 

Im Juni sollen die ersten Bewohner in die Villa Sonnenschein einziehen. Sie werden von Fachpersonal betreut und leben in einem familienähnlichen Verbund. Von Berg hofft auf eine reibungslose Integration in das Mitterdarchinger Dorfleben. Dem schließt sich Franz Huber, Geschäftsleiter der Gemeinde, an: „Das ist die erste Einrichtung dieser Art in Valley und somit betreten wir Neuland. Wir freuen uns darauf und stehen den Bewohnern und Pädagogen positiv gegenüber.“ Der Gemeinderat hat die erforderliche Nutzungsänderung der Villa Reitzenstein – erbaut im Jahr 1900 – in seiner Februar-Sitzung gegen eine Stimme befürwortet. 

Um die Villa Sonnenschein eröffnen zu können, fehlt es dem Ehepaar von Berg noch an geeignetem Personal. „Wir brauchen dringend Pädagogen und Praktikanten“, erklärt sie. Tierlieb sollten die Mitarbeiter sein, denn mit den Kindern ziehen auch drei Hunde und ein Esel in den Garten der Villa Sonnenschein. „Tiere tun den Kindern gut. Sie geben Ruhe und die Kinder können Verantwortung übernehmen.“

Kathrin Suda

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