Sicherheitsposten sichern Bahnübergang bei Thann händisch während ein Zug kommt.
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Am Bahnübergang Thann und an drei weiteren Übergängen müssen derzeit Bahn-Mitarbeiter manuell für Sicherheit sorgen.

Manuelle Regelung an vier Stellen nötig

Nach Unfall am Bahnübergang: Neuer Schwung für Schranken 

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Seit Jahren ringen die Gemeinde Warngau und die DB Netz AG um mehr Sicherheit am Bahnübergang in Thann. Bislang ohne Erfolg. Der schwere Unfall am Dienstag könnte nun neuen Schwung in die zähen Verhandlungen bringen. 

  • Am Dienstag ist wieder ein schwerer Unfall am Bahnübergang Thann passiert
  • Seit Jahren ringen Gemeinde und Bahn um mehr Sicherheit
  • Neue Verhandlungen zu Schrankenlösung sollen aufgenommen werden.

Thann – Der Schock sitzt noch tief. Warngaus Bürgermeister Klaus Thurnhuber (FWG) muss das Ganze erst mal sacken lassen. So richtig überrascht ihn der Unfall allerdings nicht. „Das Problem ist nicht gelöst, wenn man nichts macht“, findet er. Und er selbst habe viel versucht.

Wie berichtet, ist am Dienstag am unbeschrankten Bahnübergang bei Thann wieder ein schwerer Unfall passiert. Bei einer Kollision eines Pkw mit einem Zug der Bayerischen Regiobahn (BRB) wurden ein 29-Jähriger, eine 22-Jährige sowie ein vier Monate altes Baby schwer verletzt. Der Zugverkehr war danach stark beeinträchtigt. Das Tragische: Seit Jahren ringen die Gemeinde Warngau und die DB Netz AG um die Beschrankung des Bahnübergangs. Auf eine Lösung haben sich beide Seiten bislang nicht geeinigt.

Der Hintergrund

Laut Thurnhuber würde die Gemeinde gerne auch drei weitere Bahnübergänge aufrüsten: bei Lochham, am Sportplatz und an der Verbindungsstraße nach Piesenkam. Der gefährlichste sei der bei Thann. Immer wieder krachte es. Der letzte schlimme Unfall passierte dort im Januar 2018. Der Autofahrer überlebte nur schwer verletzt. Der Einsatz weckte Erinnerungen an den tragischen Unfall im August 2011. Damals starben dort zwei junge Holzkirchner.

2018 habe die Gemeinde 500 000 Euro an Haushaltsmitteln für die Bahnübergänge eingestellt. „Wir wollten damit ein Signal senden und die Ernsthaftigkeit zeigen“, betont Thurnhuber. Zum Einsatz kam das Geld allerdings nie. Bund, DB und Gemeinde hätten sich zu jener Zeit die Kosten für eine Beschrankung zu jeweils einem Drittel teilen müssen, berichtet Thurnhuber. Seit März 2020 allerdings müsse die Kommune dank einer Gesetzesänderung nicht mehr mitzahlen. Als dritter Geldgeber springe nun der Freistaat ein. Aber: „Die Gemeinde arbeitet natürlich gerne an Lösungen mit.“ Das letzte große Gespräch zu dem Thema mit allen Beteiligten fand laut Thurnhuber im Juni 2018 statt. Seine anschließenden Briefe an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) blieben unbeantwortet.

Wunsch nach Schranken

Die Gegenseite jedoch sieht das Problem eher im Warngauer Rathaus. „Wir kommen da einfach nicht weiter“, sagt Bernd Honerkamp, Pressesprecher der Deutschen Bahn AG. „Wir müssen unser Bedauern ausdrücken, wenn etwas passiert.“ Und: „Es ist natürlich schlimm, wenn Menschen zu Schaden kommen.“ Auch die DB Netz wolle daher schon lange den Bahnübergang bei Thann mit einer Halbschranke und einer modernen Lichtzeichenanlage aufrüsten. Dafür aber soll der bei Lochham geschlossen werden. Eine Reduzierung von Bahnübergängen – eine potenzielle Gefahrenquelle – diene insgesamt der Sicherheit. Dieses Argument will Thurnhuber nicht gelten lassen: „Wir brauchen die Bahnübergänge für unsere Infrastruktur“, erklärt er. „Das sind Asphaltstraßen im ländlichen Raum.“ Laut Honerkamp aber wäre bei Lochham nur ein Anwesen besonders betroffen.

Manuelle Regelung

Außerdem ist das nach Ansicht der Bahn alles nicht so einfach. Laut Honerkamp hängt der Bahnübergang in Thann nämlich technisch mit anderen zusammen. Weshalb man wenn dann auch die Nachbarn aufrüsten müsste. Nachdem das beim jüngsten Unfall beschädigte Schalthaus in Thann quasi auch als Zentrale für drei weitere Übergänge dient – in Lochham sowie auf Holzkirchner Flur an der Miesbacher Straße und an der Tegernseer Straße – funktionieren die Anlagen dort im Moment auch nicht mehr. Es könne Monate dauern, bis die Störungen behoben sind, erklärt Honerkamp. Bis dahin müssen Sicherheitsposten, also Mitarbeiter, an allen vier Übergängen vor Ort stehen und händisch für Sicherheit sorgen: etwa mittels Girlanden oder mobilen Schrankenanlagen.

Zugverspätungen

Diese verquickte Technik hat derzeit ebenfalls Auswirkungen auf den Zugverkehr, wie die BRB in einer Pressemitteilung erklärt: „Dies bedeutet, dass derzeit Bahnübergänge südlich von Holzkirchen mit verminderter Geschwindigkeit angefahren und von Mitarbeitenden der BRB manuell gesichert werden müssen.“ Dies führe bei jeder Zugfahrt zu Verspätungen von zehn bis 15 Minuten.

Die DB Netz AG als Eigentümerin der Infrastruktur arbeite unter Hochdruck an einer Übergangslösung, da die Reparatur der schweren Infrastrukturschäden lange Zeit beanspruchen wird. Sie werde voraussichtlich am heutigen Donnerstag umgesetzt. Oder zumindest beginnen. Laut BRB wurde zudem ein LINT-Triebfahrzeug beschädigt, das nun repariert wird. Weder BRB noch Bahn können den Sachschaden genau beziffern. Nach ersten Angaben der Polizei beläuft er sich auf rund 1,5 Millionen Euro. Allein am Schalthäuschen entstanden 1,3 Millionen Euro Schaden, der am Zug beträgt 100 000 Euro.

Sowohl für Thurnhuber als auch für die DB Netz ist der Unfall auf jeden Fall ein Anlass, einen neuen Anlauf zu starten. „Wir möchten eine dauerhafte Lösung“, betont Honerkamp.

Infos

zu den Fahrplanänderungen stehen auf www.brb.de bereit.

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