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In diesem Bereich am Ladehof am Holzkirchner Bahnhof dürfen nur Dauerparker mit Monatsticket stehen.

Bahnhof: Pendler klagen über Strafzettel

Neue Parkregeln sorgen für Wirbel

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Holzkirchen - Seitdem neue Regeln für Dauerparker am Holzkirchner Bahnhof gelten, gibt es Ärger. Viele Pendler haben einen Strafzettel bekommen – weil sie nicht ausreichend informiert wurden, sagen sie. Doch die BahnPark verweist auf Schilder und Handzettel – und lenkt am Ende sogar ein.

Friedhelm Jacobs aus Warngau ist sauer. Seine Frau pendelt täglich nach München in die Arbeit. Sie fährt von Warngau mit dem Auto zum Holzkirchner Bahnhof, parkt dort, und fährt mit S-Bahn oder BOB weiter. Zwei Strafzettel à 23 Euro hat das Ehepaar innerhalb kurzer Zeit kassiert. Der Grund: Das Auto stand fälschlicherweise auf den neuen Dauerparkplätzen am Ladehof und am Otterfinger Weg. „Die Bürger wurden nicht ausreichend informiert“, findet er. Viele andere hätten über die Situation geklagt. Eine weitere Betroffene aus Otterfing schreibt an unsere Zeitung: „Die momentane Situation am Holzkirchner Bahnhof schreit nach einem Hilferuf für die Pendler.“ 

Johann Bachhuber vom Ordnungsamt im Rathaus kann das mit den Klagen nur bestätigen: Sein Telefon steht seit dem 1. Februar nicht mehr still. Auch das E-Mail-Postfach quillt über. „Viele Bürger haben sich bei uns beschwert.“ Auch sie haben mit dem falschen Ticket, etwa einem Tagesticket, auf den Dauerparkplätzen geparkt – und ein Knöllchen kassiert. 

Wie berichtet, bewirtschaftet die Contipark seit September 2015 die Parkflächen auf beiden Bahnhofseiten. Dafür hat ihr Kooperationspartner BahnPark Flächen von der DB Station & Service sowie von der Gemeinde gepachtet. Weil laut Gemeinde viele Anwohner Monatstickets dafür missbrauchten, ihre Autos dort abzustellen und dadurch Parkplatzmangel entstand, justierte die BahnPark nochmal nach. Für Dauerparker mit Monatstickets wurden zwei feste Bereiche am Ladehof und am Otterfinger Weg ausgewiesen; zum anderen das Monatsticket an den Besitz eines Bahntickets geknüpft. Das Monatsticket für 19 Euro gibt es seit 1. Januar nicht mehr am Automaten, sondern nur noch auf Anfrage bei Contipark – nur gegen Vorlage einer Zeitfahrkarte von MVV, DB, BOB oder Meridian. Wer kein Bahnticket zeigen kann, zahlt 38 Euro. 

Laut Bachhuber gab es im ersten Monat Januar eine Karenzzeit, in der Bürger über diese Neuerungen informiert und in der keine Strafzettel verteilt werden sollten. Seit dem 1. Februar ist das vorbei. Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) ergänzt: „Es war ausgemacht, dass BahnPark davor 2000 Zettel verteilt, um die Bürger über die neuen Regeln zu informieren.“ Viele Pendler aber hätten sich darüber beschwert, keine Zettel bekommen zu haben – darunter Jacobs aus Warngau. „Niemand wurde über die erneute Umstellung der Parkgebühren informiert, es geschieht einfach so“, schreibt auch die Pendlerin aus Otterfing. „Da ist irgendwo der Wurm drin“, meint Löwis. 

Stephan Schanze und Marc-André Salomon von der BahnPark weisen die Vorwürfe zurück. „Wir haben alles getan, um die Leute zu informieren“, betont Salomon. Für die neue Situation bezüglich der Dauerparker habe man „die Beschilderung komplett geändert“, so Schanze. Und: „Alle Dauerparker, die einen Vertrag bei uns haben, haben wir schriftlich informiert.“ Die 2000 Zettel seien verteilt worden, beteuern Schanze und Salomon. Unter anderem an die Autos, die in der Kulanzzeit im Januar falsch standen. Auch über das Gemeindeblatt habe man darauf aufmerksam gemacht. „Davon abgesehen gibt es bei den Dauerparkern keine Automaten mehr“, sagt Schanze. Eben weil diese keine Monatstickets mehr ausgeben. 

Jacobs hat die Schilder an den Zufahrten zwar bemerkt: „Aber das ist alles irreführend“, klagt er. Wenn man als Pendler morgens im Dunkeln ranfahre, übersehe man sie leicht. Trotz allem Verständnis für die Bürger entgegnet Bachhuber, dass man auch ein gewisses Maß an Selbstverantwortung erwarten könne. Schließlich würden ja nicht alle Regeln immer gleich bleiben. „Wenn plötzlich an einer Stelle Tempo 30 gilt, müssen das die Fahrer ja auch selber sehen.“ 

Löwis will mit BahnPark sprechen, um die Situation aufzuklären. „Es kann nicht sein, dass Bürger so viele Strafzettel bekommen.“ Im Notfall fordert er, „dass diese Strafzettel zurückgenommen werden“. Und offenbar lenkt BahnPark sogar ein. Salomon sagt gegenüber unserer Zeitung, dass man guten Willen zeigen und ausnahmsweise „diese Strafzettel zurücknehmen“ werde, was aber nicht für die gelte, die überhaupt kein Parkticket hatten. „Wir wollen zeigen, dass wir keine Abzocker sind.“

Von Marlene Kadach

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