Helfen bei der Umstellung: Gemeindereferentin Barbara Kainz und Kirchenmusiker Dirk Weil mit dem neuen Gotteslob, das in gut einer Woche im Pfarrverband Holzkirchen eingeführt wird. Foto: andreas Leder

Neues Gotteslob: Nachhilfe für Katholiken

Holzkirchen - Wenn Gewohntes sich verändert, weiß erst mal keiner so recht, wo’s langgeht. Das war bei der Rechtschreibreform so und ist es bei der Umstellung bei Banküberweisungen. Jetzt müssen sich die Katholiken gefasst machen: Nach fast 40 Jahren erscheint ein neues Gotteslob. In Holzkirchen gibt’s „Nachhilfe“ zur Eingewöhnung.

Es ist eine Institution in katholischen Haushalten: das Gotteslob. Seit 1975 ist das erste einheitliche deutschsprachige Kirchengesangbuch in Gebrauch. Seit Pfingsten gibt es nun eine neue, völlig überarbeitete Auflage. In einigen Gemeinden ist sie bereits in Gebrauch; in den Gotteshäusern des Pfarrverbands Holzkirchen werden demnächst die alten Gotteslobbücher aus den Kästen geräumt und durch die neuen ersetzt. „Wir haben uns extra Zeit gelassen“, erklärt Kirchenmusiker Dirk Weil. Man habe Pfingsten oder Fronleichnam noch als solche feiern wollen, statt an diesen das neue Gotteslob in den Vordergrund zu stellen. Nun ist die Zeit reif.

Zunächst wird es am morgigen Donnerstag eine Vorstellung geben, die wesentliche Neuerungen erläutern und dabei insbesondere auch auf den privaten Gebrauch in den Familien eingehen wird (siehe Kasten). Gut eine Woche später werden die neuen Gotteslob-Bücher eingeführt.

Zwei Paletten sind es, die in den vergangenen Wochen von fleißigen Händen ausgepackt und Stück für Stück gestempelt wurden. Buch für Buch wurden die roten und grauen Einmerkbändchen mit Wachs gestärkt, um nicht auszufransen, wenn sie fortan in Tausenden von Gottesdiensten von den Händen der Gläubigen in die Seiten mit den angezeigten Liedern und Gebeten gelegt werden.

Apropos: Fast 40 Jahre galt es, dieselben Nummern für ein Kyrie oder Halleluja anzustimmen. Nun ist alles komplett neu geordnet. Daran muss sich auch Weil erst mal gewöhnen. „Bisher hatte ich alles auswendig im Kopf“, sagt der erfahrene Kirchenmusiker. „War 257 angesagt, wusste ich, das ist ,Großer Gott, wir loben Dich‘“. Und trotzdem begrüßt er die Änderungen: „Eine Neuerung war fällig. Es gab einfach Dinge, die nicht mehr zeitgemäß waren.“

Zwar gab es Anfang der 1990er Jahre eine geringfügige Modernisierung des Stammteils, bei dem unter anderem der Begriff „Brüder“ durch „Brüder und Schwestern“ oder „Christen“ ersetzt wurde. Doch damit nicht genug. Vor etwa zehn Jahren beschloss man auf Initiative der Pfarreien in den Bistümern die Neuauflage. Einerseits wurden damit Texte zeitgemäß formuliert. Andererseits wurden Lieder, die sich nie richtig durchsetzen konnten, durch andere ersetzt. Mit „Jesus Christ, You are my life“ findet man erstmals auch ein englischsprachiges Lied im Gotteslob.

Weil ist „recht zufrieden mit der neuen Form“. Wie sie sich im Alltag bewährt, wird sich zeigen, sinniert der Kirchenmusiker, der seit etwa einem Jahr mit einer Vorpublikation arbeitet, die er in einem Ordner gesammelt hat. Er hat sich vertieft in Texte und Melodien, schon einiges mit dem Chor geprobt und auch manches mit der Gemeinde gesungen. Den Stammteil ergänzt der so genannte Diözesananteil, denn auch beim neuen Gotteslob gibt es leicht modifizierte regionale Ausgaben.

Was es bis heute nicht gibt, sind die entsprechenden Orgelbücher. Wegen urheberrechtlicher Probleme warten die Kantoren in ganz Deutschland auf die Noten, die frühestens im Herbst zur Verfügung stehen werden. „Organisten müssen so versiert sein, sich selbst zu helfen“ weiß Weil.

Und was passiert mit den alten Ausgaben? Der Pfarrverband Holzkirchen überlässt sie in den Gottesdiensten am kommenden Wochenende (5./6. Juli) interessierten Kirchgängern gegen eine kleine Spende.

Von Heidi Siefert

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