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Auf dem Weg zum Schulbus ist Nico Bauer in Thalham gestürzt, weil einige Anwohner den Schnee auf den Gehwegen nicht geräumt hatten. Der 14-Jährige muss nun mit Krücken gehen.

Gemeinde zieht Konsequenzen

Anwohner räumen nicht: Nico (14) stürzt auf Schulweg

  • Marlene Kadach
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Thalham - Weil Anwohner in Thalham den Schnee vor ihrer Haustür nicht geräumt hatten, ist Nico (14) auf dem Weg zum Schulbus gestürzt. Die Gemeinde hat nun eine Konsequenz gezogen.

Seit Jahren ist Nicole Bauer aus Thalham besorgt. „Die Kinder brauchen einen sicheren Schulweg“, sagt sie. Doch so mancher Nachbar nehme es im Winter nicht so genau mit dem Schneeräumen.

Und jetzt ist etwas passiert: Ihr Sohn Nico (14) spaziert am Mittwoch entlang der Staatsstraße 2073 zur Schulbushaltestelle. Er kommt – wie so oft – kaum durch. Auf dem Gehweg liegen 40 Zentimeter Schnee, es ist glatt. Nico versucht auszuweichen, wechselt sogar die Straßenseite – er stürzt und verletzt sich. „Hose kaputt, Knie kaputt, es blutete“, klagt die Mutter. Wäre in dem Moment ein Auto gekommen – Bauer will gar nicht dran denken.

Vor allem seit dieser Woche macht der massive Schneefall vielerorts Probleme. Einige Verkehrsunfälle sind auch im Nordlandkreis auf glatten Fahrbahnen passiert. Schneeräumdienste und Privatpersonen kommen mit der Arbeit kaum nach. Trotzdem. Was Bauer besonders ärgert: „Ich habe die Gemeinde schon darüber informiert“, sagt sie. Mehrfach. „Aber ich habe keine Antwort bekommen.“ Und: „Die Gemeinde muss sich kümmern.“

Bürgermeister Leonhard Wöhr weist die Schuld seiner Gemeinde von sich. Grundsätzlich bestehe für Eigentümer laut der Verordnung über die Sicherheit der Gehbahnen im Winter in der Regel eine vorgeschriebene Räum- und Streupflicht auf Gehwegen entlang ihrer Grundstücksgrenzen. So auch in Thalham. Zugleich bittet er Bürger um Verständnis, dass „bei fast 50 Kilometern Gemeindestraßen bei andauerndem Schneefall auch gesetzliche Ruhezeiten der Fahrer beachtet werden müssen.“ Gerade an Ausnahmetagen.

Was die Anwohner betrifft, bestätigt Wöhr, dass es 2012 für Thalham eine Beschwerde gab, so sei es in den Akten vermerkt. Unter anderem deswegen habe die Kommune damals die Verordnung über die Sicherung der Gehbahnen im Winter verschärft. Wöhr bescheinigt außerdem, dass über den Jahreswechsel ein Schreiben von Bauer im Rathaus eingegangen ist. Allerdings seien die Angaben darin zu unbestimmt gewesen, als dass die Gemeinde konkret hätte reagieren können.

Die Gemeinde wolle nun aber der Sache nachgehen und herausfinden, „wo es speziell hakt“. Dafür hat sich Wöhr am Donnerstagmorgen persönlich vor Ort ein Bild von der Lage gemacht. Sein Fazit: „Der Einwand ist berechtigt.“ Im Prinzip sei in ganz Thalham auf den Gehwegen so gut wie gar nicht geräumt gewesen. Besondere Brisanz bekomme die Stelle, nachdem die Wege an einer vielbefahrenen Staatsstraße verlaufen. Mehr noch: Einige Privatleute hätten sogar zusätzlich ihren Schnee auf den Gehweg geschippt. Die Situation sei mittlerweile so schlimm, dass man diese Masse gar nicht mehr mit einer Schaufel entfernen könne.

Also hat Wöhr kurzerhand beschlossen, den Gehweg ausnahmsweise maschinell und im Namen der Gemeinde von einer externen Firma räumen zu lassen. Das ist gestern auch passiert. „Außerdem werden wir alle betroffenen Anwohner anschreiben und auf das Problem aufmerksam machen.“ Vielleicht sei es ja vielen gar nicht bewusst, dass der Weg zum Schulbus führe. Findet sich gar keine Einigung, könne die Gemeinde mit den Eigentümern einen Dienstplan zum Schneeräumen einführen. Als letztes Mittel könnte die Kommune ein Bußgeld verhängen.

Derjenige Nachbar, dem Bauer besonders die Schuld gibt, möchte auf Anfrage unsere Zeitung keine Auskunft geben.

Patient Nico ist erstmal krankgeschrieben. Was genau mit seinem Knie los ist, ist noch offen. Allerdings hat man ihm im Krankenhaus Krücken mitgegeben. Und damit lässt es sich noch schwerer im Schnee gehen.

Von Marlene Kadach

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