Wohin steuert der Ortsbus? Die Marktgemeinde sucht nach Möglichkeiten, das Modell attraktiver zu machen.  Foto: tp
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Der Ortsbus soll künftig mehr Fahrgäste gewinnen, hofft der Bürgermeister. 

Gemeinderat Holzkirchen fällt Entscheidung

Ortsbus soll besser werden: Eine feste Linie und ein Rufbus

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Die Gemeinde will den Holzkirchner Ortsbus verbessern: Künftig soll es nur noch eine Linie geben. Die restlichen Ortsteile bedient dann ein Rufbus. 

Holzkirchen - Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) ist unzufrieden mit der Nutzung der drei Linien des Holzkirchner Ortsbusses. Zwei davon würden meist „warme Luft durch die Gegend fahren.“ Ökologisch und ökonomisch eine Katastrophe. Schon länger steht fest: Der Ortsbus soll besser werden. „Der Ortsbus hat uns in den letzten Wochen ziemlich beschäftigt“, sagte Schmid nun in der Gemeinderatssitzung. In einer Arbeitssitzung hatte sich der Verkehrsausschuss auf zwei Bausteine geeinigt, die Standortförderin Eva-Maria Schmitz und Peter Schiffmann, Fachbereichsleiter Verkehr am Landratsamt, jetzt vorstellten.

Schiffmann erklärte, „warum es so pressiert“. Wie berichtet, hatte der Markt, beziehungsweise dessen Gemeindewerke, heuer die Trägerschaft für den Ortsbus an den Landkreis übergeben. Dieser übernimmt die Ausschreibung, die entscheidet, wie es ab Herbst 2022 weitergeht. Bis Ende 2020 muss die Gemeinde Wünsche äußern.

Und die sehen nun sogar schlanker aus als der Rahmen, den der Kreis vorschlug, der sich finanziell beteiligt. Der erste Baustein sieht eine Reduzierung auf eine Linie vor. Diese soll vom Holzkirchner Bahnhof über das Gewerbegebiet Ost und die B 318 bis ins Gewerbegebiet Nord und wieder zurück fahren. Und zwar in einem 30-Minuten-Takt bei 23 Minuten Fahrzeit.

Den zweiten Baustein soll ein On-Demand-System bilden. Dieser Rufbus soll die restlichen Ortsteile bedienen, und zwar flexibel und auf Anfrage. Per Telefon oder App. „Es wird virtuelle Haltestellen geben“, so Schmid. Der Nachteil: „Man weiß vorher nicht, wie hoch die Kosten sind.“ Denn je mehr der Rufbus genutzt wird, desto teurer wird es für die Gemeinde.

Die vom Landkreis angedachte Anbindung an die Gewerbegebiete Oberlaindern sowie Birkerfeld in Warngau und an den S-Bahnhof Kreuzstraße bleibt erst mal außen vor. Die Nachbargemeinden waren sich noch nicht einig.

Die Gesamtkosten für den Ortsbus betragen rund 190 000 Euro im Jahr. 90 Prozent davon zahlt die Gemeinde, zehn Prozent und maximal 44 000 Euro der Landkreis. Es gehe nun darum, einen Grundsatzbeschluss zu fällen, betonte Schiffmann. An Details wie dem Fahrplan oder Fahrzeugtypen könne man später feilen. Jetzt schon feststehen müssen etwa Tarif und Betriebszeiten. Ein Tagesticket für Erwachsene soll zwei Euro kosten, Kinder und Senioren zahlen einen Euro. Alle Inhaber der Holzkirchen Card dürfen umsonst mitfahren. Der Bus verkehrt von Montag bis Freitag von 6.30 bis 20 Uhr.

Ulrike Küster (Grüne) begrüßte die Linie, weil sie den Verkehr der Einpendler senke. Dennoch bemängelte sie, dass Fellach und Föching nicht angefahren werden. Schiffmann riet von einer Ringlinie ab, die mehr Ortsteile abdeckt – wegen der langen Fahrzeit. Küster forderte zudem, dass Orts- und Rufbus kostenlos für Kinder und Senioren sein sollte. Karl Bär hatte im Namen der Grünen einen Antrag eingereicht, wonach Sachsenkam und Großhartpenning angebunden werden sollen. Die Verwaltung solle prüfen, ob dafür eine Förderung nach dem neuen bayerischen Förderprogramm infrage kommt. Sebastian Franz (CSU) befürchtet bei mehr Haltestellen erneut „leere Geisterbusse“, nur zur Starkbierzeit werde sich der Bus nach Sachsenkam zur „Reutberglinie“ entpuppen. Mit dem Rufbus könne man Leute aus den Ortsteilen flexibler und schneller abholen.

Auch eine finanzielle Beteiligung von Bosch stand im Raum. Hier gibt es laut Schmitz noch nichts Konkretes. Robert Wiechmann (Grüne): „Ich finde es schwach, dass da nichts kommt von einem Investor, der das halbe Gewerbegebiet besetzt.“ Schmitz betonte, dass die Firma interessiert sei und man weiter in Gesprächen stehe.

Simon Ammer (SPD) sprach von einem „Quantensprung in Holzkirchen beim ÖPNV“. Torsten Hensel (FWG) sagte: „Umweltfreundlich ist, wenn volle Busse fahren.“ Schmid ist „felsenfest davon überzeugt“, mit diesem Hybridsystem den ÖPNV in Holzkirchen zu verbessern. Am Ende stimmte der Gemeinderat einmütig für die Veröffentlichung einer Vorabbekanntmachung für den Ortsbus durch den Landkreis mit der genannten Linie. Er soll für fünf Jahre ausgeschrieben werden. Außerdem entschied das Gremium geschlossen, dass die Verwaltung ein Büro finden soll, das ein passgenaues On-Demand-System für die Gemeinde erarbeitet.

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