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Jetzt ist der Turm wieder eingerüstet: Nach der tierschutz-bedingten Zwangspause hoffen (v. l.) Mesnerin Barbara Riblinger, Barbara Baindl (Verwaltungsleiterin des Pfarrverbands Otterfing) und Kirchenpflegerin Barbara Gugler auf einen zügigen Fortgang der Kirchturmsanierung in Bergham.

Gerüst wurde wieder abgebaut

St. Valentin in Bergham: Brütende Dohlen verzögern Turmsanierung

In den Kirchturm von St. Valentin in Bergham dringt Feuchtigkeit ein, eine Sanierung ist dringend geboten. Die Arbeiten verzögerten sich, weil ein gefiedertes Liebespaar den Kirchturm zur Familiengründung nutzte.

Otterfing Die Finanzierung stand, die Handwerker waren bestellt. Im Februar rückten die Gerüstbauer an, um die überfällige „Trockenlegung“ des Kirchturms von St. Valentin in Gang zu bringen.

Doch kaum stand das Gerüst, entdeckten Dohlen den jetzt wunderbar windgeschützten Turm und dessen offene Fenster. „Vier Dohlenpaare haben sich darum gestritten, wer einziehen darf“, berichtet Barbara Baindl, Verwaltungsleiterin des Pfarrverbands Otterfing.

Das Gerüst wäre ein Aufstiegshilfe für Marder gewesen

Ein Paar setzte sich durch – und begann flugs mit Nestbau und Brüten. Als einem Anwohner der Flugverkehr am Turm auffiel, konsultierte der Pfarrverband die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt. „Es gab dann einen Ortstermin“, sagt Baindl. Ergebnis der Besprechung: Das junge Glück bekommt die Zeit, die es braucht. Mitte April wurden Teile des Gerüsts sogar wieder abgebaut. „Sonst hätten Marder diese Aufstiegshilfe wohl gerne angenommen“, sagt Baindl. Und derartigen Besuch wissen Dohlen nicht unbedingt zu schätzen.

Die Rücksicht der Menschen zeigte Wirkung. „Fünf Küken sind geschlüpft“, berichtet Baindl. Im Juli wurden die kleinen Dohlen flügge, die Brut ist ausgeflogen. Jetzt also kann die Sanierung endlich durchstarten. Das Gerüst steht wieder. Die zusätzlichen Arbeiten schlagen laut Baindl mit etwa 3000 Euro zu Buche. „Das wird uns bei der Kalkulation der Baumaßnahmen aber nicht aus der Bahn werfen“, hofft Baindl, die seit April als Verwaltungsleiterin in den Pfarrverbänden Otterfing, Dietramszell und Gaißach-Reichersbeuern fungiert.

Insgesamt belaufen sich die Kosten der Turmsanierung auf rund 100 000 Euro. Den Großteil (70 Prozent) übernimmt das Erzbischöfliche Ordinariat. Der Gemeinderat bewilligte einen Zuschuss von 10 000 Euro, vom Bezirk Oberbayern kommen 3000 Euro. Baindl geht davon aus, dass die Sanierung zwei bis drei Monate dauert und im Oktober abgeschlossen ist.

Das Problem: Der Turm wurde hundert Jahre später angebaut

Dass der Übergang von Kirchturm und Kirchenschiff leckte, ist aus der Baugeschichte zu erklären. St. Valentin war anno 1523 nur als Tuffstein-Halle gebaut worden. Den Turm gönnten sich die Berghamer erst zur 100-Jahr-Feier im Jahr 1623. Es gelang den Handwerkern damals und auch später nicht, eine wasserdichte Verbindung zu konstruieren. So sickerte stets Feuchtigkeit ein. Eine provisorische Verblechung vor zwei Jahren verhinderte Schlimmeres, löste das Problem aber nicht nachhaltig. Das wird jetzt nachgeholt. Die Außensanierung umfasst neben der Abdichtung diverse Putz- und Malerarbeiten, die Reparatur der Turmjalousien und erweiterten Blitzschutz.

Eine Sanierung würde auch dem Innenraum gut zu Gesicht stehen, in dem die zur Erstausstattung gehörenden Flachkerbschnitzereien an Gestühl und Empore auffallen. Kosten: rund 20 000 Euro. „Das ist zurückgestellt“, sagt Baindl. Es sei unwahrscheinlich, dass das Ordinariat dafür noch einmal den Geldhahn öffnet – zumal in St.Valentin nur einmal im Monat eine Messe gelesen wird. Allerdings steht 2023 die 500-Jahr-Feier an. Viele Berghamer wünschen sich, dass ihre Kirche dann außen und innen glänzt.

Mehr Informationen über die Kirchensanierung in Bergham lesen Sie hier. 

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